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Gesundheitspolitik 30. Mai 2012

Eva Raunig neue Vizepräsidentin der Ärztekammer für Wien

Hauptziel: Die Bedeutung des Hausarztes als Gatekeeper im Gesundheitssystem festigen.

Eva Raunig, seit zwölf Jahren niedergelassene Allgemeinmedizinerin mit allen Kassen in Wien 9., wurde am 22. Mai 2012 im Rahmen einer außerordentlichen Vollversammlung mit deutlicher Mehrheit zur dritten Vizepräsidentin der Ärztekammer für Wien gewählt. Sie wird vor allem die Anliegen der Allgemeinmediziner und Hausärzte vertreten und sich dafür engagieren, dass dem Hausarzt jene Bedeutung beigemessen wird, die ihm als Gatekeeper des Gesundheitssystems zusteht.

 

Zudem wird sie sich verstärkt um die Bedürfnisse der weiblichen Kollegen kümmern, da jetzt schon mehr als die Hälfte der im ärztlichen Beruf Tätigen Frauen sind und dies im ärztlichen Arbeitsumfeld mehr Berücksichtigung verlangt.

Erster Schritt in Richtung Verschlankung der Ärztekammer

"Mit der Wahl einer dritten Vizepräsidentin wurde in der Ärztekammer ein erster wichtiger Schritt Richtung 'Verschlankung' gesetzt. Bisher gab es sieben dotierte Präsidialreferenten, die die Arbeit des Präsidenten unterstützt haben. Nun wurde statt derer die Position der dritten Vizepräsidentin aktiviert, womit nunmehr drei Vizepräsidenten mit mir gemeinsam den Weg in der Standespolitik vorgeben", betont der Präsident der Ärztekammer für Wien, Thomas Szekeres.

Sichergestellt sei dadurch auch, dass sich nun erstmals eine Vizepräsidentin verstärkt und gezielt für die Belange der Allgemeinmediziner und Hausärzte einsetzt. "So konnte der diesem Beruf angemessene und notwendige Stellenwert in der Ärztekammer geschaffen werden", zeigt sich der Ärztekammerpräsident erfreut.

Szekeres ist es wichtig, dass in den nächsten Jahren das Thema Allgemeinmedizin in der Ärztekammer in den Vordergrund gestellt wird. Denn für "eine flächendeckende Betreuung der Wienerinnern und Wiener und vor allem für ein besseres Verhältnis zwischen Arzt und Patient ist der Hausarzt ein wesentlicher Faktor, der in den nächsten Jahren massiv an Bedeutung gewinnen wird und gewinnen muss".

Der Hausarzt als Vertrauensarzt

Für Szekeres muss die Rolle des Hausarztes im Rahmen einer zukunftsweisenden, kostensparenden und integrierten Gesundheitsversorgung aufgewertet werden. Aufgrund veränderter Krankheitsbilder und demografischer Veränderungen würden sich die Ansprüche an die Patientenbetreuung verändern. Szekeres: "Die Patientinnen und Patienten müssen immer umfassender und kontinuierlich betreut werden. Eine gute Primärversorgung durch den Hausarzt ermöglicht ein stabiles und andauerndes Arzt-Patienten-Vertrauensverhältnis."

Durch die bessere Primärversorgung würden auch auf längere Sicht die Kosten des Gesundheitssystems gesenkt werden. "Wenn dem Hausarzt die Rolle des Gatekeepers nicht nur durch die Politik, sondern auch durch die Patientinnen und Patienten zugesprochen wird, können Ambulanzbesuche und Spitalsaufenthalte reduziert werden", ist der Ärztekammerpräsident überzeugt. So würden nicht nur die Kosten gesenkt, sondern auch die Spitäler entlastet. Um dies zu gewährleisten, müsse jedenfalls rasch in den niedergelassenen Bereich investiert werden.

Image des Hausarztes aufpolieren

Raunig, ist es vor allem wichtig, dass der Hausarzt eine Imageaufwertung erfährt. "Die Allgemeinmediziner sind die ersten Ansprechpersonen für Patientinnen und Patienten. Oft begleiten wir unsere Patientinnen und Patienten jahrelang, wir kennen ihre Krankengeschichte, ihren familiären Hintergrund, ihre Lebensumstände und können so die optimale Behandlung garantieren." Dieses Vertrauensverhältnis gehöre gestärkt, "gerade in einer Großstadt".

Der Hausarzt garantiere eine humanitäre Medizin, wo der Mensch, der Patient, im Vordergrund stehe, und nicht die Ökonomie. In diesem Sinne spricht sich Raunig zwar für die effiziente Einsetzung der finanziellen Mittel aus, lehnt aber strikt jegliche Rationierungsversuche am Rücken der Gesundheit der Patientinnen und Patienten ab.

In den letzten Jahren sei die Rolle des Hausarztes durch von der Politik zusätzlich aufoktroyierte unabgegoltene Aufgaben wie beispielsweise die E-Card sowie das zeitaufwendige Arzneimittelbewilligungssystem, eine nicht entsprechende Honorierung und immer schlechter werdende Rahmenbedingungen in der Berufsausübung von der Politik nicht gewürdigt worden. "Meine Aufgabe in den nächsten fünf Jahren wird es sein, dies wieder ins rechte Licht zu rücken und auch den Anreiz dafür zu schaffen, dass uns die Allgemeinmediziner in Wien nicht abhandenkommen", erklärte die neue Vizepräsidentin.

"Auch die Tatsache, dass immer mehr Frauen den ärztlichen Beruf wählen, muss mehr Berücksichtigung im medizinischen Arbeitsumfeld finden", setzt sich Raunig einen nächsten Arbeitsschwerpunkt für die kommenden fünf Jahre. Frauen hätten eine andere Vorstellung von einer optimalen Work-Life-Balance als Männer, hinzu komme noch die oftmalige Doppelbelastung durch Schwangerschaft oder die Betreuung der Kinder oder anderer Familienangehöriger.

Schwerpunkt: Prävention und Vorsorge

Die Zahl der zivilisationsbedingten Krankheiten nimmt bedenklich zu. Davon betroffen sind vor allem Diabetes, Adipositas, Bluthochdruck, Gehör- und Sehschäden sowie die Überbelastung der Wirbelsäule und Gelenke/Knorpel.

Neben der Positionierung des Hausarztes als Gatekeeper im Gesundheitssystem und der Fokussierung auf die Anliegen der weiblichen Ärzte legt die Vizepräsidentin daher einen weiteren Schwerpunkt auf die Prävention und Vorsorge. Sie bezieht sich dabei auf Untersuchungen des Instituts für medizinische und sportwissenschaftliche Beratung - Olympiazentrum Südstadt, die bestätigt hätten, was auch die Ärztekammer immer wieder aufgezeigt hat: Österreichs Jugend ernährt sich schlecht, bewegt sich zu wenig, ist übergewichtig bis fettleibig und in zunehmendem Ausmaß alkohol- und nikotinabhängig.

Emotionalisieren und Bewusstsein schaffen

Das Aufzeigen von Fakten und Daten alleine bringe aber in einer überkommunizierenden und überkommerzialisierten Gesellschaft nichts. Raunig: "Man muss emotionalisieren und mit einer breiten Kampagne Bewusstsein schaffen - in der Sprache der Jugendlichen und vielleicht auch mit drastischen Mitteln." Parallel dazu müssten präventive und pädagogische Maßnahmen, wie von der Ärztekammer seit Jahren gefordert, eingesetzt werden.

Die Vizepräsidentin fordert hier die verpflichtende Gesundheits- und Ernährungskunde sowie Kochunterricht an den Ganztagsschulen, verpflichtende tägliche Turnstunden für alle, präzise Vorschreibungen für die Schulverpflegung bis hin zur Mensa, einen adäquaten Einsatz der Schulärzte sowie Rauchfreiheit in allen Lokalen.

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