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Foto: Privat
„Fliegendes Team“ aus Pädiatern, Kinderkrankenschwestern und Betreuern ermöglicht die optimale Pflege von kranken Kindern im häuslichen Umfeld.
 
Gesundheitspolitik 12. Mai 2009

Wichtige mobile Unterstützung

Mobile Kinderkrankenpflege spart Kosten und erhöht Betreuungsqualität.

Kinder werden durch mobile Pflege schneller gesund und können auch bei schwerer Erkrankung im Familienverbund bleiben.

In Ländern wie den Niederlanden oder Großbritannien gehört mobile Kinderkrankenpflege längst zum selbstverständlich öffentlich finanzierten Angebot. Im deutschen Sprachraum ist sie oft nur lückenhaft vorhanden und der Initiative von Einzelpersonen sowie der Großzügigkeit von Spendern zu verdanken. „Es wurde uns immer wieder gesagt: Ein solches Angebot ist nicht nötig und es wird von den Eltern nicht nachgefragt“, erinnert sich Diplom-Kinderkrankenschwester Gabriele Hintermayer. Sie ist Obfrau des privaten Vereins „MOKI – Mobile Kinderkrankenpflege“, der seit 1999 in Wien, Niederösterreich, dem Burgenland, Oberösterreich und Kärnten tätig ist.

Aber der Alltag in den Spitälern und Gespräche mit Eltern zeigen, wie wichtig das Angebot ist. „Durch die Unterstützung der mobilen Pflege werden Kinder und Jugendliche schneller gesund und sie können auch nach einer Frühgeburt, bei chronischen Krankheiten oder in der letzten Lebensphase im Familienverbund bleiben.“ Die Rate der Wiedereinweisungen ins Spital sinkt, und mobile Kinderkrankenpflege ist deutlich billiger als ein Tag im Spital.

Speziell ausgebildete mobile Ärzte, Betreuer und Krankenpfleger (siehe Kasten) übernehmen Pflegetätigkeiten wie Verbandwechsel, subkutane Injektionen, Verabreichung von Medikamenten, Dokumentation der Vitalwerte und Pflegeberatung der Angehörigen. Auch das familiäre und soziale Umfeld wird dabei eingebunden. „Ein Unterschied zur mobilen Pflege bei Erwachsenen ist, dass die Zeitpläne eher auf die Bedürfnisse des Kindes und der Familie abgestimmt werden.“ Außerdem gibt es Still- und Ernährungsberatung.

„In den vergangenen Jahren hat sich die Zusammenarbeit mit den Haus- und Kinderärzten verbessert“, erzählt Hintermayer. Sie berichtet, dass es früher Ängste gegeben hatte, mobiles Pflegepersonal könne den Medizinern Tätigkeiten wegnehmen. „Inzwischen wird unsere Arbeit oft als nicht mehr wegzudenkende Unterstützung gesehen.“ Von manchen Ärzten gäbe es noch Skepsis – vor allem von jenen, die keine Hausbesuche durchführen und daher wenig Einblick in den Alltag einer Familie mit einem kranken Kind haben.

Ringen um Finanzierung

In Vorarlberg wird mobile Kinderkrankenpflege durch Mittel aus dem Reformpool finanziert. Gibt es keine mobile Kinderkrankenpflege, müssen Kinder Monate bis Jahre im Spital verbringen. „Das führt oft zu Hospitalismus, sozialer Isolation und zur Verschlechterung der Prognose“, sagt Prim. Dr. Bernd Ausserer, Leiter der pädiatrischen Abteilung des Krankenhauses Dornbirn. Seiner Ansicht nach müsste es mobile Pflege für Kinder in ganz Österreich geben, „die Finanzierung darf nicht vom ‚good-will’ von Einzelpersonen abhängen.“

Pflege ist Landessache – deshalb wird die mobile Kinderkrankenpflege in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich mitfinanziert. Teilweise war es notwendig, Kooperationen mit Volkshilfe und Hilfswerk einzugehen, um überhaupt eine Förderung zu bekommen. „Oft werden nur niedrige Tagsätze bezahlt, unabhängig davon, wie lange jemand bei einem Kind tätig ist.“ Hintermayer kann auf Erfahrungswerte aus anderen Ländern zurückgreifen und weiß deshalb, dass diese Form der Pflege für das Gesundheits- und Sozialsystem wesentliche Vorteile bringen kann.

www.moki.at

Kasten:
Universitätslehrgang Palliative Care
2010 gibt es die Möglichkeit der Fortbildung für die Betreuung schwer kranker und sterbender Kinder und deren Familien, u. a. für Ärztinnen und Ärzte der Pädiatrie und für den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege. Die Art und Weise der intrapsychischen und intrafamiliären Auseinandersetzung mit Themen wie Krankheit, Sterben, Tod und Trauer bei Kindern unterscheidet sich sehr von jener der erwachsenen Palliative Care. Diesem Umstand soll dieser den spezifischen Bedürfnissen angepasste Lehrgang gerecht werden.
Der „4. interdisziplinäre Lehrgang Palliative Care in der Pädiatrie“ umfasst 150 Unterrichtseinheiten zuzüglich 80 Stunden Praktikum und wird in sechs Blöcken, die auf zwei Semester verteilt sind, abgehalten. Kosten pro Semester: 1.350 Euro.
www.moki.at/palliativlehrgang.pdf

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 18/2009

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