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Prof. Dr. Peter Husslein Vorstand der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Wien
 
Gesundheitspolitik 6. Juni 2012

Schwierige ethische Fragen

Der Durchbruch der Pränatalen Diagnostik aus mütterlichem Serum gelang, als die wissenschaftliche Forschung erkannte, dass sie nicht einzelne fetale Zellen, sondern fragmentierte fetale DNA untersuchen muss. Inzwischen hat sich daraus eine Reihe von Untersuchungsmethoden entwickelt, die es bereits mit relativ hoher Zuverlässigkeit ermöglichen, wichtige Informationen über den Föten aus dem mütterlichen Serum zu gewinnen. Beispielsweise bestimmen wir an der Abteilung Geburtshilfe und Feto-maternale Medizin am AKH Wien den fetalen Rhesusfaktor bei gegebener Indikation aus dem mütterlichen Serum.

Auch die fetale Trisomie 21 und andere chromosomale Anomalien können derzeit schon aus dem mütterlichen Serum bestimmt werden. Allerdings ist die Diagnosezuverlässigkeit der heute bereits zur Verfügung stehenden Tests noch nicht hoch genug, um damit die bisher übliche Vorgehensweise (ein US-Screening – und, sollte sich daraus eine entsprechende Risikokonstellation ableiten, anschließend eine diagnostische Punktion) zu verdrängen. Bei seriöser Vorgehensweise müssen diese Tests in Zukunft noch weiter auf ihre Zuverlässigkeit überprüft und verbessert werden, denn schließlich geht es ja bei der Entscheidung, die auf ihrer Grundlage getroffen werden, im wahrsten Sinne des Wortes um Leben und Tod. Der nächste Schritt könnte die Einbeziehung solcher Tests in das sogenannte „First Trimester Screening“ sein; dazu ist aber der Test zum derzeitigen Zeitpunkt noch zu teuer.

Es steht außer Frage, dass die Pränataldiagnostik aus fetaler DNA aus dem mütterlichen Serum in Zukunft eine große medizinische Bedeutung haben wird. Die Weiterentwicklung der Pränatalen Diagnostik aus mütterlichem Serum wird aber gleichzeitig auch eine Fülle von schwierigen ethischen Fragen nach sich ziehen, unter anderem, weil durch die ständige Verfeinerung der genetischen Untersuchungstechniken nicht nur das Spektrum der diagnostizierbaren Erkrankungen, sondern eben auch das von entdeckbaren Anomalien laufend erweitert werden wird.

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