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Gesundheitspolitik 14. Juni 2012

Standpunkte: Psychotherapieangebot ausbauen?

Psychotherapie ist nicht nur wirksam, sondern auch kosteneffizient, sagen Österreichs Psychotherapeuten und fordern eine flächendeckende Versorgung.

Innerhalb der letzten beiden Jahre haben die Krankenstände wegen psychischer Leiden in Österreich um 22 Prozent zugenommen. Solche Krankenstände dauern außerdem im Durchschnitt 40 Tage, während der Gesamtdurchschnitt aller Krankenstände bei elf Tagen liegt. Die Vereinigung Österreichischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (VÖPP) beklagt jetzt die mangelnde Finanzierung von Psychotherapien. Laut VÖPP geben die Krankenkassen pro Jahr mehr als das Zehnfache für Psychopharmaka aus als für Psychotherapie. Dabei wären etwa Verhaltenstherapien oder Psychoanalysen auf lange Sicht nicht nur kostengünstiger – der Break-even-Point wird demnach bei den Verhaltenstherapien bereits nach sechs Monaten erreicht, bei einer Psychoanalyse nach drei Jahren –, sondern auch erfolgreicher und im Effekt anhaltender. Das läge daran, sagt Heiner Bartuska, Vizepräsident der VÖPP, dass Psychotherapien die Ursachen der Erkrankung bekämpfen würden, nicht nur die Symptome, wie das bei Psychopharmaka allzu oft der Fall wäre: „Der Mythos, dass Psychotherapie nichts bringt und nur Geld kostet, ist wissenschaftlich längst widerlegt.“ 95 Prozent der Patienten würden nachweislich davon profitieren. Bartuska zitiert aus einer Schweizer Studie, die errechnet hat, dass eine flächendeckende psychotherapeutische Versorgung helfen könnte, jedes Jahr rund zwei Milliarden Franken (1,66 Milliarden Euro) an medizinischen Kosten für somatische Erkrankungen einzusparen.

Klein_  Mueckstein   Kurt_

Standpunkt 1
Strategie zur psychischen Gesundheit
"Der Kostenzuschuss wird nicht erhöht, um alle Mittel im Sachleistungsausbau zu konzentrieren".
Dr. Christoph Klein Generaldirektor-Stellvertreter, Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger
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Standpunkt 2
400.000  Behandlungswillige
"Ein in die Psychotherapie investierter Euro bringt der Volkswirtschaft rund vier Euro zurück".
Dr. Eva Mückstein Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie
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Standpunkt 3
Integrierte  Behandlung
"Psychiatrische Behandlung und Psychotherapie gehören zusammen".
Dr. Hans Kurt Past-President der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie & Psychotherapie (SGPP)
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Von V. Weilguni, Ärzte Woche 24 /2012

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