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OÖ Gesundheitstag kl

Im Bild v.l.n.r.: Dr. Harald Eckmann (Leiter des vertrauensärztlichen Diensts - GBZ Linz der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB), Mag. Christine Radmayr (Moderation), Dr. Erwin Rebhandl (Präsident von AM PLUS, Initiative für Allgemeinmedizin und Gesundheit), Dr. Josef Pühringer (Landeshauptmann OÖ Gesundheitsreferent), Prof. Dr. Martin Clodi (Facharzt für Innere Medizin und Sekretär der Österreichischen Diabetesgesellschaft (ÖDG)), Mag. pharm. Thomas Veitschegger (Vorstandsmitglied Apothekerkammer, Landespräsident Apothekerkammer Oberösterreich), Prof. Dr. Peter Sziostronek (Leiter der Kardiologie Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz), Mag. Peter McDonald (Obmann-Stellvertreter der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA)), Felix Hinterwirth (Obmann der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse

Credit: Welldone /Gregor Hartl

 
Gesundheitspolitik 7. Mai 2012

Aktionstag Gesundheit Oberösterreich 2012

Der Informationstag in Linz stößt auf großes Publikumsinteresse.

Eine immer größere Anzahl von Menschen leiden an Diabetes und Herzkreislauf-Erkrankungen. Das zeigt, wie wichtig frühzeitige Diagnostik und rechtzeitige Behandlung sind. Das Land Oberösterreich hat zur Versorgung dieser Patienten bereits einen guten Weg eingeschlagen. Das belegen vor allem die gut funktionierenden Disease Management-Programme, wie die oberösterreichische strukturierte Diabetikerbetreuung. Auf Initiative des Landes Oberösterreich fand am 5. Mai im Linzer Oberbank Donau-Forum der Aktionstag Gesundheit OÖ 2012 Diabetes & Herz-Kreislauf statt, bei dem sich Interessierte sowie Betroffene und deren Angehörige umfassend zum besseren Verständnis und zum Umgang mit Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen informieren konnten.

 

Über 1.000 Besucher folgten der Einladung zum Aktionstag Gesundheit Diabetes & Herz-Kreislauf zwischen 08.00 und 18.00 Uhr ins Linzer Oberbank Donau-Forum. Ziel der Veranstaltung war es, allen Oberösterreichern zu ermöglichen, sich über Vorsorge, Früherkennung, Therapie und therapiebegleitende Maßnahmen zu informieren. Auf einer eigenen Mess-Straße hatten die Besucher die Chance einen Gesundheits-Check vornehmen zu lassen, bei dem auf einzelnen Stationen eine Vielzahl von gesundheitsrelevanten Parametern gemessen wurde. Zahlreiche Experten - Ärzte, Apotheker, Psychologen und Ernährungswissenschafter etc. - standen vor Ort für die individuelle Beratung zur Verfügung.

Renommierte Vertreter aller gesundheitsrelevanten Berufe referierten zu den Schwerpunkten Früherkennung und Vorsorgeuntersuchung, Gesundheitsziele, dem Diabetes Disease Management-Programm (DMP) "Therapie Aktiv", medikamentöse Behandlung, Ernährung, Selbsthilfe und Psychologie. Im Themenblock Kardiologie wurde über den Herzinfarkt, die Hypertonie sowie Bewegung und Rehabilitation gesprochen.

Neue Ziele - neue Chancen? Benefits der Gesundheitsreform für die Früherkennung und das Krankheitsmanagement in den Bereichen Diabetes und Herz-Kreislauf"

Am Nachmittag folgte mit einer prominent besetzten Podiumsdiskussion das Programmhighlight des Aktionstages. In seinem Einführungsstatement stellte Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer den Status quo der aktuellen Gesundheitsreform vor, die als einen wesentlichen Punkt ein gemeinsames Steuerungssystem für niedergelassene Ärzte sowie Spitäler und Ambulanzen vorsieht. Im Bereich der Vorsorge könne laut Pühringer die Bewusstseinsbildung und Prävention gar nicht früh genug beginnen. Viele Krankheiten und gesundheitliche Einschränkungen werden bei vielen Patienten bereits in jungen Jahren durch Bewegungsmangel oder falsch Ernährung grundgelegt. "Entscheidend wird sein, die Prävention und Gesundheitsförderung weiter zu stärken, denn das kann viel Leid bei den Menschen verhindern und gleichzeitig Kosten im Gesundheitssystem verringern", so Dr. Pühringer, und führt weiter aus: "Das Wichtigste ist, den Menschen zu vermitteln, dass sie für die Gesundheit selbst viel tun können. Wenn es uns gelingt, das in die Köpfe und Herzen zu bringen, sind wir am richtigen Weg."

Dr. Erwin Rebhandl, Präsident der Initiative AllgemeinMedizin PLUS, wies darauf hin, dass die Umsetzung der Gesundheitsreform gerade im extramuralen Bereich nach einer stärkerer Vernetzung der regionalen Leistungsanbieter verlange. "Wir benötigen dafür eine klare Definition des Leistungsangebotes der einzelnen Leistungsanbieter und eine Verpflichtung zum Grundleistungspaket laut Kassenvertrag. Das gibt sowohl den Partnern als auch den Patienten Klarheit und Struktur", erklärt Dr. Erwin Rebhandl, und weiter: "Das Primary Health Care-Modell hält für die Probleme in der Grundversorgung Lösungen bereit. Der Gesundheitsförderung und der Prävention wird in diesem Modell breiter Raum gegeben. So kann es entscheidend zur Qualitätssteigerung und Ökonomisierung des Gesundheitssystems beitragen."

Teilnahme an bestimmten Vorsorgeprogrammen muss attraktiver werden

Aus internistischer Sicht beleuchtete Prof. Dr. Martin Clodi, Facharzt für Innere Medizin und Sekretär der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG), das Thema und stellte klar, dass Diabetes mellitus oft in seiner Dramatik zu wenig wahrgenommen wird. Unbehandelt verkürzt diese Erkrankung das Leben um bis zu 15 Jahre und geht mit schwerwiegenden Komplikationen wie Schlaganfall und Herzinfarkt einher. Ebenso betroffen sind die Nieren, die Augen und die Nerven - so ist Diabetes nachgewiesenermaßen die häufigste Ursache für Erblindung, Amputationen und Dialyse. "Neben einem breiten Therapieangebot in spezialisierten Zentren müssen wir vermehrt Bewusstsein für die Erkrankung schaffen und Personen mit hohem Risiko oder gar einer manifesten Erkrankung frühzeitig herausfiltern. Das Bewusstsein in der Gesamtbevölkerung kann insbesondere durch diabetologische Zentren geschaffen werden. Letztendlich können durch all diese Maßnahmen Schäden vermieden und das Gesundheitssystem entlastet werden", so Clodi. Da dauerhafte Lebensstiländerungen für Erwachsene sehr schwierig umzusetzen seien, appelliert Prof. Dr. Peter Sziostronek, Leiter der Kardiologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz, für mehr Maßnahmen die bereits Kindern einen gesunden Lebensstil erlenen lassen.

Vorsorge spielt zentrale Rolle

Felix Hinterwirth, Obmann der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse, erläutert die aktuelle Präventionsstrategie und erklärt: "Bei der Prävention unterscheiden wir drei Dimensionen der Vorbeugung: das Vorbeugen des Eintritts einer Erkrankung, das Vorbeugen der Chronifizierung und Vorbeugen von Folgeschäden. In diesem Sinne setzen wir bei der Prävention verschiedenen Hebel an." Als größter Finanzier im Oberösterreichischen Gesundheitswesen trage die Gebietskrankenkasse eine wesentliche Verantwortung für den wirksamen und wirtschaftlichen Einsatz der Versicherten- und der Dienstgeberbeiträge. Daher achte man bei der Reform besonders darauf, dass alle Beteiligten das Dreieck aus soliden Finanzen, zufriedenen Patienten sowie optimalen Prozessen in der Gesundheitsversorgung gleichzeitig im Auge behalten. Die Bereitschaft zur Kooperation und die Offenheit für Innovationen seien dabei besonders wichtig. So hat die Oberösterreichische Gebietskrankenasse auch das Zielsteuerungssystem in die Diskussion eingebracht und in wesentlichen Zügen erarbeitet.
Von Seiten der Sozialversicherung bezog Mag. Peter McDonald, Obmann-Stellvertreter der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA), Stellung, wie die Herausforderung der Vermeidung chronischer Erkrankung bewältigt werden sollte und betont in seinem Statement, dass die Gesundheitsreform Prävention in den Mittelpunkt rücken und die Eigenverantwortung der Patienten stärken soll. Mit dem Programm "Selbständig gesund" wird selbständig Erwerbstätigen ein Anreiz geboten auf ihre Gesundheit zu achten: Bei der Erreichung von fünf individuell mit dem Arzt festgelegten Gesundheitszielen wird der Selbstbehalt halbiert. Sowohl in der Lebensqualität der Versicherten als auch in der Kostenentwicklung soll dieses Projekt wegweisend werden.
Die Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB) setzt mit dem "Gesundheitsdialog Diabetes" im Bereich Gesundheit und Vorsorge auf die Telemedizin. Dr. Harald Eckmann, Leiter des Vertrauensärztlichen Dienstes der GBZ Linz der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau, ist sicher, dadurch den Diabetikern und Risikopatienten den Umgang mit der Diagnose zu erleichtern und bei der notwendigen Lebensstiländerung zu unterstützen. Die zentrale Rolle im "Gesundheitsdialog Diabetes" spielt der Patient. Ärzte erhalten ein Kommunikationstool zur Förderung von Motivation und Therapietreue. Auf den täglichen Umgang mit den telemedizinischen Geräten und das Zusammenspiel der an der Therapie beteiligten Personen werden alle Akteure umfassend eingeschult.


Apotheker nehmen verstärkte Rolle in der Diabetikerversorgung ein

Mag. pharm. Thomas Veitschegger, Präsident der Oberösterreichischen Apothekerkammer, erläuterte das kurz vor der Einführung stehende Pilotprojekt. Ab Mitte Mai werden die Apotheker stärker in die integrierte Betreuung chronisch Kranker einbezogen. In einem interdisziplinär abgestimmten Pilotprojekt sollen in den Apotheken anhand von strukturierten Patientenfragebögen nicht diagnostizierte Diabetiker und Risikopatienten frühzeitig erkannt werden und damit das bereits bestehende, erfolgreiche Therapieprogramm "Therapie Aktiv" der Gebietskrankenkassen und Ärzte weiter unterstützt werden. "Die Apotheken bieten flächendeckend einen niederschwelligen Zugang und hochqualifiziertes Personal. Durch unsere Einbindung in das Programm leisten auch wir einen Beitrag zur Früherkennung wobei die Beratung durch den Apotheker immer in Abstimmung mit dem Arzt durchgeführt wird", betont Veitschegger.

Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer zeigte sich nach dem Aktionstag Gesundheit Oberösterreich 2012 Diabetes & Herz-Kreislauf zufrieden: "Ziel der Veranstaltung war es, für ein besseres Verständnis für die Erkrankung zu schaffen sowie Betroffenen und Interessierten Auskünfte und Tipps zum Umgang mit der Erkrankung zu bieten. Dass dieses Vorhaben aufgegangen ist, bestätigen die Besucherzahlen des Aktionstages Gesundheit Oberösterreich 2012 eindrucksvoll."

Welldone/IS, springermedizin.at

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