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Gesundheitspolitik 30. Mai 2012

Standpunkte - Risikomanagement im Spital: Abschied vom Perfektionismus?

Stress, Hektik, Überforderung, Zeitdruck oder Personalmangel machen oft ganz einfache Routineaufgaben zu fehlerbehafteten Arbeitsprozessen.

Risikoprävention im Spitalsbetrieb hat viele Facetten: die Vermeidung von Nadelstichverletzungen, von Stürzen, von Fehlern bei OPs, von der Verwechslung lebenswichtiger Medikamente oder dem richtigen Umgang mit aggressiven Patienten. So vielfältig die Anforderungen, so vielfältig müssen auch die Ansätze zur Prävention sein. Und dennoch existieren wenige Modelle für zufriedenstellen Lösungen. Einen engagierten Vorstoß wagte die EU mit der Nadelstichverordnung, deren Umsetzung in Österreich kurz bevor steht. Dennoch gilt, was viele nicht glauben mögen, dass selbst im besten Krankenhaus Risiken nicht zu 100 Prozent vermeidbar sind. Die passende Fehlerkultur ist eine wichtige Basis dieser Erkenntnis. Noch ist diese Kultur überwiegend auf „blame and shame“ ausgerichtet. Ein Schuldiger muss her, die strukturierte Aufarbeitung der Ereignisse hinkt hinterher. Das vom britischen Psychologen James Reason entworfene „Schweizer-Käse-Modell“ stellt Organisationsfehler in den Mittelpunkt und zeigt, dass die Durchlässigkeit des Systems für Fehler an mehr als einer Stelle erst in der Gesamtheit zum Problem wird. Demnach müssen erst verschiedene Sicherheitsebenen umgangen werden, um gravierende Schäden anzurichten. Das Modell macht deutlich, dass sich die Analyse von Fehlern nicht nur auf die offensichtliche Katastrophe konzentrieren darf, sondern auf alle Mosaiksteine in einer Ereigniskette, die Fehler ermöglicht haben.


Standpunkt 1
Es kann durchaus Vorteile haben, Fehler zuzulassen
"Es ist wichtig zu erkennen, dass wir mehr aus unseren Fehlern als aus unseren Erfolgen lernen".
Mag. Roman Wagner Geschäftsführer Austrian Nearmiss Association (ANMA), http://www.anma.at/
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Standpunkt 2
Dialog, Deeskalation und Durchsetzung schaffen Sicherheit
"Wer im deeskalierenden Verhalten geschult ist, kann gefährliche Situationen im Alltag rascher erkennen."
Alfred Kovacs Ex-Polizist, Berufsdetektiv und Experte für Deeskalation und Taktik Team-Training im Krankenhaus
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Standpunkt 3
Was die Medizin von der Luftfahrt lernen kann
"Mehr Technik einzusetzen heißt nicht automatisch, mehr Sicherheit für Patienten zu schaffen."
Prof. Dr. Daniel Scheidegger Vorsteher Department Anästhesie und operative Intensivmedizin, Universitätsspital Basel
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Von R.Haiden, Ärzte Woche 22 /2012

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