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Gesundheitspolitik 9. Mai 2012

Ausgleich des Nachteils

Die Medizinische Universität Wien will die kommenden Eignungstests „genderspezifisch“ auswerten – soll und darf sie das überhaupt?

Im Juli werden an allen drei medizinischen Universitäten Österreichs wieder die Eignungstests für das Medizinstudium abgehalten. Als erste und einzige Hochschule Österreichs hat die Medizinische Universität Wien angekündigt, den EMS-Testwert „genderspezifisch ermitteln“ zu wollen. Die Unileitung reagiert damit nach eigener Angabe auf das „traditionell schlechtere Abschneiden der Bewerberinnen im Vergleich zu den Männern“. 2011 waren zwar 56 Prozent der Testteilnehmer Frauen, nach der Auswertung betrug die Frauenquote bei den zum Studium Zugelassenen aber nur mehr 43 Prozent. Österreichweit lag die Zulassungsquote bei 44 Prozent – bei ebenfalls 56 Prozent Bewerberinnen. Man wolle die Regelung in diesem Sinne nicht als „Frauenbevorzugungsmaßnahme“, sondern vielmehr als „Nachteilsausgleich“ verstanden wissen, sagte die zuständige Vizerektorin Karin Gutiérrez-Lobos gegenüber derStandard. Der Vorstoß löst mehrheitlich Kritik aus, da gleiche Leistungen ab sofort nicht mehr gleich bewertet würden. Die Studentenvertretung der MedUni Wien fordert die Rücknahme der neuen Regelung und verweist auf ein Gutachten, wonach diese Form der Auswertung „eindeutig rechtswidrig“ sei. Die ÖH spricht zudem von einer „Diskriminierung beider Geschlechter“. Auch die Medizinuniversitäten in Graz und Innsbruck reagieren auf das Vorhaben in Wien zurückhaltend und sehen in einer milderen Beurteilung „kein gutes Signal für die Frauen“.

Gutierrez    Orasche_  Smolle_

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
EMS und Gender: eine Unaufgeregtheit
"Gemäß Universitätsgesetz sind die Unis zu Chancengleichheit und Frauenförderung verfplichtet".
Prof. Dr. Karin Gutiérrez-Lobos Vizerektorin für Lehre, Gender & Diversity der Medizinischen Universität Wien
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Standpunkt 2
Gender Gap – was steckt wirklich dahinter?
"Durch die neue Regelung werden nur Symptome bekämpft, die Ursache bleibt bestehen".
Christian Alexander Orasche Vorsitzender der Universitätsvertretung an der MedUni Wien, Mitglied des akademischen Senats
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Standpunkt 3
Grazer BMS-Test schafft den Ausgleich
"Frauen haben es nicht notwendig mit zweierlei Maß gemessen zu werden".
Prof. Dr. Josef Smolle Rektor der Medizinischen Universität Graz
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Von V. Weilguni, Ärzte Woche 19 /2012

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