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Foto: Konstantin Kirillov / photos.com
Flexibilität und Sonderregelungen bei den Apothekenöffnungszeiten sollen nun von einer „Task Force“ in der Wiener Apothekerkammer abgeklärt werden.
 
Gesundheitspolitik 16. April 2012

Apotheken-Öffnungszeiten: Wien ist anders

Die unterschiedlichen Apotheken-Öffnungszeiten in Österreich sorgen bei den Einen für Zufriedenheit, bei den Anderen – vor allem in Wien – für Diskussionen.

„Es klappt anscheinend überall, nur nicht in Wien“, sagt ein steirischer Apotheker über die konfliktreiche Situation in der Bundeshauptstadt rund um das Thema längere Samstag-Öffnungszeiten für Apotheken. Eine Lösung könnte sich aber schon bald abzeichnen. Vor wenigen Monaten noch war die Diskussion um eine mögliche Aufweichung der restriktiv fixierten Öffnungszeiten für Wiens 315 Apotheken, die an Samstagen um Punkt 12.00 Uhr sperren müssen, medial omnipräsent. Der „Standard“ etwa berichtete darüber, dass „mehrere unzufriedene Apotheker erwägen, dagegen vor Gericht zu ziehen“ und zeigte Beispiele von Apothekern auf, die seit Jahren unbehelligt gegen die geltenden Regelungen offen halten. Von bereits erfolgten Anzeigen war die Rede, ebenso von Disziplinarverfahren seitens der Kammer gegen aufbegehrende Apotheker.

 

Inzwischen ist es wieder ruhig geworden. Manche meinen auch: verdächtig ruhig. Und tatsächlich: Rechercheversuche bei den „Lautstarken“ von damals verlaufen jetzt „ergebnislos“. Apotheker, die noch im Sommer 2011 Klagen gegen die restriktive Lösung in Wien angekündigt hatten, haben sich offenbar selbst einen „Maulkorb“ verpasst.

Mag. Uwe Schehl etwa, der die Apotheke zur Kaiserkrone in Wiens größter Einkaufsstraße betreibt und genau dann zusperren muss, wenn sich die Käuferströme am dichtesten durch die Mariahilfer Straße drängen, hatte in diesem Zusammenhang mehr Flexibilität und Sonderregelungen verlangt, andernfalls juristische Kampfmaßnahmen angekündigt. Heute will Schehl in dieser Angelegenheit „nichts mehr sagen“ und verweist höflich auf die „zuständigen Stellen in der Wiener Ärztekammer“, die in dieser Angelegenheit jetzt am Ball wären.

„Task Force“ sucht eine Lösung

Eine eigens eingerichtete „Task Force“ der Österreichischen Apothekerkammer, Landesgeschäftsstelle Wien, soll das Thema weiter abklären. Diese ist jetzt darum bemüht, die unterschiedlichen Ansichten der Kammermitglieder zu diesem Thema auf einen „gemeinsamen Nenner“ zu bringen. „Wir arbeiten an einem Konzept, das den unterschiedlichen Anforderungen unserer Mitglieder gerecht wird und entsprechend unterschiedliche Lösungen ermöglicht“, berichtet Mag. Heinz Kadlez, Leiter der Arbeitsgruppe. Der Entwurf für das Konzept sei bereits abgestimmt, was jetzt noch fehle seien Detailverhandlungen – etwa über rechtliche und kollektivvertragliche Fragestellungen. Kadlez geht aber davon aus, dass es auch hier bald zu gemeinsamen Lösungen kommen wird, unter anderem mit dem Verband Angestellter Apotheker Österreichs (VAAÖ). Bis Ende des Jahres soll das Konzept endgültig stehen.

Eine von allen akzeptierte Mehrheitsmeinung zu erreichen, halten viele Beobachter aber nach wie vor für ein ambitioniertes Ziel. Zu unterschiedlich seien die Anforderungen und geschäftlichen Rahmenbedingungen – etwa zwischen den großen Apotheken im Stadtzentrum oder den stark frequentierten Einkaufszentren und den kleinen Mitbewerbern am Stadtrand, die sich eine Ausweitung ihrer Öffnungszeiten kaufmännisch gar nicht leisten könnten und dafür auch keinerlei Bedarf sehen. Insgesamt, so glauben Marktkenner, würde jedenfalls die Zahl der Gegner des offenen Samstagnachmittags überwiegen, auch deshalb, weil Wien bei den Bereitschaftsdiensten mit bis zu 36 offenen Apotheken in der Nacht und am Wochenende europaweit Vorbildcharakter habe. Ein Argument, das auch der VVAAÖ in seinem Bestreben gegen eine Aufweichung der derzeitigen Regelungen gerne bemüht. Mag. Raimund Podroschko, Vizepräsident des VAAÖ, sieht keinerlei Diskussionsbedarf. Durch längere Samstag-Öffnungszeiten würden nur jene profitieren, meint Podroschko, deren Lage ohnehin schon vorteilhaft ist. „Die Schere zu benachteiligten Standorten geht dann noch weiter auf, das können wir in einem gesundheitlichen Solidarsystem, in dem alle die gleichen Versorgungspflichten haben, nicht akzeptieren.“

Im Unterschied zu anderen Bundesländern verfüge Wien nicht nur über eine höhere Apothekendichte, argumentiert Podroschko, sondern auch über eine wesentlich höhere Anzahl an Apotheken, die täglich und auch nachts ihren Bereitschaftsdienst versehen: „Für viele kleine Apotheken sind diese Dienste bereits jetzt ein Minusgeschäft. Im Falle eines Offenhaltens einer in der Nähe liegenden großen Apotheke würde diese Diskrepanz noch extremer ausfallen.“

Anderswo ist alles anders

Mit Verwunderung reagieren Kollegen aus den Bundesländern auf die Wiener Querelen. Und sie sind bemüht, keinesfalls in die „Schusslinie“ zu geraten, sodass etwa ein befragter Apotheker aus der Steiermark darum bittet, nicht namentlich genannt zu werden, wenn er über seine eigenen Erfahrungen und Meinungen spricht, denn immerhin sei die Situation in Wien „angespannt und heikel“. Worüber in Wien noch heftig gestritten wird, ist in anderen Bundesländern längst Realität – mit der alle Betroffenen gut leben können.

In Salzburg zum Beispiel haben Apotheken in Einkaufszentren schon seit zehn Jahren an Samstagnachmittagen die Möglichkeit offen zu halten, wenn sie das möchten. Das wurde damals ganz unbürokratisch zwischen Kammer und Bürgermeister geregelt. Eine der Apotheken, die von dieser Möglichkeit Gebrauch macht, ist die Theresienapotheke Europapark. Laut Mag. Beatrix Schwaiger, der interimistischen Leiterin der Apotheke, werden die Samstagnachmittage von den Kunden „super angenommen“. Im Einkaufszentrum müsse man sich an die anderen Geschäfte angleichen, sagt Schwaiger, das sei allein schon ein Gebot der Kundenorientierung. Die Theresienapotheke habe deshalb auch täglich mittags geöffnet.

Die längeren Öffnungszeiten wirken sich zudem auch kaufmännisch positiv aus. Neben den Kunden und Inhabern seien aber auch die Angestellten, zum überwiegenden Teil Frauen, Nutznießer davon, berichtet Schwaiger über eine hohe Akzeptanz unter den Angestellten. Die Samstag-Arbeitszeiten seien nämlich nicht nur finanziell besonders interessant, sondern auch aus Sicht der Kinderbetreuung für viele Mütter einfacher zu organisieren, weil die Väter einspringen könnten.

Ganz anders stellt sich die Situation in der niederösterreichischen Shopping City Süd (SCS) dar. Mag. Kinga Tanszos, Betreiberin einer der beiden SCS-Apotheken, sperrt – abgesehen von den Weihnachtseinkaufssamstagen und den Samstagen, an welchen ohnehin Bereitschaftsdienst besteht – um 13.00 Uhr zu. „Wir haben an den Samstagen, an denen länger geöffnet war, die Erfahrung gemacht, dass uns durch das Zusperren kaum Frequenz bzw. Geschäft verloren geht. Daher stellt sich die Frage einer Ausweitung für uns nicht“, zeigt sich Tanszos mit dem Status quo durchaus zufrieden.

Ob das neue Konzept für Wien eine Entspannung der Lage bringt, wird sich Ende des Jahres zeigen.

Von P. Eck, Apotheker Plus 3/2012

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