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Foto: Meduni Graz
Prof. Dr. Hellmut Samonigg, Abteilungsleiter, Klinische Abteilung für Onkologie, Universitäre Palliativmedizinische Einrichtung, MedUni Graz
 
Gesundheitspolitik 24. April 2012

Keine Chance gegen Tumor

Ich kann mit den Grundüberlegungen der Homöopathie, soweit ich sie kenne, als klassisch ausgebildeter Arzt und Forscher wenig anfangen. Vor allem im Bereich der Onkologie ist es für mich schwer verständlich, was hier eine tumorspezifische Wirkung haben könnte. Die Ähnlichkeitsregel besagt, dass Ähnliches mit Ähnlichem geheilt werden soll. Auf die Krebserkrankung umgelegt, komme ich da schon in ein Dilemma, wenn ich versuchen muss, Symptome einer Krebserkrankung auszulösen, um damit dann behandeln zu können.

Ich bin bisher aber auch nie auf Patienten oder Homöopathen getroffen, die versucht hätten, mit homöopathischen Mitteln gegen Krebs vorzugehen. Im Gegensatz zu vielen anderen sogenannten komplementären Methoden scheint man hier doch sehr klar erkannt zu haben, dass gegen einen Tumor mit dieser Form der Behandlung nichts auszurichten ist. Die allermeisten Homöopathen erheben hier keinen Anspruch, und das ist auch gut so.

Ein anderes Thema ist die Symptomkontrolle, dies bei Symptomen, die durch den Tumor bedingt sind oder aber durch unsere Behandlung: so etwa bei Fatigue-Syndrom, bei Übelkeit oder Appetitlosigkeit, wo ich persönlich durchaus respektiere, wenn sich Patienten die Unterstützung eines Homöopathen holen. Inwiefern das über die Placebo-Schiene oder tatsächlich wirkt, ist für mich nicht beurteilbar und in diesem Fall auch nicht relevant. Es geht in dieser Phase oft auch darum, einen Patienten einfach zu unterstützen und alles, was hier nicht schadet und dem Patienten hilft, kann nur von Nutzen sein. Den Patienten geht es oft darum, zusätzlich zur schulmedizinischen Behandlung von sich aus etwas ergänzend zu tun.

Als Wissenschaftler habe ich länger nicht verstanden, dass Methoden gar nicht wirken müssen, aber dennoch helfen können. Gerade im Stadium einer fortgeschrittenen Krebserkrankung geht es oft auch um symbolische Handlungen, die ernst genommen werden müssen.

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