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Prof. Dr. Markus Hengstschläger, Medizinische Genetik, MedUni Wien, stellvertretender Vorsitzender der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt
 
Gesundheitspolitik 6. Juni 2012

Enorme Fortschritte

Ich habe gerade vom 16. bis zum 19. Mai an der „11th International Conference on Preimplantation Diagnosis“ (Congress Presidents Nicolas Zech und Alan Handyside) teilgenommen. Am Samstag fand in diesem Rahmen eine „Plenary Session“ statt, bei der ich über neue Genom-Analyseverfahren gesprochen habe und nach mir Prof. Dennis Lo zur Thematik „Non-invasive prenatal diagnosis using free fetal DNA“ referierte. In seinem Vortrag, aber auch in den vielen Gesprächen, die Dennis Lo und ich auf diesem Kongress führten, wurde klar, dass die Analyse fetaler DNA im Blut Schwangerer bereits enorme Fortschritte gemacht hat. Dennis Lo gilt als der Entwickler dieses Ansatzes, die fetale DNA im Blut Schwangerer zur genetischen Pränataldiagnostik zu nutzen. Er hat wissenschaftliche Daten präsentiert, die belegten, dass der Nachweis einer fetalen Trisomie 21 mit äußerst hoher Genauigkeit und Zuverlässigkeit, aber auch bereits der von Trisomie 13 oder Trisomie 18 mit zumindest sehr hoher Genauigkeit durchführbar ist.

Der Vorteil dieses nicht-invasiven Testverfahrens liegt auf der Hand: Im Gegensatz zu den traditionellen invasiven pränatalen Verfahren, wie Fruchtwasserpunktion oder Chorionzottenbiopsie, besteht durch die ledigliche Blutabnahme bei der Schwangeren kein Risiko, ungewollt die Schwangerschaft zu verlieren.

Auch wenn diese Methodik einmal zur Analyse familiärer monogenetischer Erkrankungen eingesetzt werde könnte, wird sie niemals die Präimplantationsdiagnostik zum Zwecke der Vermeidung von Schwangerschaftsabbrüchen ersetzen können. Der Einsatz dieses nicht-invasiven pränatalen Diagnoseverfahrens muss außerdem von einer entsprechenden ethischen Diskussion begleitet werden. Sicher ist auf jeden Fall, dass es sich um eine genetische Untersuchung handelt, für die eine medizinische Indikation vorliegen muss, eine genetische Beratung der werdenden Eltern durchgeführt werden muss und eine dem Gentechnikgesetz konforme Einwilligungserklärung von der Schwangeren unterschrieben vorliegen muss.

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