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Prim. Dr. Burkhard Leeb Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie
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Franz Bittner Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse

 
Gesundheitspolitik 26. Mai 2009

Teure Behandlung soll sich rechnen

Frühe Therapie der rheumatoiden Arthritis mit Biologika ist nun möglich und soll persönliches Leid und soziale Kosten minimieren.

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist heute nicht heilbar, bei frühzeitiger Diagnose und raschem Therapiebeginn aber gut behandelbar. Seit 1. Mai 2009 ist es nun mit dem Inkrafttreten einer neuen Verschreibungsrichtlinie erstmals auf Kosten der sozialen Krankenversicherung möglich, bei Nichtansprechen auf die Behandlung mit einem Basistherapeutikum sofort auf ein Biologikum umzustellen.

 

„Dieser neue Regelvorschlag, der einer langjährigen Forderung führender Experten entspricht, ist eindeutig zu begrüßen, denn er gibt dem praktizierenden Facharzt für Rheumatologie größere Freiräume in der Behandlung individueller Patienten“, befürwortet Prim. Dr. Burkhard Leeb, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation, die neue Verschreibungsrichtlinie. Bislang konnten alle Medikamente aus der Gruppe der TNF-alpha-blockierenden Biologika erst nach zwei erfolglosen Therapieversuchen mit DMARDs eingesetzt werden.

Ein schmales Fenster

Studienergebnisse zeigen, dass ein Behandlungsbeginn innerhalb des sogenannten „Window of Opportunity“, einem Zeitraum von drei Monaten, die größten Erfolge verspricht. Die Chancen auf einen optimalen Therapieerfolg sinken mit fortschreitendem Krankheitsverlauf. „Nicht nur wegen der individuellen Folgen, sondern auch im Interesse der Solidargemeinschaft sollte bei Nichtansprechen auf eine eingeleitete Therapie ein rechtzeitiger Wechsel (nach maximal sechs Monaten) auf eine andere Behandlungsoption nicht verabsäumt werden. In diesem Zusammenhang geht mit großer Sicherheit die meiste Zeit im Verlauf dieser lebenslangen Erkrankung verloren“, bekräftigt Leeb. „Wichtig ist auch eine Bewusstseinsbildung – in der Bevölkerung, ebenso wie bei Haus- und Fachärzten“, so Daniela Loisl, Präsidentin der Rheumaliga.

Entscheidend für die Prognose ist von Beginn an die engmaschige Kontrolle der Krankheitsaktivität. Daher sollte bei einem nicht ausreichenden Ansprechen auf Methotrexat (MTX) umgehend eine Therapiemodifikation erwogen werden. Diese Empfehlung wird durch Studiendaten untermauert, die zeigen, dass eine nachfolgende Behandlung mit konventionellen DMARDs nach Versagen einer initialen MTX-Therapie selten in einem DAS6 < 2,4 resultierte und zu einer Progression der Gelenkszerstörung führte. Patienten mit einem Versagen einer initialen MTX-Behandlung zeigen signifikant häufiger radiologisch sichtbare Gelenkszerstörungen als jene mit MTX-Erfolg.

Leeb: „Diese Verbesserung für die Behandlung bedeutet jedoch nicht, dass nun jeder Patient mit rheumatoider Arthritis ein Biologikum bekommt. Aber jene mit einem rasch progredienten Verlauf werden von der neuen Möglichkeit profitieren.“ Es komme nun darauf an, für jeden Patienten das richtige Medikament einzusetzen. Dabei gebe es eine gute Zusammenarbeit bei der Qualitätssicherung zwischen Ärzten und der Sozialversicherung. Jedenfalls dürfe nicht jeder Arzt Biologika verschreiben, sondern nur Rheumatologen oder Zentren, die Rheumatologen ausbilden. Denn für eine gute Verschreibungspraxis wäre die Erfahrung mit einer ausreichenden Zahl an Rheumapatienten nötig.

Hohe soziale Kosten

Die Chancen, trotz Erkrankung berufstätig zu bleiben, sind bei chronischen Leiden wie der RA ungleich verteilt. „Nicht zu vergessen ist, dass eine gesundheitliche Beeinträchtigung auch über die Wirkungsweise der Verringerung der Höhe des Erwerbseinkommens und damit der Kaufkraft einen dämpfenden Effekt auf das Wirtschaftswachstum hat“, so Dr. Thomas Neumann von der Wirtschaftskammer Österreich. Im Rahmen einer Studie wurden die sozialen und ökonomischen Auswirkungen der Erkrankung auf das private und berufliche Umfeld der Patienten untersucht. Das Ergebnis zeigt, dass es schon in den ersten Krankheitsjahren zu einschneidenden sozialen Veränderungen wie eingeschränkter Mobilität (52 Prozent) und einer Veränderung des beruflichen Status (51 Prozent) und damit verbundenen Einkommensverluste (23 Prozent) kommt.

„Eine frühzeitige Therapie ist nicht nur aus Patienten-, sondern auch aus ökonomischer Sicht anzustreben“, argumentiert Franz Bittner, Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse und Vorsitzender der Trägerkonferenz des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger. „Die Folgekosten, die ein durchschnittlicher Patient der rheumatoiden Arthritis durch Krankenhausaufenthalte, Operationen, Krankenstände, Prothesen und Ähnliches verursacht, liegen etwa bei 21.768 Euro im Jahr. Für die Versicherung wird die neue Verschreibungspraxis sicherlich eine Herausforderung, weil mit einer überproportionalen Steigerung für diese teuren Medikamente gerechnet werden muss. Eine Senkung der Kosten ist erwünscht. Aber wenn sich die Gesellschaft die volkswirtschaftlichen Kosten der Krankheitsfolgen ersparen kann, beginnt sich diese Behandlung zu rechnen“.

Kasten:
„Schweinegrippe“
Das neue Influenzavirus H1N1 enthält in einer noch nie gesehenen Kombination Gene von Schwein-, Vogel- und humanen Influenzaviren. Infizierte Menschen verbreiten das Virus mittels Tröpfcheninfektion. Die Symptome ähneln denen der üblichen humanen Influenza: Fieber mit plötzlichem Beginn und respiratorische Symptome; Diarrhö kann ebenfalls auftreten. Schwere Komplikationen können auch bei normalerweise gesunden Personen auftreten. Das Virus ist sensibel gegen antivirale Medikamente.
Bislang (Stand 5. Mai) gibt es in den EU- und EFTA-Ländern 107 bestätigte Fälle. Außerhalb der EU- und EFTA-Länder stieg die Anzahl bestätigter Fälle auf 1.162. Laut Angaben der US-Centers for Disease Control liegt das Durchschnittsalter der bestätigten Fälle in den USA bei 16 Jahren, und 62 Prozent der bestätigten Fälle sind jünger als 18. Die WHO berichtete, dass eine erste epidemiologische Analyse aller weltweit registrierten Fälle darauf hindeutet, dass die Inkubationszeit der Influenza A(H1N1) Virus Infektion bis zu acht Tage beträgt, und dass bis dato außerhalb der USA und Mexiko keine nachhaltige Übertragung innerhalb einer Gemeinschaft identifiziert werden konnte.
 *Enddokument unter http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_data/docs/pressdata/en/lsa/107492.pdf  ECDC: http://ecdc.europa.eu/en/Default.aspx  EU-Gesundheitskommission: http://ec.europa.eu/health/ph_threats/com/Influenza/novelflu_en.htm

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