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Gesundheitspolitik 5. Juli 2012

Ärztekammer startet "Initiative Ärztenachwuchs"

Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres spricht sich für eine "elastische und bedarfsorientierte Ausweitung" der Studienplätze an den medizinischen Universitäten aus. In Zukunft würden mehr Ärztinnen und Ärzte in Österreich benötigt. Die Zahl der Interessenten sei hoch, die Studienplätze jedoch seien limitiert, wie sich bei den aktuell stattfindenden Aufnahmetests wiederum zeige.

Drohender Mangel

"Wir werden in den kommenden fünf bis sieben Jahren einen dramatischen Pensionsschub erleben. Gleichzeitig wird der Bedarf an qualifizierten Ärztinnen und Ärzten steigen, vor allem in den großen urbanen Krankenhäusern und Kliniken, aber auch im niedergelassenen Bereich am Land." Dazu komme, dass die Anzahl der Ärztinnen deutlich steige. Szekeres: "Da nach wie vor die Hauptlast in der Kindererziehung bei den Frauen liegt, benötigen wir andere Organisationsstrukturen in den Krankenhäusern, Serviceeinrichtungen wie Kinderhorte sowie neue Modelle der Kooperation von Ärztinnen im niedergelassenen Bereich."

Mit Wochenstundenbelastungen von 60 und mehr werde es in Zukunft jedenfalls nicht mehr gehen. "De facto brauchen wir mehr Studienabsolventen, und das spätestens ab dem Jahr 2017", betont Szekeres.

Gerontologiefach wird angedacht

Der Ärztekammerpräsident verweist auch auf die demografische Entwicklung: Die durchschnittliche Lebenserwartung steige auf mehr als 80 Jahre, damit würden die Betreuungs- und Pflegeaufwendungen, auch im medizinisch-therapeutischen Bereich, steigen. "Auch das bedeutet mehr Ärztinnen und Ärzte und Pflegekräfte sowie eine spezifische Ausbildung in der Alters- und Alternsmedizin." So gebe es beispielsweise die Gerontologie als medizinisches Fach noch nicht - "im Zuge einer Ausbildungsreform sollte das zumindest angedacht werden."

Turnus hinterfragen

Szekeres fordert eine dringend notwendige Reform der Ausbildung nach dem Studium: "Der Turnus ist in der derzeitigen Form zu hinterfragen." Das beweise nicht zuletzt eine umfassende Studie, die von Assistenzärzten an Wiener Krankenhäusern durchgeführt wurde. Demnach fühlt sich eine deutliche Mehrheit der Turnus- beziehungsweise Assistenzärzte mangelhaft ausgebildet und falsch eingesetzt, überbelastet, teilweise aber auch fachlich unterfordert.

"Vorstellbar und notwendig sind zudem Lehrpraxen bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, die aber von der öffentlichen Hand mitfinanziert werden müssten", meint Szekeres. Damit wäre auch mehr Praxisnähe und Empathie garantiert.

Initiative startet im Herbst

Mit Herbst 2012 will Szekeres eine "Initiative Ärztenachwuchs" starten. "Wir benötigen eine langfristige und bedarfsorientierte Planung, was die Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten betrifft, insbesondere in Fächern, in denen bereits heute ein Mangel erkennbar ist." Sowohl die Absolventenzahlen des Medizinstudiums als auch die postpromotionelle Ausbildung müssten an den Bedarf angepasst werden, "um einen Ärztemangel, wie er in fast ganz Europa bereits herrscht, in Österreich rechtzeitig zu verhindern."

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