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Foto: Privat
Dr. Reinhold Glehr, Referent für Qualitätssicherung der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM)
 
Gesundheitspolitik 26. Mai 2009

Wenn schon Codierung, dann eine aus der extramuralen Realität.

Die Qualität einer Diagnose- und Leistungscodierung beweist sich am konkreten Arbeits- und Zeitaufwand bei der Umsetzung und an der ihr innewohnenden Logik. Eine der Gefahren bei einem schlechten Codierungssystem ist, dass sich der Arzt eventuell in juristische Graubereiche begibt. Denn ein Druck in der Herzgegend kann beispielsweise koronar bedingt sein oder mit einem Rückenproblem zu tun haben. Eine erzwungene Festlegung in Richtung Herz, um etwa ein EKG abrechnen zu dürfen, könnte negative Konsequenzen für den Patienten haben, wenn dieser später eine Lebensversicherung abschließen will. Nach wie vor sind die vorliegenden Kataloge sehr wissenschaftslastig und viel zu starr – damit steigt die Wahrscheinlichkeit für eine falsche Codierung.

Zum Beispiel in Australien, Dänemark, Niederlanden, Norwegen oder Portugal ist der ICPC-2 zur Zufriedenheit aller Beteiligten in Verwendung. Die Erfahrungen ließen sich durchaus nützen. Dieses Klassifikationssystem für Beratungsanlässe, Diagnosen und Leistungen wurde aus der niedergelassenen Praxis entwickelt. Ein Vorteil des ICPC-2 ist, dass er kompatibel mit dem ICD-10 ist und in dessen „Sprache“ übersetzt werden kann, ohne dass dabei die spezielle Qualität der Vorgangsweise des niedergelassenen Bereichs verloren geht. Wenn ein starres System für die Codierung von Diagnose und Leistung zu einer Verstärkung der Absicherungsmedizin führt, wäre eine Verteuerung des Systems eine unwillkommene Folge.

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Der Code für alle Fälle

 

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Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 21 /2009

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