NÖ Ärztekammer: "Turnusärzte sollen Medizin lernen und nicht zu Datenpflegern verkommen."  "Der ELGA-Datenberg pro Patient wird ab Einführung von Jahr zu Jahr kontinuierlich wachsen. Besonders bei chronisch kranken Menschen und bei Krebspatienten in Nachsorge-Programmen müssen oft zahlreiche Befunde in relativ kurzen zeitlichen Abständen erhoben werden. Und das über viele Jahre und Jahrzehnte", so Dr.Stefan Halper, Turnusärztesprecher der NÖ Ärztekammer. So ein Krankenakt wird aufgrund seines Umfanges rasch unlesbar und damit unbrauchbar. "Es müsste dann entweder viel mehr Zeit pro Patient zur Verfügung stehen, um den ELGA-Akt bei jedem Patientenkontakt gewissenhaft begutachten zu können. Oder es wird Personen geben müssen, die alle Befunde regelmäßig sichten, ordnen, die enthaltenen Informationen begutachten und so zusammenstellen, dass sie auch jedem anderen behandelnden Arzt rasch, zuverlässig und übersichtlich zur Verfügung stehen", so Halper.  Neues Berufsbild "ELGA-DaPfl"erforderlich "/>
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Gesundheitspolitik 9. Juli 2012

Neben "Spritzenschanis" bald auch "ELGA-DaPfls"?

NÖ Ärztekammer: "Turnusärzte sollen Medizin lernen und nicht zu Datenpflegern verkommen." 

"Der ELGA-Datenberg pro Patient wird ab Einführung von Jahr zu Jahr kontinuierlich wachsen. Besonders bei chronisch kranken Menschen und bei Krebspatienten in Nachsorge-Programmen müssen oft zahlreiche Befunde in relativ kurzen zeitlichen Abständen erhoben werden. Und das über viele Jahre und Jahrzehnte", so Dr.Stefan Halper, Turnusärztesprecher der NÖ Ärztekammer.

So ein Krankenakt wird aufgrund seines Umfanges rasch unlesbar und damit unbrauchbar. "Es müsste dann entweder viel mehr Zeit pro Patient zur Verfügung stehen, um den ELGA-Akt bei jedem Patientenkontakt gewissenhaft begutachten zu können. Oder es wird Personen geben müssen, die alle Befunde regelmäßig sichten, ordnen, die enthaltenen Informationen begutachten und so zusammenstellen, dass sie auch jedem anderen behandelnden Arzt rasch, zuverlässig und übersichtlich zur Verfügung stehen", so Halper. 

Neues Berufsbild "ELGA-DaPfl"erforderlich 

"Das erste Szenario wird wohl in der Planung der Gesundheitspolitiker nicht vorgesehen sein", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer. "Also wird es wohl ELGA-Datenpfleger, also ELGA-DaPfls mit Verantwortung für den Inhalt von ELGA geben müssen. Leider halten sich die Initiatoren von ELGA nach wie vor bedeckt, wer denn diese Tätigkeit durchführen wird."

Fest steht aus seiner Sicht, dass wohl nur Ärztinnen und Ärzte über die nötige Ausbildung für diese Tätigkeit verfügen. "Dies wird nämlich eine zwar mühselige, aber inhaltlich höchst anspruchsvolle Aufgabe sein. Im niedergelassenen Bereich befürchten wohl zu Recht die Hausärztinnen und Hausärzte, dass ihnen diese Aufgabe zukommen wird. "Befürchten" deshalb, weil ELGA-Datenpflege in den Leistungskatalog aufgenommen werden müsste. Woran aber aufgrund der Erfahrungen mit Gesundheitsbürokratie niemand wirklich glaubt", so Reisner. 

Manche EDV-Programme werden niemals brauchbar 

"In den Krankenhäusern wissen wir aus unserer Erfahrung als Turnus- und Assistenzärzte, dass uns bei ungeliebten, aber notwendigen administrativen und bürokratischen Tätigkeiten oft die Hauptlast voll trifft", so Halper weiter. "Wir machen uns daher Sorgen, in Zukunft noch viel mehr als heute vor dem Computer zu sitzen und aus unzähligen Befunddateien die relevanten Informationen herauszusuchen, zu bewerten und entsprechend zu "pflegen". Und dies vielleicht noch mit überalterter Hardware und umständlicher langsamer Software."

Halper beklagt sich, dass die Spitalsärztinnen und -ärzte in den letzten Jahren nicht selten als "Beta-Tester" der Software-Unternehmen eingesetzt wurden. "Es wurden uns halbfertige Programme geliefert, die erst durch unsere Anwendung und permanente Rückmeldung langsam brauchbarer wurden. Manche Programme schafften das niemals."

Dr. Helga statt ELGA

"Und außerdem: Kein Arzt will einen Großteil seiner Arbeitszeit als ELGA-DaPfl verbringen. Und schon gar nicht Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung, die zum Patienten gehören. Zum kranken Menschen, auf Visite, in die Ambulanzen, in die OPs, zu Morgenbesprechungen. Und das zusammen mit ihren Ausbilderinnen und Ausbildern, um von deren Wissen, Können und Erfahrung profitieren zu können", so Halper weiter.

Reisner zum Abschluss: "Wir fordern Dr. Helga statt ELGA: Kranke Menschen brauchen Ärztinnen und Ärzte dringender als Monster-Datenbanken, für deren inhaltliche Wartung nach unserer Befürchtung kein zusätzliches Personal zur Verfügung stehen wird. Und Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung brauchen Zeit, die sie gemeinsam mit Ausbilderinnen und Ausbildern am Patienten verbringen. Und nicht alleine vor dem Bildschirm."

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