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Die neue Wiener Pflege- und PatientInnenanwältin, Dr. Sigrid Pilz.
 
Gesundheitspolitik 12. Juni 2012

Sigrid Pilz ist neue Wiener Pflege- und Patientenanwältin

Unmittelbar nach dem Beschluss durch die Wiener
Landesregierung präsentierten Bürgermeister Dr. Michael Häupl und  Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag. Sonja Wehsely Dr. Sigrid Pilz als neue Wiener Pflege-, Patientinnen-
und Patientenwältin.

Pilz, die erste Frau in dieser zentralen Funktion, wird ab 1. Juli 2012 für die Dauer von fünf Jahren mit der Leitung der Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft betraut. Sie folgt in ihrer neuen Funktion dem bisherigen Pflege- und PatientInnenanwalt Hon. Prof. Dr. Konrad Brustbauer.



Die erforderliche Ausschreibung wurde unter Einhaltung der
gesetzlichen Bestimmungen und der Bestimmungen des Wiener
Gleichbehandlungsgesetzes durchgeführt. Bis zum Ablauf der
Bewerbungsfrist am 19. März 2012 hatten sich zwölf Personen sieben Frauen, fünf Männer  um die Funktion beworben. Mit dem weiteren
Auswahlverfahren wurde eine externe Personalmanagement-Firma
beauftragt, die strukturierte Interviews mit den drei Kandidaten
im engeren Auswahlverfahren durchführte.

"Frau Dr. Sigrid Pilz erfüllte fachlich, inhaltlich, persönlich und sozial das Anforderungsprofil ausgezeichnet und ging daher als die bestqualifizierte Bewerberin aus dem Verfahren hervor. Wer sie kennt und ihre Karriere beobachten konnte, weiß, dass sie seit jeher mit  dem größtmöglichen Einsatz für die Rechte der Patienten und BewohnerInnen von Pflegewohnhäusern kämpft. Sie ist einfach die Richtige für diesen Job", so Wehsely.

"Die Aufgaben, die die Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft in unserer Stadt zu erfüllen hat, werden immer wichtiger. Unter meiner Leitung soll sich die Einrichtung entlang des gesetzlichen Auftrags weiterentwickeln. Ich will Patienten im Wiener Gesundheitswesen eine weitere Möglichkeit bieten, patientenorientierte und unabhängige Informationen am Stand der Wissenschaft zu erhalten. Vor allem BürgerInnen, die wenig Kenntnis haben, wie Krankheiten entstehen und wie man sie vermeiden oder behandeln kann, will ich ermutigen, sich mit Gesundheitsfragen zu befassen", skizzierte Pilz ihre Pläne. Es gehe darum, dass "auch bildungsferne Menschen Zugang zu Gesundheitsinformation bekommen. Sie sollen als Patienten mit dem Gesundheitspersonal auf Augenhöhe kommunizieren können".

Individuelle Schadensfälle prüfen


Als Patientenanwältin werde sie individuelle Schadensfälle prüfen und auch "kollektive PatientInneninteressen öffentlich thematisieren." Weiter: "Häufig sind Schadensfälle in den Gesundheitseinrichtungen nicht das Resultat von schuldhaftem Verhalten einzelner MitarbeiterInnen. Es geht in diesen Fällen darum, geführt haben, dass Patienten fehlbehandelt wurden. Ich werde mich daher besonders darum kümmern, dass in unseren Spitälern, Pflegeeinrichtungen und Ordinationen nach einem Behandlungsfehler auch das Risikomanagement überprüft wird, damit aus Fehlern nachhaltig gelernt werden kann."

Pilz lobte sowohl das Wiener Geriatriekonzept als auch das Wiener Spitalskonzept 2030. "Wien ersetzt die alten großen Pflegeheime durch kleinere moderne Pflegewohnhäuser. Die BewohnerInnen stehen im Mittelpunkt, ihre Interessen und ihre Würde sind handlungsleitend für die Gesundheitspolitk und das Personal. Ein vergleichbarer Prozess ist jetzt mit dem Wiener Spitalskonzept 2030 im Gange. Ich bin fest überzeugt, dass die damit verbundene Reorganisation des Wiener Krankenanstaltenverbundes für die PatientInnen von großem Nutzen ist. Ich werde daher als PatientInnenanwältin diese Entwicklung aktiv unterstützen."

Größtmöglicher Einsatz für Patienten- und
Bewohnerrechte


Dr. Sigrid Pilz studierte in Innsbruck Erziehungswissenschaften und Psychologie und promovierte 1984. Seit 1985 ist die Universitätslektorin im - nunmehr karenzierten - Bundesdienst, zuletzt als Abteilungsleiterin der Abteilung "Internationale Familien- und Jugendpolitik" des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend. Politisch war Pilz seit 2001 Abgeordnete zum Wiener Landtag und Gemeinderätin sowie Gesundheitssprecherin der Wiener Grünen. Seit 2010 amtierte sie als Vierte Vorsitzende des Wiener Gemeinderates sowie seit 2011 als stellvertretende Klubobfrau des Grünen Klubs im Rathaus. Neben zahlreichen anderen Funktionen war das langjährige Mitglied des Wiener Gesundheits- und Sozialausschusses auch grüne Fraktionsführerin in den beiden Untersuchungskommissionen des Wiener Gemeinderates "Gravierende Missstände bei der Pflege von alten Personen und Personen mit Behinderung im Verantwortungsbereich der Gemeinde Wien" und "Gravierende Missstände in der Versorgung von psychiatrischen PatientInnen im Verantwortungsbereich der Gemeinde Wien".

Anlaufstelle bei Fragen und Problemen


Die Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft besteht seit 20 Jahren und ist eine unabhängige und weisungsfreie Einrichtung zur Wahrung und Sicherung der Rechte und Interessen von Personen in allen Angelegenheiten des Gesundheitswesens und Pflegebereiches in Wien. Sie wird von PatientInnen, Angehörigen, aber auch von Ärzten in Anspruch genommen.

Die Aufgaben erstrecken sich von der Behandlung von Beschwerden über die Aufklärung von Mängeln und Missständen bis hin zur Abgabe von Empfehlungen zu deren Abstellung. Außerdem erteilt die WPPA Auskünfte über das Wiener Gesundheits-, Spitals- und Pflegewesen, über Patientenrechte sowie deren Geltendmachung und Durchsetzung. Die WPPA informiert zudem über Hauskrankenpflege, soziale Dienste und Pflegegeld und hilft bei Konflikten im Gesundheits- und Pflegebereich.

Gesetzliche Verschwiegenheitspflichten sind gegenüber der Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft nicht wirksam. Die Wiener Pflege- und PatientInnenanwältin und ihre Mitarbeiter unterliegen jedoch der vollen Amtsverschwiegenheit. Die Inanspruchnahme der Leistungen der WPPA ist kostenlos.

Bilanz über zwei Jahrzehnte



Die Wiener Gesundheitsstadträtin Mag.a Sonja Wehsely zog eine kurze Bilanz über die Leistungen der WPPA in den vergangenen zwei Jahrzehnten. 170.000 KundInnenkontakte, rund 36.000 Aktenvorgänge, über 36 Millionen Euro an Entschädigung für PatientInnen und seit dem Jahr 2006 insgesamt 1.600 beglaubigte PatientInnenverfügungen nach dem Patientenverfügungsgesetz sowie 1.200 abgehaltene Sprechtage in Wiener Wohn- und Pflegeheimen umrahmen nur einige Schlaglichter im Rahmen der wichtigen Arbeit. "Die WPPA ist ein unverzichtbarer Teil des Gesundheitswesens. Einen ganz wesentlichen Beitrag dazu hat Prof. Dr. Brustbauer in den vergangenen fünf Jahren geleistet", unterstrich Wehsely, die Brustbauer "von ganzem Herzen für seinen unermüdlichen Einsatz für die Wienerinnen und Wiener" dankte.

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