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Unschuld Prof  Dr  Paul U WEB

Copyright: Hausärzteverband

Prof. Dr. Paul Unschuld, Direktor des Horst-Görtz-Stiftungsinstitutes an der Charité in Berlin

Euler_Dr_ Christian WEB

Dr. Christian Euler, Präsident des Österreichischen Hausärzteverbands.

 
Gesundheitspolitik 28. Juni 2012

Ware Gesundheit

Krankheit wird volkswirtschaftlich wertvoller als Gesundheit, warnt Buchautor Unschuld.

 

"Wir befinden uns in einem gesellschaftlichen Prozess der Deprofessionalisierung, also gleichsam einer Entmündigung des Ärztestandes", betonte Prof. Dr. Paul Unschuld, Direktor des Horst-Görtz-Stiftungsinstitutes an der Charité in Berlin, der auf Einladung des Österreichischen Hausärzteverbandes sein Buch "Ware Gesundheit. Das Ende der klassischen Medizin" erstmals in Wien präsentierte.

 

Dadurch sei es der Ärzteschaft bisweilen nicht mehr möglich ihr ursprüngliches Mandat auszuüben, nämlich für die gesundheitlichen Interessen der Gesamtbevölkerung einzutreten.

Ökonomische Interessen im Fokus

Fachliches Wissen stehe nicht mehr im Vordergrund, viel mehr erfolge die Ausrichtung an ökonomischen Faktoren, so Unschuld. Nicht mehr bestmögliche medizinische Versorgung sei somit die Prämisse, sondern eine so genannte gewinnorientierte Gesundheitswirtschaft mit Entscheidungsträgern, die nicht über die nötige fachliche Ausbildung verfügen. "Medizin wird zum Konsumgut und damit Krankheit volkswirtschaftlich wertvoller als Gesundheit. Patienten werden zu Kunden, Ärzte zu Dienstleistern und letztlich zu Erfüllungsgehilfen ökonomischer Interessen", hieß es beim Vortragsabend der Hausärzte.

"In dieses Spannungsfeld, in dem nach Gewinn strebende Krankenkassen und private Investoren vorherrschen und die Politik sich zurücklehnt, gerät der Patient. Er kann sich nicht mehr sicher sein, ob die vorgeschlagene Behandlung wirklich die beste oder nur die wirtschaftlich günstigste ist", fürchtet Prof. Dr. Unschuld. Auf sich allein gestellt, verlange der Patient nach Behandlungsmethoden und Medikamenten, die ihm als Erfolg versprechend in Werbung und Medien vorgestellt werden. Oft ohne den Absender dieser Informationen überhaupt zu erkennen, seine Intention, geschweige denn seine fachliche Kompetenz prüfen zu können. Krankenversicherungen nehmen Einfluss auf das Verordnungsverhalten, Investoren entscheiden über die Kosten-Nutzen-Relation von Behandlungen. "Eine neue Epoche hat begonnen", so der Vortragende.

Gesundheitswesen wird zum Markt

Die individuelle Arzt-Patienten-Beziehung wird dabei immer weiter aufgebrochen; medizinische und ethische Prinzipien werden zugunsten ökonomischer Kriterien eingeschränkt. An die Stelle eines vertrauensvollen Dialoges tritt ein gigantisches Datensammelsystem, das unzähligen Institutionen in ganz Österreich den legalen Zugriff auf sensible Patientendaten ermöglicht", betonte Dr. Christian Euler, Präsident des Österreichischen Hausärzteverbandes. Das Gesundheitswesen werde somit primär zu einem Markt mit lohnenden Investmentangeboten.

Der Österreichische Hausärzteverband warnt schon seit Jahren vor den Folgen der Sichtweise, Patienten als lukrative Kunden statt als Heilungsbedürftige zu betrachten. Krankheit wird bei dieser Denkhaltung zur Ressource und Gesundheit zur Ware, die an jeden verkauft wird, der sie sich leisten kann.

www.hausaerzteverband.at

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