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Foto: MEDUNI WIEN
Prof. Dr. Karin Gutiérrez-Lobos Vizerektorin für Lehre, Gender & Diversity der Medizinischen Universität Wien
 
Gesundheitspolitik 9. Mai 2012

EMS und Gender: eine Unaufgeregtheit

Bleiben wir bei den Fakten. Zielkriterium des EMS ist die Studieneignung und nicht, ob jemand ein guter Arzt bzw. eine gute Ärztin wird. Seit Einführung des EMS 2006 wurde regelmäßig ein signifikanter Gender Gap gefunden, der jedes Mal für Kritik in der Öffentlichkeit gesorgt hat. Der Gender Gap ist in Österreich besonders groß, aber auch in Deutschland und in der Schweiz vorhanden. Ein Grund dafür ist die Auswahl der Tests, bei denen es mehrheitlich einen Gender Bias zu Ungunsten der Frauen gibt. Niemand würde heutzutage zum Beispiel das Heben eines Gewichts von 100 Kilogramm als Auswahlkriterium fordern, weil es nicht fair ist. Um diese Frage geht es auch beim EMS. Fair ist ein Verfahren dann, wenn es nicht a priori Personen systematisch benachteiligt, deren Erfolgswahrscheinlichkeit bzw. Eignung genauso hoch ist wie die anderer Personen. Bereits bei der SIP 1 schneiden Frauen erfolgreicher als beim EMS und als Männer ab, dies setzt sich im Verlauf des Studiums fort. Christiane Spiel stellte in ihrer Studie zum EMS fest, dass „viele Testaufgaben nicht in der Lage sind, adäquat zwischen ‚guten‘ und ‚schlechten‘ Testpersonen zu differenzieren“ und „deutliche Probleme der Verrechnungsfairness“ bestehen. Diese Verrechnungsfairness soll jetzt vorgenommen werden. Gemäß Universitätsgesetz sind die Unis in ihren Aufgaben und Zielen zu Chancengleichheit und Frauenförderung verpflichtet. Die juristischen Meinungen scheinen dies zu unterstützen, ein Privatgutachten sieht das – allerdings von einer falschen Basis ausgehend – anders. Übrigens werden in anderen Ländern – wegen der geschlechtsspezifischen, aber auch sozialen und kulturellen Verzerrungen – längst nicht mehr nur EMS-ähnliche Verfahren als einziges Zulassungskriterium verwendet. Die drei heimischen MedUnis sind übereinkommen, ein neues gemeinsames Verfahren zu entwickeln, das mehr an den spezifischen Anforderungen des Medizinstudiums ausgerichtet und fair ist sowie regelmäßig evaluiert und adaptiert werden soll.

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