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Gesundheitspolitik 13. Juni 2012

Zufriedene Hausärzte

Eine aktuelle Umfrage unter Hausärzten bringt überraschende Ergebnisse. Der Wermutstropfen: das Leiden unter Bürokratie und Administration.

Trotz gefühlter überbordender Bürokratie und Administration und damit verbundenem Zeitdruck sind mehr als 80 Prozent der niedergelassenen Hausärzte in Österreich mit ihrem Arbeitsumfeld sehr oder eher zufrieden. Lediglich drei Prozent bezeichnen die Jobsituation als sehr unzufriedenstellend. Das sind die  teilweise doch überraschenden - Ergebnisse einer aktuellen Umfrage unter Österreichs Hausärzten.

 

Tendenziell zufriedener sind dabei die Frauen, bei denen sogar 84,6 Prozent sehr/eher zufrieden sind (Männer: 78,4 Prozent).

Interessant ist, dass die geringste Zufriedenheit in der Altersgruppe zwischen 30 und 39 Jahren zu finden ist. Hier gaben lediglich 68 Prozent der Befragten an, sehr/eher zufrieden zu sein. Die Unzufriedenheit klettert hier auf sieben Prozent, ist also doppelt so hoch wie im Gesamtdurchschnitt.

In den Altersgruppen danach werden durchwegs höhere Zufriedenheitswerte erzielt. Offensichtlich dürften die bürokratischen Schwierigkeiten bei Start einer Ordination ausschlaggebend für die tendenziell größere Unzufriedenheit bei jüngeren Hausärzten sein.

Langjähriger Kontakt zu den Patienten

Bei der von Medical Opinion Network (MedMedia) durchgeführten Umfrage wurde auch abgefragt, was den österreichischen Hausärzten besonders wichtig ist und was sie an ihrem Berufsalltag besonders stört. Als entscheidende positive Kriterien ihres Berufs stehen demnach die Vielseitigkeit und Abwechslung ihrer Tätigkeit sowie die ganzheitliche Betreuung der Patienten im Vordergrund. Auch der langjährige Kontakt zu den Patienten sowie deren Vertrauen werden von Österreichs Hausärzten besonders geschätzt.

Dem gegenüber stehen Bürokratie und Administration als besonders häufige Ärgernisse. In der "Mängelliste" weiters angeführt werden der große Zeitdruck aufgrund hoher Patientenzahlen, mangelhafte Kommunikation mit den Krankenhäusern, zu häufige und zu schlecht bezahlte Wochenend-, Nacht- und Bereitschaftsdienste sowie die mit der EDV-Ausstattung verbundenen hohen Kosten. Viele Hausärzte in Österreich spüren zudem eine mangelhafte Anerkennung durch die Gesellschaft, die Politik  und auch durch die Fachärzteschaft.

In diesem Sinne gestaltet sich dann auch der Forderungskatalog, den die Hausärzte in der Befragung nannten, nämlich Abbau von Bürokratie, mehr Wertschätzung durch die Politik und die Gesellschaft, die Reduktion der Patientenzahlen bei gleichbleibendem Einkommen sowie die Reduktion von Wochenend-, Bereitschafts- und Nachtdiensten. Erreicht werden soll dies vor allem durch die Schaffung neuer Modelle der Zusammenarbeit unter Hausärzten, wie beispielsweise Gruppenpraxen oder Vertretungsmodelle.

Hausärztesprecher ortet "Ernüchterungstendenzen"

Für den Obmann der Sektion Allgemeinmedizin und approbierte Ärzte der Ärztekammer für Wien, Wolfgang Werner, zeigt die Umfrage, dass die Kollegenschaft "wohl immer noch mit viel Empathie und Idealismus ihrer Berufung als Hausärzte folgt, aber doch gewisse Ernüchterungstendenzen vorherrschen, weil bemerkt wird, dass genannter Idealismus von der Politik benützt wird, um wertvolle akademische Leistung zum Billigtarif zu vermarkten". Die angesprochene Wertschätzung der Gesellschaft drücke sich auch im Finanziellen aus. Daher werde man auch nicht umhinkönnen, die Leistung der Ärzteschaft äquivalent abzugelten, so Werner.

Dies werde teils in finanzieller Hinsicht zu erfolgen haben, teils aber auch in der Gewährung von mehr Therapiefreiheit "Stichwort Lockerung der Chefarztpflicht, um Patienten den Zugang zu modernen Medikamenten zu erleichtern und Ärztinnen und Ärzte mit modernen Therapien vertraut zu halten".

Subsidiaritätsprinzip diskutieren

Das Subsidiaritätsprinzip solle auch im Bereich der Ordinationsorganisation diskutiert werden, sei es als Einzelpraxis, Gruppenpraxis, Vertretungsmodell oder Anstellungsmodell in niedergelassenen Kassenordinationen. Die hier speziell angesprochene E-Medikation sei jedenfalls das genaue Gegenteil der von den Ärztinnen und Ärzten erwarteten Wertschätzung, "da es dabei nur der Optik halber um mehr Therapiesicherheit geht". Die wahren Intentionen bei der E-Medikation seien Kontrolle, Bevormundung und Einsparung bei der Ärzteschaft und den Patienten, kritisiert der Hausärztesprecher.

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