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Gesundheitspolitik 22. Juni 2012

Niedergelassener Veteran neuer Ärztechef

Artur Wechselberger konnte sich gegen Christoph Reisner durchsetzen.

Auf Urgestein Walter Dorner folgt in der Ärztekammer der nächste Veteran. Artur Wechselberger konnte sich heute bei der Vollversammlung der Kammer in Bregenz im Duell mit dem niederösterreichischen Präsidenten Christoph Reisner durchsetzen und darf sich somit als Österreichs oberster Mediziner fühlen. Der praktische Arzt blickt bereits auf eine lange Funktionärslaufbahn zurück. Der Tiroler Kammer steht er seit 1990 vor.

 

Im Vergleich zum neuen Obmann der niedergelassenen Ärzte, Johannes Steinhart, gilt der 59-Jährige aus Hall in Tirol als relativ moderaterer Standesvertreter. Dass in zentralen Fragen wie der Elektronischen Gesundheitsakte deswegen ein Meinungsumschwung eintreten könnte, ist dennoch unwahrscheinlich. Nicht umsonst platzierte die Kammer vorige Woche just Wechselberger bei einem Hearing im Gesundheitsministerium, um ein klares Nein zu den Plänen von Gesundheitsminister Alois Stöger (S) zu deponieren.

Egal wie Wechselberger persönlich dazu steht, wird ihm ohnehin nicht viel anderes übrig bleiben, als diese Linie weiterzuverfolgen. Denn ein Großteil der Mediziner steht der Gesundheitsakte skeptisch gegenüber. Insofern entspricht seine Forderung, Ärzten die Teilnahme auf freiwilliger Basis zu überlassen, durchaus dem Anliegen seiner Klientel. Letztlich wird es für Wechselberger wohl auch darum gehen, im Fall einer tatsächlichen ELGA-Einführung finanzielle Unterstützungen für die Ärzte herauszuverhandeln.

Herausforderung Gesundheitsreform

Eine weitere Herausforderung stellt sich dem neuen Präsidenten bei der von Bund, Ländern und Sozialversicherung in Grundsätzen ausgehandelten Gesundheitsreform. Wenn nunmehr die medizinische Versorgung tatsächlich von Kassen und Ländern gemeinsam geplant würde, könnte dies zur Folge haben, dass sich die Kammer bei den Verhandlungen über Honorare und Planstellen künftig der gemeinsamen Bastion der Zahler gegenübersieht.

In diesen schwierigen Zeiten setzen die Ärzte dann eben auf einen Routinier. Schon während seiner Ausbildung zum praktischen Arzt diente Wechselberger als Kammerrat und zwar seit 1978. Standespolitisch ging es weiter als Bezirksärztevertreter von Reutte, ehe der verheiratete Vater von drei Kindern 1990 zum Tiroler Ärztekammerpräsidenten gewählt wurde.

Dass Wechselberger, der dem ÖVP-Lager zugerechnet wird, über die Grenzen der Standespolitik hinausblicken kann, bewies er mehrfach. 2005 machte er den Master of Science im Fach Gesundheitsmanagement an der Donau Universität Krems, ein Jahr später folgte an der selben Hochschule der Master of Business Administration.

Seit 2007 ist Wechselberger erster Vizepräsident der Bundesärztekammer. Die Basis für seinen Aufstieg zum Präsidenten legte er schon bei der Landeswahl im März. Mit seiner Liste "Verein unabhängiger Tiroler Ärzte" errang er 32 der insgesamt 49 zu vergebenden Mandate. Seine Wahl zum Landespräsidenten erfolgte ohne Gegenstimme.

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