zur Navigation zum Inhalt
Fotos (2): Jurtitsch
Klassik auf moderner Architektur, 2009 (Öl auf Leinwand, 120 x 105)

O.T. 2009 (Öl auf Leinwand, 160 x 86)

 
Gesundheitspolitik 26. Mai 2009

Die Innenwelt der Außenwelt

Ausstellung: „Wohnen mit Bildern“.

Ab 29. Mai zeigt der Kunstraum Dr. David Richard Jurtitschs „Blick in eine Zwischenwelt“: Was ist eine Wohnung? Nur eine Hülle, eine Abgrenzung nach außen, ein sicherer Mutterleib oder doch die Widerspiegelung des Seelenzustands des Bewohners?

 

Ist es Zufall, dass gerade jetzt die Interieurmalerei groß angelegtes Thema einer Ausstellung im Künstlerhaus ist und der Kurator dieser Ausstellung sie als die vielseitigste Bildgattung der Malerei überhaupt bezeichnet, weil sie vom menschlichen Lebensraum berichtet, seiner Intimsphäre und seinem Alltag?

Es ist nicht das große Ereignis, der dramatische Moment, der Richard Jurtitsch interessiert, sondern das sind eher die bleibenden Spuren von Existenzen und Schicksalen. So wie die Archäologie behutsam Schicht um Schicht der Vergangenheit freilegt und uns dadurch Zusammenhänge, Entwicklungen, Werden und Vergehen zeigt (Angelika Bäumer sieht die Werke von Richard Jurtitsch wie Zeichen längst versunkener Kulturen), so wie auch die Psychotherapie den suchenden Menschen hilft, hinter die Schleier ihrer Geschichte zu blicken, ohne diese zu zerreißen oder zu zerstören (man könnte sie ja in bestimmten Situationen wieder brauchen), so erklärt auch Jurtitsch selbst, dass „seine Malerei einen Blick in eine Zwischenwelt freigibt, in der die subtilen Spiegelungen und Überblendungen von abstrakter und sozialer Realität und Illusion scheinbar ineinander aufgehen“. Die Fähigkeit, sinnliches und intellektuelles Erleben gleichzeitig wahrzunehmen, zu fühlen und zu verstehen, ermöglicht persönliche Entwicklung.

Durch die Besinnung auf das Essentielle und Bleibende setzt sich Jurtitsch in bewussten und kritischen Gegensatz zur Flimmerwelt der Videoclips und zu einem durch die letzten Ereignisse der globalen Krise sehr in seiner Fragwürdigkeit deutlich gewordenen Effizienzfetisch. Dabei ist er durchaus radikal, durch die Konzentration auf einen Farbton fordert er die Phantasie des Betrachters viel mehr als die überscharf gezeichneten digitalen Welten unserer Umgebung. Dadurch gelingt ihm die Überwindung der „Jungen Wilden“, deren Generation er eigentlich entstammt. Dabei scheut er aber nicht die Ironie eines Magritte, um zu neuen Sichtweisen zu verführen.

Ein Hauch von Ewigkeit

„Wohnen mit Bildern“ im Kunstraum Dr. David treibt diese Ironie noch einen Schritt weiter. So sehr der Begriff des Wohnens eine Ahnung von Dauerhaftigkeit oder zumindest Zeitgebundenheit vermittelt, so sehr zeigt eine solche Präsentation auch das Zeitgebundene des Fakts, dass Bilder auch leicht ihren Platz wechseln können. So wird das Bild in der Wohnung zu einem Mitbewohner, der die flüchtigen Besitzer vielleicht sogar überdauert und damit einen Hauch von Ewigkeit vermittelt.

„…zu Gast bei…“ betitelt Jurtitsch viele seiner Bilder und lädt damit in die Lebensbereiche von Menschen ein, die das österreichische Geistesleben wesentlich mitgeprägt haben. Allerdings erinnern wir uns auch daran, dass die Bilder vielleicht auch bei uns nur zu Gast sind – oder wir bei ihnen?

Der 1953 geborene und in Wien ausgebildete Künstler kann auf eine reichhaltige Ausstellungstätigkeit sowohl allein als auch im Dialog mit anderen Künstlern verweisen. Nachdem er sich 2006 im Kunstraum mit Christian Kvasnicka und Josef Danner über den „state of painting“ ausgetauscht hat, bietet diese Personale jetzt Gelegenheit, ihn in seine vielschichtigen Innenwelten zu begleiten. Damit entspricht sie auch der von Peter Baum aufgestellten Forderung nach visuellen Anstößen, sich dem Abenteuer Kunst zu stellen und kontinuierlich die eigenen Sehgewohnheiten und damit auch Bewusstsein und persönlichen Kunstbegriff zu erweitern.

 

Die Ausstellung besuchen

Die Ausstellung im Kunstraum Dr. David, Jagdschlossgasse 6 in 1130 Wien, wird am 29.5.2009 (18 bis 21 Uhr) eröffnet und ist bis Ende August 2009 donnerstags von 17 bis 19 Uhr zugänglich (Juli Sommersperre).
Interessierte Besucher können sich auch unter der Tel. +43 1 87 97 405 vergewissern, ob der Ausstellungsbetrieb stattfindet.

Von Prim. Dr. Harald David, Ärzte Woche 21 /2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben