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Gesundheitspolitik 16. Mai 2012

Vorsorge-Untersuchungen abschaffen?

Eine neue Studie der Universität Linz bezweifelt die Sinnhaftigkeit des gegenwärtigen Konzepts der Primärprävention in Österreich.

Die direkten Kosten von Vorsorgeuntersuchungen beliefen sich 2010 in Österreich auf 64 Millionen Euro. In der öffentlichen Debatte gibt es einen weitgehenden Konsens über deren Nutzen. Sie gelten als ein wesentlicher Bestandteil in den Bemühungen, die präventiven Aspekte unseres medizinischen Systems gegenüber den kurativen stärker zu betonen. Damit ließen sich nicht nur viele Krankheiten und damit individuelle Leiden der Patienten verhindern, sondern es könnte insgesamt auch Geld gespart werden, da jeder in die Prävention investierte Euro ein Mehrfaches an teuren Behandlungskosten vermeiden würde. Eine aktuelle Studie der Universität Linz stellt diese Schlussfolgerung nicht nur in Frage, sondern kommt überhaupt zu dem Ergebnis, dass das Konzept der Primärprävention in der derzeitigen Form nicht aufgeht. Ausgewertet wurden dazu die Daten aller Versicherten über 33 Jahre bei der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse von 1998 bis 2007. Laut Studie würden Vorsorgeuntersuchungen die Gesundheitskosten durch Nachfolgeuntersuchungen und zusätzlichen Medikamentenverbrauch kurzfristig erhöhen. Diese Kostensteigerungen ließen sich durch mittel- oder langfristige Einsparungen nicht abdecken. Auch der Gesundheitszustand könnte nicht verbessert werden. Daher lautet das wissenschaftliche Fazit von Martin Halla, einem der Studienautoren: „Ich würde die Vorsorgeuntersuchung in ihrer jetzigen Form abschaffen.“

Standpunkt 1
Zweck wird nicht erfüllt
"Die zusätzlich entstehenden Kosten werden durch Einsparungen nicht gedeckt".
Dr. Martin Halla Assistant Professor, Johannes Kepler Universität Linz, Department of Economics
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Standpunkt 2
Screening weckt Erwartungen
"Es ist Unsinn, den Nutzen von Vorsorgeuntersuchungen pauschal zu messen".
Dr. Christoph Fischer Vizepräsident der Tiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin
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Standpunkt 3
Ein wichtiges Steuerungsinstrument
"Soll das Kinde mit dem Bade ausgeschüttet werden?"
Mag. Birger Rudisch Tiroler Patientenvertretung
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Von V. Weilguni, Ärzte Woche 20 /2012

  • Herr Prof. Manfred Neuberger M.D., 16.05.2012 um 23:03:

    „Martin Halla möchte ich fragen, ob er Arzt ist oder wenigstens Medizin studiert hat.
    Vorsorgeuntersuchungen dienen der Sekundärprävention.
    Ein guter Arzt wird sie aber zum Anlass nehmen, mit Gesunden über Primärprävention zu sprechen und sie individuell zu beraten und zu motivieren.“

  • Herr Prof. Manfred Neuberger M.D., 16.05.2012 um 23:12:

    „Martin Halla möchte ich fragen, ob er Arzt ist oder wenigstens Medizin studiert hat.
    Vorsorgeuntersuchungen dienen der Sekundärprävention.
    Ein guter Arzt wird sie aber zum Anlass nehmen, mit Gesunden über Primärprävention zu sprechen und sie individuell zu beraten und zu motivieren.“

  • Frau Dr. Herbert Kainberger, 17.05.2012 um 09:13:

    „Ich schließe mich dem Kommentar von Prof. Neuberger an. die Vorsorgeuntersuchung ist sehr wohl sinnvoll, wenn sie richtig gemacht wird. Sie dient mir dazu, den Patienten Zeit und Zuwendung zu widmen, ihre Fragen zu beantworten, allfällige notwendige diagnostische und therapeutische Maßnahmen durchzuführen usw, alles in Ruhe und in einer honorierten Arbeitszeit. Weniger sinnvoll sind freilich Vorsorgeuntersuchungen, die von Ärzten durchgeführt werden, die die Patienten weder kennen noch behandeln. Aber auch dann kann es Sinn machen, wenn nämlich z. B. jemand, der sonst nie zum Arzt geht, einmal erfährt, dass der Blutdruck oder der Blutzucker erhöht sind.“

  • Herr Dr. Herbert Kainberger, 17.05.2012 um 09:15:

    „Nur der Ordnung halber Hr. Dr. Kainberger....“

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