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Gesundheitspolitik 14. Juni 2012

ELGA: Ärztekammer startet Kampagne in den Wiener Ordinationen

Aufklärung über die Sicherheitsbedenken.

Die Wiener Ärztekammer macht weiter gegen die geplante Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) mobil. Sie startet nun eine Kampagne in den Wiener Ordinationen  um die Patienten vor allem über die Sicherheitsbedenken aufzuklären. Das hat der neue Präsident der Wiener Ärztekammer, Thomas Szekeres, in einem Interview mit der APA angekündigt. Szekeres ist gegen eine verpflichtende Lösung. Er plädierte stattdessen für Freiwilligkeit, also für ein System, in das Daten erst nach Zustimmung der Patienten eingetragen werden.

Denn die Datensicherheit gehört nach Ansicht des Wiener Chef-Arztes zu den Punkten, die im Zusammenhang mit ELGA vor allem zu hinterfragen sind: "Sie haben erstmalig ein System, in dem verpflichtend alle Gesundheitsdaten aller Österreicherinnen und Österreicher in einem Netzwerk sind. Da haben wir durchaus Bedenken, was die Gefahr durch Hacker bzw. die Gefahr der Datenmanipulation betrifft."

Heikle Daten

Es handle sich dabei nämlich um die "heikelsten Daten". Mit dem Wissen darüber verfüge man über die intimsten Informationen - etwa auch über Krankheiten, die nicht sofort sichtbar seien, wie Behinderungen oder psychische Probleme. Zwar könne man sich aus ELGA punktuell hinausoptieren: "Aber wir sind für Freiwilligkeit, das ist ein großer Unterschied." Möglicherweise seien dann zwar einige Informationen nicht enthalten, dies liege dann aber in der Verantwortung des jeweiligen Patienten.

Gesundheitsdaten seien nicht nur heikel, sondern auch spannend und interessant, gab Szekeres zu bedenken. Er nannte ein Beispiel aus dem Wiener AKH: Als der frühere Bundespräsident Thomas Klestil dort behandelt worden sei, hätte es Hunderte Zugriffe auf das interne System gegeben - von Personen, die mit der Behandlung nichts zu tun, jedoch Zugang zu den Daten hatten. Die nicht berechtigten Abfragen hätten zu strengen Verweisen geführt, berichtete der Kammerpräsident.

Schon jetzt elektronische Übermittlungen üblich

Elektronische Übermittlungen gebe es jetzt schon, etwa bei Röntgen- oder Laborbefunden: "So etwas im Kleinen zu machen, ist sinnvoll." Zu ELGA gebe es sicher Alternativmodelle, die überlegenswert seien, etwa die Speicherung der Informationen beim Hausarzt: "Das ist der Arzt meines Vertrauens, der soll das ruhig wissen. Da kann ich auch eine Verbindung zu einem Spital herstellen, wenn ich stationär aufgenommen bin. Und ich stärke auch die Position des Hausarztes."

Unrealistischer Zeitplan

Dass ELGA schon wie geplant Mitte 2013 starten wird mit dem Projekt E-Medikation  ist für Szekeres "unrealistisch". Die jüngst erfolgte Evaluierung des entsprechenden Pilotprojekts habe die Probleme aufgezeigt. Zum einen habe es zu viele Wechselwirkungswarnungen gegeben und auch die Software sei zu langsam gewesen: "Wenn ich ein System habe, dann soll das funktionell sein und Hilfe bieten und nicht sinnloserweise das Leben erschweren."

Programme zu Wechselwirkungen gebe es in den Ordinationen bereits: "Jetzt ist neu, dass die Apotheken eingebunden sind. Und da stellt sich rein von der Praktikabilität die Frage, wie das denn funktionieren soll." Denn wenn jemand für drei Personen Medikamente einkaufe, müsse er drei E-Cards mithaben: "Und der Apotheker muss dann eingeben, wie viel Aspirin er verkauft hat."

"Ich bin überzeugt davon, dass ELGA ohne die Beteiligung der Ärzte nicht durchführbar ist", zeigte sich der neue, SP-nahe Wiener Ärztekammerpräsident überzeugt. Sollte dies versucht werden, gebe es sicher "massive Gegenreaktionen", warnte Szekeres - der übrigens als Betriebsrat im AKH bereits erfolgreich Protestveranstaltungen organisiert hat.

Infos für Patienten

Auf Aufklärung wird schon jetzt gesetzt: In Ordinationen werden Folder und Plakate Patienten auf jene Probleme hinweisen, die nach Ansicht der Ärzteschaft drohen. Angesprochen wird dabei das Thema Sicherheit sowie die Kosten-Nutzenfrage. Denn dass ELGA große Einsparungen bringt, glaubt Szekeres nicht. Dass unnötige Doppelbefundungen reduziert werden, sei möglich. Tatsächlich würden aber schon jetzt kaum Untersuchungen mehrmals gemacht, wenn dies nicht notwendig sei, versicherte er.

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