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Gesundheitspolitik 8. Juni 2012

Standpunkte – Eine Frage über Leben und Tod

  

In Deutschland kommt ein neuer Bluttest auf den Markt, der eine risikolose frühe Diagnose von Trisomie 21 ermöglicht. Das wirft nicht nur medizinische, sondern vor allem auch ethische Fragen auf.

 

Die Firma LifeCodexx hat die Markteinführung des Bluttests bis zum Sommer angekündigt. Er ermöglicht laut Angabe des Herstellers den frühzeitigen und risikolosen Nachweis von Gendefekten bei ungeborenen Kindern. Damit lässt sich bestimmen, ob zu viel genetisches Material vom Chromosom 21 vorliegt, ob also das Kind dieses Chromosom dreimal hat: eine Trisomie 21, das Down-Syndrom. Dafür ist keine riskante Untersuchung des Fruchtwassers nötig, es genügen einige Tropfen Blut der Mutter. Darin finden sich Bruchstücke kindlicher DNS. Modernste Sequenziermaschinen machen es schon in der zehnten Schwangerschaftswoche möglich, diese Bruchstücke aufzuspüren, sie zu vervielfältigen und zu analysieren. Experten erwarten, dass sich dieser Test rasch durchsetzen wird. Laut einer aktuellen Online-Befragung des Tagesspiegel befürworten 75 Prozent der Leser die Einführung eines solchen Tests. Die Befürworter argumentieren, es wäre ethisch nicht vertretbar, eine Methode zu untersagen, die eine völlig risikofreie Diagnostik ermögliche. Die Entscheidung über die Konsequenzen liege letztlich stets bei den Eltern des noch ungeborenen Kindes. Kritiker halten den Test allerdings für diskriminierend gegenüber behinderten Menschen. Er würde den Druck auf werdende Eltern, abzutreiben, massiv erhöhen. Zudem bestünde die Gefahr, dass die Blutproben nach und nach genutzt werden, um auch andere chromosomale Auffälligkeiten und erbliche Erkrankungen aufzuspüren und zu „verhindern“.

Standpunkte – Eine Frage über  Leben und Tod

Standpunkt 1
Schwierige ethische Fragen
"Pränataldiagnostik aus fetaler DNA aus dem mütterlichen Serum wird in Zukunft eine große Bedeutung haben".
Prof. Dr. PeterHusslein, Vorstand der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Wien
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Standpunkt 2
Gewissheit ohne Gefährdung
"Alleine in Deutschland können jährlich bis zu 700 Kinder vor den tödlichen Folgen des invasiven Eingriffs bewahrt werden."
Dr. Miachael Lutz, CEO der LifeCodexx AG
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Standpunkt 3
Enorme Fortschritte
"Es handelt sich um eine genetische Untersuchung, für die in jedem Fall eine medizinische Indikation vorliegen muss."
Prof. Dr. Markus Hengstschläger, Medizinische Genetik, MedUni Wien, stellvertretender Vorsitzender der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt
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Von V. Weilguni, Ärzte Woche 23 /2012

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