zur Navigation zum Inhalt
Dr. Johannes Steinhart, Bundesobmann der niedergelassenen Ärzte
 
Gesundheitspolitik 22. Juni 2012

Steinhart neuer Bundesobmann der niedergelassenen Ärzte

Der neu gewählte Obmann fordert eine Trendumkehr bei der niedergelassenen Versorgung und wertet Einsparungen auf Kosten der Patienten als inakzeptabel.

Der neue Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte, Johannes Steinhart, präsentierte anlässlich seiner Bestellung in Bregenz die Schwerpunkte für die kommenden Jahre. Der Obmann warnte dabei vor einer drohenden Ausdünnung ärztlicher Versorgungsstrukturen. Steinhart: „Noch haben wir eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Doch die dramatischen Kürzungen der Politik gefährden diese Position. Wer glaubt, 3,5 Milliarden Euro bei der Gesundheit einsparen zu können, ohne dass es die Patienten merken, betreibt Voodoo-Ökonomie.“

Der Bundeskurienobmann spielt damit auf die politische Grundsatzeinigung zur Gesundheitsreform an. Steinhart: „Beim Wort ‚Reform’ wird der gelernte Österreicher hellhörig. Meist bedeutet das nichts anderes als Verschlechterungen für die Menschen.“ Diese will der Vertreter der niedergelassenen Ärzte mit allen Mitteln verhindern. „Eine Ausdünnung der medizinischen Versorgungsstrukturen wird es mit der Ärzteschaft nicht spielen“, so Steinhart in Richtung Politik.

Auslagerung in niedergelassenen Bereich sinnvoll


Zu Verhandlungen über die von der Regierung angekündigten Auslagerungen von Spitalsleistungen in den niedergelassenen Bereich sei er „jederzeit“ bereit, betont Steinhart: „Die Verlagerung ist sinnvoll, auch wenn es in den Regierungsprogrammen der letzten Jahrzehnte immer nur bei der Ankündigung geblieben ist. Jetzt braucht es mehr als Lippenbekenntnisse. Wer von einer breiteren niedergelassenen Struktur spricht, muss auch Taten folgen lassen“, so Steinhart.

Bislang sind diese laut Steinhart meist unterblieben. Der Bundeskurienobmann verweist auf den von Politik und Ärzteschaft angestrebten Ausbau ärztlicher Kooperationsformen. Steinhart: „Da wurden schöne neue Modelle für Gruppenpraxen mit ausgedehnten Öffnungszeiten, wie etwa die Ärzte GmbH, entwickelt. Die werden aber vom Hauptverband und den meisten Sozialversicherungen torpediert.“

Versorgungssicherheit gefährdet – Gefahr sozialer Bruchstellen


Ein besonderes Anliegen ist dem Bundeskurienobmann die Stärkung der hausärztlichen Versorgung. „Der Hausarzt wurde zuletzt von Gesundheitspolitikern fast zu Tode gestreichelt. Das muss ein Ende haben“, so Steinhart. Der Bundeskurienobmann drängt hier auf eine rasche Umsetzung des Hausarztmodells der ÖÄK und die Sicherstellung der Versorgung durch ärztliche Hausapotheken in ländlichen Gebieten. Steinhart: „Hausärzte schaffen Versorgungssicherheit für Patienten. Hier Sonntagsreden zu schwingen, hinterrücks aber Strukturen auszuhungern, ist fahrlässig. Schon heute gibt es unterversorgte, weiße Flecken, vor allem auf dem Land. Eines meiner zentralen Ziele ist, diese wieder zu beleben.“

Der Trend weist in der Gesundheitspolitik laut Steinhart allerdings in eine andere Richtung. „Seit Jahren regiert die Verknappung der Mittel, werden Kassenplanstellen reduziert und nicht ausgebaut. Damit schafft man eine Mehrklassen-Medizin durch die Hintertür, weil sich Kassenärzte immer weniger Zeit für die Patienten nehmen können. Das ergibt gefährliche soziale Bruchstellen“, so der Bundeskurienobmann.

Weiter gegen ELGA in aktueller Form


Gleichzeitig wendet sich Steinhart auch gegen das „aktuelle Mantra“ der Politik – die viel zitierte Effizienz im Gesundheitswesen. Steinhart: „Wir sollten vielmehr auf Effektivität achten und in der Versorgung der Bevölkerung die richtigen Dinge tun. Derzeit arbeitet man effizient falsche Konzepte ab.“ Als aktuelles Beispiel nennt Steinhart die im Gleichklang von Politik und Industrie geplante elektronische Gesundheitsakte (ELGA). „Hier gibt es zwar keine seriöse Studie, die den Nutzen für die heimischen Patienten belegen würde. Aber die Politik ist dennoch bereit, Hunderte Millionen Euro für eine angeblich effiziente IT-Lösung auszugeben. Gegen ELGA in dieser Form werden wir uns weiter wehren“, so Steinhart abschließend.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben