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Gesundheitspolitik 1. März 2012

Potentiell inadäquate Medikation bei geriatrischen Patienten: Die Österreichische PIM-Liste

HINTERGRUND: Bei geriatrischen Patienten stellen inadäquate Medikamentenverordnungen einen wichtigen Risikofaktor für unerwünschte Arzneimittelereignisse dar. Sie führen in diesem Zusammenhang zu einer Zunahme von Spitalszuweisungen, welche die Gesundheitskosten belasten. Die Entwicklung Konsensus-basierter Listen von Medikamenten, die bei geriatrischen Patienten im Allgemeinen vermieden werden sollten, wird als eine mögliche Strategie angesehen, um die Qualität der medikamentösen Behandlung zu steigern. ZIEL: Erstellung einer, den österreichischen Verschreibungsgewohnheiten und der Marktsituation angepassten, Konsensus-basierten Liste von Arzneimitteln, deren Verordnung potentiell inadäquat für geriatrische Patienten ist, und die deshalb vermieden werden sollten. METHODE: Als Evaluierungsmethode wurde ein zwei-stufiger Delphi Prozess gewählt, an dem acht Experten mit Erfahrung in der medikamentösen Therapie geriatrischer Patienten teilnahmen. In der ersten Runde bewerteten die Experten Medikamente einer vorgegebenen Liste anhand einer 5-stufigen Likert Skala von sicher potentiell unangemessen bis sicher nicht potentiell unangemessen. Alle Medikamente, für deren Bewertung die obere Grenze des 95 % Konfidenzintervalls unter 3,0 lag, wurden als potentiell unangemessen klassifiziert. Medikamente, deren 95 % KI den Wert 3,0 umschloss, wurden in der zweiten Runde wieder anhand einer 5-stufigen Likert Skala bewertet, ebenso wie die in der ersten Runde neu vorgeschlagenen Medikamente. Nach Analyse der Ergebnisse der zweiten Runde wurde die finale Liste erstellt. RESULTATE: Von den vorgegebenen 102 Medikamenten wurden 61 Medikamente (59,2 %) bereits in der ersten Runde als potentiell unangemessen für ältere Menschen eingestuft. Sechs Medikamente, die in der zweiten Runde erneut evaluiert wurden, und sechs in der ersten Runde neu vorgeschlagene Medikamente wurden in der zweiten Runde als potentiell inadäquat klassifiziert. Die finale Liste enthält 73 Arzneimittel, die aufgrund eines ungünstigen Nutzen/Risiko Profils oder aufgrund fraglicher Wirksamkeit bei geriatrischen Patienten nicht verordnet werden sollten. SCHLUSSFOLGERUNG: Die Österreichische PIM Liste kann für klinisch tätige Ärzte ein in der Praxis anwendbares Instrument darstellen, das zu einer Verbesserung der Qualität von Medikamentenverordnungen bei älteren Patienten beiträgt. Studien zur Validierung der PIM-Liste stehen in Österreich ebenso wie in anderen Ländern mit bereits veröffentlichten PIM-Listen noch aus.

Eva Mann, Birgit Böhmdorfer, Thomas Frühwald, Regina E. Roller-Wirnsberger, Peter Dovjak, Christine Dückelmann-Hofer, Peter Fischer, Susanne Rabady, Bernhard Iglseder, Wiener klinische Wochenschrift 5/6/2012

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