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Gesundheitspolitik 23. Mai 2012

Standpunkte: E-Medikation ante portas?

Die Evaluierung des Pilotprojekts E-Medikation belegt einerseits dessen grundsätzliche Nützlichkeit, weist aber gleichzeitig auf zahlreiche Mängel bezüglich dessen Praxistauglichkeit hin.

Zwischen Juli und Dezember 2011 lief in drei Testregionen in Tirol, Oberösterreich und Wien ein Pilotprojekt zur E-Medikation. Schon während der Projektphase kam es zu heftigen Diskussionen zwischen Hauptverband und Apothekern auf der einen und Ärztevertretung auf der anderen Seite. Die Ärztekammer hatte ihre Mitglieder sogar zu einem Projektausstieg aufgerufen. Letztendlich konnten aber trotzdem genügend Daten gesammelt werden, um eine fundierte Evaluierung durchzuführen, versicherten Projektleiter Wolfgang Dorda von der MedUni Wien und ELGA-GmbH-Geschäftsführerin Susanne Herbek bei der Präsentation der Evaluierungsergebnisse. Demnach beteiligten sich 85 Ärzte, 50 Apotheken, vier Krankenhäuser und 5.431 Patienten am Projekt. Im Durchschnitt trat bei jedem zweiten Besuch bei einem Arzt oder einer Apotheke eine Warnung vor Wechselwirkungen auf, bei jedem sechsten Besuch eine Intervallwarnung, also dass der Patient kein neues Medikament bekommen sollte, weil er noch ein altes haben müsste, und bei jedem neunten Besuch eine Duplikatswarnung vor dem gleichen Wirkstoff in verschiedenen Medikamenten. Rund 70 Prozent der teilnehmenden Ärzte und 90 Prozent der Apotheker bewerteten eine durch die E-Medikation prinzipiell ermöglichte Medikationsliste als positiv. Gleichzeitig kritisierte die Mehrheit der Ärzte und Apotheker allerdings die mangelnde Benutzerfreundlichkeit der Software und den damit verbundenen Mehraufwand.

 

 Schoerghofer_ Wawrowsky_   Burggasser_

 

von links nach rechts

Standpunkt 1
Hoher Patientennutzen bestätigt
"Die technische und organisatorischen Grundlagen für den bundesweiten Betrieb sind rasch umsetzbar."
DI Volker Schörghofer Generaldirektor-Stellvertreter, Geschäftsbereich IT, Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger
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Standpunkt 2
In dieser Form unbrauchbar
"Solange es kein besseres elektronisches Werkzeug gibt, werden wir Ärzte das System nicht verwenden".
Dr. Günther Wawrowsky Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte
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Standpunkt 3
E-Medikation gehört umgesetzt
"In Richtung Praxistauglichkeit sehe ich aber noch einen eindeutigen Verbesserungsbedarf".
Mag. Heinrich Burggasser Präsident der Österreichischen Apothekerkammer
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Von V. Weilguni, Ärzte Woche 21 /2012

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