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Foto: Privat
Dr. Stefanie Auer, Psychologin und wissenschaftliche Leiterin des Vereins M.A.S (Morbus Alzheimer Syndrom), Bad Ischl
 
Gesundheitspolitik 12. Mai 2009

Demenz heißt nicht, dass es keine Handlungsoptionen mehr gibt.

Demenz ist kein Ereignis, das von heute auf morgen eintritt. Menschen beschäftigen sich oft schon jahrelang damit, nehmen Symptome frühzeitig wahr und machen sich Sorgen, haben Ängste … Ein Grundproblem ist, dass viele lange niemanden finden, der sie ernst nimmt. Auch aktuelle Studien zeigen die Bedeutung der subjektiven Wahrnehmung deutlich.

Der Demenzbericht ist ein wichtiger Schritt – er zeigt klar die Defizite in der Versorgung von Demenz auf sowie die vielen Lücken bei der Unterstützung der Angehörigen. Thematisiert werden auch die Mankos bei der Ausbildung, der Professionalisierung sowie beim interdisziplinären Vorgehen und der Forschung.

Leider ist beim Thema Demenz oft Nihilismus und Konzeptlosigkeit zu finden. Demenz ist kein Schicksal, dem Betroffene und Angehörige machtlos ausgeliefert sind. Es sollte bei der Prävention angesetzt werden, ebenso bei der bewussten Bildungspolitik. Maßnahmen sind allerspätestens bei den ersten Symptomen gefragt und nicht erst, wenn die medizinische Diagnose vorliegt. Dabei wäre ein gut überlegter, geplanter und individuell angepasster Mix aus medikamentöser Therapie und Maßnahmen wie psychosozialer Unterstützung sowie kognitivem und körperlichem Training angezeigt. In Oberösterreich setzt der Verein M. A. S. inzwischen flächendeckend ein Konzept um, bei dem auf langfristige und niederschwellige Beratung sowie Unterstützung gesetzt wird.

Unsere nun siebenjährigen Erfahrungen zeigen, dass sich die Lebensqualität sowohl der Betroffenen als auch der Angehörigen verbessern lässt und die Menschen mit Demenz so deutlich länger selbstbestimmt und selbstbewusst leben können. Die Unterbringung in Institutionen wird verzögert oder gar verhindert. Auch wenn der Hausverstand sagt, dass dies nicht zuletzt Effekte auf die anfallenden Kosten hat, sind wir nun dabei, die entsprechenden Fakten zu sammeln. Solche Projekte wie unseres brauchen dazu freilich auch entsprechende finanzielle Unterstützung.

Lesen Sie auch die Einführung zum Thema dieser Standpunkte:
Der Demenz aktiv begegnen

 

Lesen Sie zu diesem Thema auch diese Standpunkte:

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 20/2009

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