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Gesundheitspolitik 15. Juni 2012

Nahrungsergänzungsmittel: Kritik an der AGES

Es gäbe de facto keine Möglichkeit zur Meldung von Nebenwirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln, so der Vorwurf. Die AGES kann die Kritik nicht nachvollziehen. 

Wegen fehlender Möglichkeiten, Nebenwirkungen von Nahrungsergänzungsmittel melden zu können, hat der Tiroler Ernährungsmediziner Dr. Maximilian Ledochowski die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) scharf kritisiert. "De facto kann ich als Mediziner keine Unverträglichkeitsreaktionen oder Nebenwirkungen melden", sagte der Mediziner und Buchautor (Klinische Ernährungmedizin, SpringerWienNewYork) im Gespräch mit der APA. Die Behörden würden in Österreich offenbar weitgehend auf die Eigenkontrolle durch die Hersteller vertrauen. Die AGES wies die Kritik als nicht nachvollziehbar zurück.


Anlassfall sei eine Patientin gewesen, die auf den Genuss von einem industriell gefertigten Nahrungsmittel mit Schwindel und Unwohlsein reagiert habe. Nach mehreren Tests mit negativem Ausgang, ob eventuell eine Allergie gegen eines der angegebenen Bestandteile vorliege, wandte sich der Mediziner schließlich an die AGES, die ihn an die örtliche Lebensmittelaufsicht verwies. Von dort wurde Ledochowski jedoch wieder zur AGES zurückgeschickt, um dann zu erfahren, dass es im Gegensatz zu Arzneimitteln in Österreich keine Stelle für Nebenwirkungsmeldungen bei Lebensmitteln gebe, wie die AGES dem Mediziner in einem der APA vorliegenden E-Mail antwortete.

Behördliche Kontrolle?


"In einer Zeit, in der immer mehr gesundheitliche Wirkungen und damit auch Nebenwirkungen  in die Nahrungsmittel hineinentwickelt werden, scheint mir hier eine fehlende behördliche Kontrolle sehr gefährlich zu sein", argumentierte der Experte. Bei unzähligen Lebensmitteln würde während der Produktion immer mehr Chemie zum Einsatz gebracht. Daher müsste die AGES eigentlich "umso wachsamer" sein, mahnte der Experte: "Stattdessen schiebt sie die Verantwortung an die regionalen Behörden ab." Die AGES möchte sich aber dieses Themas offenbar nicht annehmen, argumentierte er.

Die AGES betonte, dass sie hinsichtlich der Lebensmitteluntersuchung keine Behörde sei und folglich nicht von sich aus amtlich tätig werden könne. Die Zuständigkeiten im Ablauf der Lebensmittelkontrolle sei in Österreich streng geregelt. Die AGES sei lediglich für die Analyse und Untersuchung von Lebensmitteln zuständig, die aufgrund einer amtlichen Probenziehung eingebracht wurden. Diese erfolge erst dann, wenn eine Privatperson sich mit dem Verdacht, ein konkretes Produkt verstoße gegen lebensmittelrechtliche Bestimmungen, an die örtlich zuständige Lebensmittelaufsicht wende. Im Anlassfall könne in weiterer Folge ein amtliches Verfahren eingeleitet werden.


Eine "nur im Falle einer ungewöhnlichen Empfindlichkeit eines Verbrauchers" auf den Genuss eines Lebensmittels bestehende Eignung, die Gesundheit zu schädigen, rechtfertige nicht die Klassifikation, gesundheitsschädlich zu sein, argumentierte die AGES. Was als ungewöhnliche Empfindlichkeit des Verbrauchers anzusehen sei, bestimmt sich nach dem Stand der Wissenschaft.

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