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Gesundheitspolitik 26. Mai 2009

„Ältere Menschen sind Sozialkapital“

Weltrotkreuztag als Anlass zur aktuellen Bestandsaufnahme.

„Die Zivilgesellschaft wird gestärkt aus der Krise hervorgehen“, stellte Fredy Mayer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK), anlässlich des Weltrotkreuztages am 8. Mai fest. Denn: „In der Krise wächst die Solidarität.“ Allerdings gebe es für das Rote Kreuz als einer der weltweit größten sozialen Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) einige Herausforderungen zu bewältigen, die aus der sich wandelnden Gesellschaft resultieren.

 

Die drei größten Herausforderungen sind die demographische Alterung, die Freiwilligkeit und die Kommerzialisierung im Sozialbereich. Ziel der mobilen Pflege und Betreuungsdienste ist, den Verbleib von pflegebedürftigen Menschen in den eigenen vier Wänden so lange wie möglich zu gewährleisten. Dazu bedarf es neben den derzeit in Österreich etwa 1.500 hauptberuflich angestellten Mitarbeitern auch der freiwilligen Arbeit. Die Bereitschaft, ehrenamtlich in sozialen Organisationen mitzuarbeiten, sinke jedoch, stellte Mayer fest. Man müsse Anreize bieten, aber auch ausreichend Schulungen.

Die Einbindung von aktiven älteren Menschen in die Freiwilligenarbeit stelle einen Ansatzpunkt dar, diesen eine Aufgabe und eine Einbindung ins soziale Netzwerk zu bieten, aber auch zusätzliche Betreuungsangebote zu schaffen sowie die Erfahrung und Fähigkeiten dieser Bevölkerungsgruppe zu nutzen. „Ältere Menschen stellen ein enormes Sozialkapital dar, das Organisationen wie das Rote Kreuz erst in die Lage versetzt, ihren Aufgaben nachzukommen“, betonte Mayer. „Allerdings schätzt die Gesellschaft dieses Sozialkapital bei weitem nicht ausreichend.“ Derzeit werden 40 Prozent aller Leistungsstunden des ÖRK von freiwilligen Mitarbeitern erbracht. Weltweit sind es etwa 100 Millionen Freiwillige.

Generationsübergreifendes Wohnen

Der Ausbau von alternativen Wohnformen ist für die Vizepräsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, Donata von Schenck, eine der Zukunftslösungen für die Betreuung sowohl älterer als auch junger Menschen. Wohngemeinschaften, Nachbarschaftsheime und Wohnformen mit integrierten Kindergärten vermeiden Ghettoisierung, halten soziale Kontakte aufrecht und bieten allen Altersgruppen das benötigte Maß an Versorgung.

Trotz der im Bewusstsein stark präsenten Herausforderung der Altenpflege dürfe man auf die Jugend nicht vergessen, stellten Mayer, von Schenk und der Präsident des Schweizer Roten Kreuzes, René Rhinow, fest. Mangelnde Integration von Migranten, steigende Jugendarbeitslosigkeit, soziale Vereinsamung und Gewaltbereitschaft von Jugendlichen bedürften großer Aufmerksamkeit und entsprechender Gegenstrategien. Das Rote Kreuz bietet daher unter anderem Seminare und Beratungen in Schulen an und unterstützt Projekte in der Jugendarbeit. Kooperationen zwischen Schulen und Altenheimen haben sich beispielsweise im Abbau von Barrieren und im Ausbau der Sozialkompetenz bei entsprechend guter Planung als erfolgreich erwiesen, berichtete von Schenck. Da sich derartige Projekte ebenso wenig wie die Pflege und Betreuung daheim sowie die Kranken- und Rettungsdienste allein durch Freiwilligenarbeit und Spenden finanzieren lassen, seien das Bekenntnis und die Unterstützung durch die öffentliche Hand notwendig. „Von der Politik fordern wir“, so Mayer, „einen wertschätzenden Umgang, partnerschaftliche Zusammenarbeit, klare Standards und mehr Freiraum für innovative Gestaltung.“

 

Quelle: Pressegespräch des Österreichischen Roten Kreuzes zum Weltrotkreuztag, 8. Mai 2009

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