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Foto: istockphoto.com / Ärzte-Woche-Montage
 
Gesundheitspolitik 3. April 2012

Viele und doch zu wenige?

Österreich hat eine der höchsten medizinischen Versorgungsdichten. Die Ärztevertretung warnt trotzdem vehement vor einem drohenden Ärztemangel – zu Recht?

Mit Jahresende 2010 waren in Österreich exakt 40.103 Ärzte berufsberechtigt, ein neuer Rekordstand. Im Vergleich zu 1970 mit 12.438 Medizinern ist das ein Zuwachs von 222 Prozent. Die Einwohnerzahl Österreichs nahm in diesen 40 Jahren nur um zwölf Prozent zu. Zwischen den Bundesländern gibt es dabei deutliche Unterschiede. Bezogen auf die Jahre 2000 bis 2010, war der Anstieg in Niederösterreich mit 43 Prozent am höchsten, in Wien mit 21 Prozent am geringsten.

Insgesamt erreicht somit die medizinische Versorgungsdichte heute einen internationalen Spitzenwert. Mit 3,9 Allgemeinmedizinern und Fachärzten pro 1.000 Einwohner liegt Österreich um ein Drittel über dem Durchschnitt der EU-15-Länder. Trotz dieser positiven Zahlen warnt die Ärztekammer immer wieder vor einem drohenden Mangel an Jungärzten.

In diesen Zahlen kämen die 2005 geschaffenen Zugangsbeschränkungen zum Medizinstudium noch nicht zum Tragen, argumentiert Ärztekammer-Präsident Walter Dorner. Zudem würden wegen langer Turnus-Wartezeiten viele junge Ärzte ins Ausland abwandern und dort ihre Ausbildung vollenden. Vor allem für Landpraxen fänden sich immer weniger Nachfolger.

Dorner fordert zusätzliche Förderungen von Land und Bund für die Landärzte. Der Hauptverband widerspricht: Das Interesse am Medizinstudium sei generell höher als je zuvor, Nachfolger-Probleme bei Landpraxen gebe es höchstens in Einzelfällen.

Reisner_  Kdolsky_  Hutter_ 

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
Vergleiche sind zu banal
„Es mag sein, dass wir momentan
noch genügend Ärzte haben, aber die
Zeiten werden bald vorbei sein.“
Dr. Christoph Reisner
Präsident der Ärztekammer NÖ
> Standpunkt lesen

Standpunkt 2
Zu viele oder zu wenige Ärzte
„Um die Versorgung am Land zu
garantieren, wird man neue Formen
der ärztlichen Zusammenarbeit
brauchen.“
Dr. Andrea Kdolsky
PwC Österreich, Director, Healthcare Services & Pharmaceuticals,
Bundesministerin a.D.
> Standpunkt lesen

Standpunkt 3
Lebensmodell Arzt muss attraktiv
bleiben
„Bei geeigneten Rahmenbedingungen
geht es nicht nur um Geld,
sondern vor allem um Soft Facts.“
Gerhard Hutter
Obmann der NÖ Gebietskrankenkasse
> Standpunkt lesen

Von V. Weilguni, Ärzte Woche 14 /2012

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