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Ergotherapie unterstützt Patienten, ihre Selbstständigkeit (wieder-)zu erhalten.
 
Gesundheitspolitik 4. Juli 2012

Ergotherapie: Ungleichbehandlung bei Therapieanspruch

Finanzierung der Ergotherapie in Österreich nicht einheitlich geregelt.

In Österreich gibt es bis dato keine einheitliche Regelung wenn es um die Finanzierung von Ergotherapie geht, betont der Bundesverband der ErgotherapeutInnen Österreichs - Ergo Austria. Die Krankenversicherungsträger seien beauftragt, flächendeckend ausreichende Versorgung durch Verträge sicherzustellen. Dennoch erielten nicht alle Patienten eine ärztlich verordnete Ergotherapie als finanzierte Kassenleistung.



„Bei 22 Sozialversicherungsträgern und ebenso vielen unterschiedlichen Regelungen hinsichtlich Rückerstattung und Übernahme von Kosten kann man nur von einer massiven Ungleichbehandlung der Patienten sprechen!“, zeigt Marion Hackl von Ergo Austria auf.

Versorgungsdefizite


Große Unterschiede, große Defizite: Je nach Versicherungsträger zahlen Patienten zwischen 0 und 45 Euro Selbstkostenanteil pro Behandlungseinheit. Oft stellt sich daher nicht mehr die Frage des Bedarfs, sondern der Leistbarkeit. Dadurch ergeben sich österreichweit erhebliche Versorgungsdefizite. Nicht nur im Kinderbereich, auch in der Nachbetreuung neurologischer Patienten und in der häuslichen Betreuung alter und dementer Menschen.

Kassenverträge mit Ergotherapeuten

Nur die Hälfte aller Krankenversicherungsträger hat bis dato Verträge mit Ergotherapeuten abgeschlossen. Darunter alle Bundeskassen wie die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft, die Versicherung für Eisenbahnen und Bergbau, die Sozialversicherungsanstalt der Bauern, aber auch die Oberösterreichische und die Tiroler Gebietskrankenkasse. Die Wiener und Burgenländische Gebietskrankenkassen haben Poolverträge, hier werden definierte Stundenzahlen pro Jahr abgegolten. Die Gebietskrankenkassen in Niederösterreich, Kärnten, der Steiermark und Vorarlberg wehren sich dagegen, entsprechende Verträge abzuschließen.

Forderungen der ErgotherapeutInnen:

Die Forderungen der Ergotherapeuten gehen daher in Richtung der Bundesländer ohne Verträge bzw. zur Sicherung der österreichweit flächendeckenden Versorgung mit ergotherapeutischen Leistungen.

Im Rahmen des dreijährigen Projekts „Kassenverträge österreichweit“ kämpfte der Bundesverband der ErgotherapeutInnen für eine Vereinheitlichung und Verbesserung der Finanzierungs- und Versorgungssituation. Mehr als 17.000 Patienten haben das durch ihre Unterschrift unterstützt. Dennoch konnte nur ein Vertrag mit der BGKK abgeschlossen werden und viele Forderungen sind weiter offen.

Lösung für alle Seiten

Trotz des laut Ergo Austria eindeutigen Bedarfs stoßen die Forderungen des Verbands bis heute auf Ablehnung. Oft werden zu hohe Kosten als Grund für nicht vorhandene Verträge genannt. „Aber es geht uns nicht darum, die Kassen mit großem Kostenaufwand zu belasten. Vielmehr streben wir eine Lösung an, die allen hilft: einerseits Tragbarkeit für die Kassen, aber auch Versorgungsgerechtigkeit für Patienten“, betont Hackl.

Informationen zur Ergortherapie:

Ergotherapie unterstützt Menschen, die in ihrer Handlungsfähigkeit aufgrund körperlicher, sozialer und psychischer Beeinträchtigungen eingeschränkt sind, ihren Alltag wieder selbstbestimmt und selbstständig zu bewältigen. Ziel der Ergotherapie ist es, Menschen bei der Durchführung von für sie bedeutungsvollen Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit/Erholung in ihrer Umwelt zu stärken. Dabei geht die Ergotherapie davon aus, dass das Tätigsein ein menschliches Grundbedürfnis ist und dass gezielt eingesetzte Tätigkeit gesundheitsfördernde und therapeutische Wirkung hat.

Ergotherapie wird folglich in der Behandlung von neurologischen Patienten eingesetzt: z. B. nach Schlaganfällen, bei Multipler Sklerose, nach Unfällen (Schädelverletzungen, Querschnittlähmung, …), sowie im Bereich der Handchirurgie, der Orthopädie und Psychiatrie, in der Pädiatrie (Kinderheilkunde) und in der Geriatrie. Weitere Anwendungsbereiche sind präventive und gesundheitsfördernde Beratungen und Instruktionen in betrieblichen, schulischen bzw. gemeindenahen Settings. Dazu werden spezifische Aktivitäten, Umweltanpassungen und Beratung gezielt und ressourcenorientiert eingesetzt.

UNIQUE relations/IS, springermedizin.at

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