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Gesundheitspolitik 8. Juni 2012

Strategien für die Zukunft der Apotheke

Mag. pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr, Landesgruppenobfrau der Oberösterreichischen Apotheker, sieht die Basis für zukunftsfähige Apotheken in einer aktiven und starken Interessensvertretung.

Mit dem Masterplan Gesundheit stehen neue Herausforderungen ins Haus - das Ziel ist eine Integration aller Gesundheitsberufe. Als Partner auf Augenhöhe im Gesundheitssystem sollen für die Apotheken Diskussionen zur Qualitätssicherung in der Kernkompetenz und zur Erarbeitung neuer Aufgaben ermöglicht und daraus österreichweite Strategien erarbeitet werden.

 

Um diese für die Apothekerschaft wichtigen Vorhaben zu erreichen und um den Fortbestand des freien Berufs "Apotheker" zu sichern, kandidiert Ulrike Mursch-Edlmayr für die Präsidentschaft der Österreichischen Apothekerkammer.

Erweiterung der Kernkompetenzen

Das Wissen über Arzneimittel und das Medikationsmanagement sowie der niederschwellige Zugang zu Arzneimitteln sind die Kernkompetenzen der Apotheken. Künftig sieht Mursch-Edlmayr zwei essenzielle Aufgabenbereiche zur Erweiterung. Einerseits wird die Arzneimittelsicherheit immer wichtiger, andererseits ergibt sich durch die drastisch steigende Anzahl chronisch Kranker der Bedarf an verlässlichen und kompetenten Gesundheitsbetreuern im Bereich strukturierte Versorgung. Dazu hat Ulrike Mursch-Edlmayr in oberösterreichischen Apotheken bereits ein Pilotprojekt im Bereich Diabetes auf den Weg gebracht. In Abstimmung mit Krankenkassen, Ärzten und dem Land filtern die Apotheker mittels strukturierter Fragebögen nicht diagnostizierte Diabetes-Patienten heraus und veranlassen deren Betreuung im erfolgreichen "Therapie Aktiv"-Programm. Die Apotheker wurden zuvor umfassend geschult und in die strukturierte Gesprächsführung mit den Patienten eingeführt. Der Erfolg des Pilotprojektes wird ab Ende 2013 evaluiert. "Mit der zunehmenden Zahl chronischer Erkrankungen können und wollen wir künftig ähnliche Programme für andere Indikationen maßgeblich unterstützen. Es sollen bundesweit weitere professionelle Projekte erarbeitet, Partner gesucht und in die Tat umgesetzt werden", erklärt Mursch-Edlmayr.

Patientensicherheit muss im Vordergrund stehen

Im Rahmen der Globalisierung des Arzneimittelmarktes und der von der Wirtschaft angestrebten Lockerung des Apothekenvorbehalts für OTC-Arzneimittel besteht aus Sicht der Pharmazeutin eine Gefahr für die Patientensicherheit. Hier kommt den Apothekern eine extrem wichtige Aufgabe zu, denn Fakt ist, dass die Pharmazeuten diejenigen sind, die am besten über Wechselwirkungen informieren und aufklären können. "Ich bin überzeugt, dass in der Versorgungskette zum Patienten der persönliche Kontakt mit dem Pharmazeuten das letzte Glied sein muss. Nur so kann der Patient sicher sein, dass er das richtige Arzneimittel verlässlich, fälschungssicher und in optimal gelagerter Qualität erhält", erklärt Ulrike Mursch-Edlmayr ihren Standpunkt. Man dürfe nicht vergessen, dass auch OTC-Produkte Wechselwirkungen erzeugen (3,8 Prozent) und Nebenwirkungen haben, die abgeklärt werden müssen. Die Abstimmung zwischen Arzt und Apotheker dürfe nicht vernachlässigt werden. Zur E-Medikation gibt es von Mursch-Edlmayr ein klares Ja, denn so entstünde die Möglichkeit, eine vollständige Übersicht über alle dem Patienten verordnete Arzneimittel zu erhalten und Neben- oder Wechselwirkungen vollständig abzuklären. Das Gesundheitssystem könnte davon profitieren - durch effiziente Medikation und durch den Wegfall der Behandlung von Neben- oder Wechselwirkungen.

Auftrag zu flächendeckenden Versorgung

1.400 Apotheken in ganz Österreich ermöglichen den Patienten den flächendeckenden Zugang zu Arzneimitteln und OTC-Produkten inklusive kompetenter Beratung. Auch am Sonntag und während der Nachtstunden sind Apotheker als wichtige Anlaufstelle in Gesundheits- und Arzneimittelfragen für die Patienten da. Mit dieser Aufgabe sind die Apotheken wesentliche Partner im Gesundheitssystem und kommen diesem Auftrag umfassend nach. Dieses System muss laufend auf seine Qualität überprüft werden, damit die überdurchschnittliche Versorgung in Österreich gewährleistet ist.

"Wir brauchen eine Qualitätsoffensive auf sehr hohem Niveau!"

Klar ist für die Kandidatin um die Präsidentschaft der Österreichischen Apothekerkammer auch, dass die Apotheken, so wie auch alle anderen Partner im Gesundheitssystem, stetig an der Qualitätssteigerung arbeiten müssen. "Davon ausgehend, dass Apotheken auch in Zukunft auf Augenhöhe mit allen Partnern im Gesundheitssystem arbeiten wollen, müssen wir überdurchschnittliche, strukturierte und standardisierte Leistungen erbringen. Und diese Leistungen müssen wir laufend aktiv aus unserem eigenen Anspruch heraus zum Beispiel durch Testkäufe und Kundenbefragungen überprüfen. Nur so können wir sehen, ob unsere entwickelten Strategien auch greifen", erläutert Ulrike Mursch-Edlmayr und führt weiter aus: "Wir arbeiten auf hohem Niveau, das Wissen sowie die Kompetenz sind da. Die Bevölkerung bringt uns tiefes Vertrauen entgegen. Dennoch bestehen Verbesserungspotenziale, an denen wir transparent und offen arbeiten müssen." Dazu gibt es in Vorarlberg bereits ein wichtiges Projekt, in dem nach den Testkäufen und Analysen, strategische Schulungen und Fortbildung eine klar erkennbare Leistungssteigerung des gesamten Apothekenteams gebracht haben.

Überwiegend weibliche Beschäftigte

Fast 90 Prozent aller Beschäftigten in den Österreichischen Apotheken sind Frauen. Das hat sicher mit ihrer Rolle als tägliche Gesundheitsberaterin und -managerin zu tun. Mit Ulrike Mursch-Edlmayr stünde erstmals eine Frau an der Spitze der Apothekerkammer. Sie könnte also die Mehrheit aller Beschäftigten authentisch nach außen hin vertreten. Sie sieht den kraftvollen Input von Frauen heute und in Zukunft als essenziell an.

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