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Foto: Stadtgemeinde Hartberg-Montage
Ein enges Versorgungsnetz knüpft die Ärztekammer Steiermark für die Patienten – zuerst in Hartberg, nun auch in Leibnitz. Die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten – sowohl Allgemeinmedizinern als auch Fachärzten – und dem örtlichen Krankenhaus
 
Gesundheitspolitik 31. Mai 2009

Ein starkes Netz für Patienten in der Steiermark

Niedergelassene Ärzte sowie regionale Krankenhäuser arbeiten intensiver zusammen als bisher und verbessern damit auch das Überweisungsmanagement.

Auf Initiative der Ärztekammer Steiermark startete im Jänner das Netzwerk Styriamed. Es versteht sich als regionaler Ärzteverbund aus Allgemein- und Fachärzten und will die Zusammenarbeit stärken.

Das steirische Pilotprojekt Styriamed will eine Antwort auf die zurzeit eher geringen Fortschritte beim Ausbau von Gruppenpraxen sein. Gestartet wurde es im Bezirk Hartberg, wo nun 32 niedergelassene Ärzte aus allen Fachrichtungen involviert sind sowie an der Kooperation mit dem Landeskrankenhaus Hartberg arbeitengearbeitet wird.

Qualitätskriterien für die Aufnahme im Netzwerk sind das Evaluierungszertifikat der ÖQMed, ein aktuelles Fortbildungsdiplom der Österreichischen Ärztekammer und die technisch sichere Möglichkeit für die elektronische Befundübermittlung. Die Mitglieder koordinieren ihre Öffnungs- und Urlaubszeiten und führen regelmäßig Patientenbefragungen durch. Geplant ist des Weiteren der Aufbau eines Fehlermanagementsystems.

Auf das Netzwerk wird in den beteiligten Praxen mittels Plakaten und Informationsmaterial hingewiesen, außerdem informiert eine Website über alle Partner und deren Angebote. Die beteiligten Ärzte treffen sich zudem regelmäßig zu Fortbildungen. Festgelegt wurden vier Überweisungskategorien – vom Akutfall, der noch am selben Tag die Untersuchung benötigt, bis zum chronischen Patienten, wo ein Termin in drei Wochen auch noch ausreicht. Die Terminkoordination übernimmt dabei der betreuende Arzt selbst. „Das hat mehrere positive Effekte“, betont Dr. Christian Handler, Obmann des Hartberger Teils von Styriamed. „Die Wartezeiten werden dadurch deutlich verkürzt und auch die Kommunikation zwischen den Ärzten verbessert sich.“ So werden auch spezifischere Fragen bei der Überweisung gestellt als üblich und automatisch Vorbefunde und eine Liste bereits verordneter Medikamente mitgegeben. Befunde werden zudem auf sicheren Wegen häufiger intern ausgetauscht, die Ärzte im Netzwerk stehen sich auch zwischendurch gegenseitig jederzeit für ein Consilium zur Verfügung. Der Vorteil: Die Wahrscheinlichkeit von Mehrgleisigkeiten und Doppeluntersuchungen sinkt.

„Klar ist, dass ein solches Projekt eine gewisse Anlaufzeit braucht“, so Handler. Dabei kann auf manche Kooperationen zwischen Allgemein- und Fachärzten aufgebaut werden, die es zuvor schon gab. „Insgesamt hat sich die Intensität der Kooperation sicher gesteigert – es ergeben sich Synergien, sowohl für Ärzte als auch für Patienten“, freut sich Handler.

Netzwerkstart in Leibnitz

Im April begann auch der Bezirk Leibnitz mit der Umsetzung eines Netzwerks, wobei von Anfang an auf die Kooperation von intra- und extramuralen Strukturen gesetzt wurde. „Die Einbeziehung des regionalen Spitals von Beginn an ist sicher ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung von Styriamed“, sagt Handler. Prim. Dr. Heinrich Leskowschek, ärztlicher Leiter des LKH-Wagna, sieht das Projekt „als Chance, die Schnittstelle zwischen niedergelassenem Bereich und Krankenhaus zu überdenken und zu verbessern“. Bei der Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus geht es auch um das Thema Voruntersuchungen, die der ambulante Bereich übernehmen und so die Verweildauer im Spital verkürzen kann.

Beide Pilotprojekte, also Hartberg und Leibnitz, werden Ende 2009 einer Evaluierung unterzogen werden. Styriamed würde die Situation des Arztes als Einzelkämpfer und die extramurale Versorgung verbessern, meint Handler, auch, dass Styriamed das Potenzial habe, im ganzen Bundesland oder auch in anderen Regionen Österreichs umgesetzt zu werden. „Es stellt aber keinen langfristigen Ersatz für den weiteren Ausbau ärztlicher Gruppenpraxen dar“, betont Handler. In jedem Fall sei es ein starkes Gegengewicht zu den nach wie vor aktuellen Plänen zur Schaffung von Versorgungszentren.

www.styriamed.at

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 22 /2009

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