zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 31. März 2012

Vorratsdatenspeicherung: Massiver Eingriff

Am 1. April tritt die Vorratsdatenspeicherung in Kraft. Walter Dorner, Präsident der Österreichischen Ärztekammer befürchtet eine Gefährdung des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient, aber auch eine Unterminierung des ärztlichen Berufsgeheimnisses. Es müsse für das Gesundheitswesen klar definierte Ausnahmen geben, forderte der Kammerchef am Freitag in einer Aussendung.

Hochsensible Daten

"Die Vorratsdatenspeicherung bedeutet einen massiven Eingriff in die Privatsphäre. Unbescholtene Bürgerinnen und Bürger werden unter Generalverdacht gestellt", kritisierte Dorner. Zwar würden derzeit noch keine Inhalte von e-Mails oder Telefonaten gespeichert, aber "anhand einer e-Mail-Adresse kann man ja bereits Rückschlüsse auf den Inhalt ziehen, etwa, wenn sich jemand an die Anonymen Alkoholiker wendet", so Dorner.

Auch die Erstellung des Zeit-Weg-Profils könne unerwünschte Rückschlüsse zulassen. Dorner: "Mit Hilfe der Vorratsdatenspeicherung kann festgestellt werden, ob z.B. ein Patient beim Psychiater war. Hier werden hochsensible Daten gefährdet."

Gesundheitsdaten schützen

Die Gesundheitsdaten der Bevölkerung müssten unter allen Umständen geschützt werden, forderte der ÖÄK-Präsident. "Es kann nicht angehen, dass Patienten sich nicht mehr beim Arzt anzurufen trauen, weil sie wissen, dass der Anruf registriert wird. Patienten sind in erster Linie Hilfsbedürftige. Sie dürfen nicht wie Kriminelle behandelt werden", appellierte Dorner an die Politik, Ausnahmen für das Gesundheitswesen zuzulassen.

Erfreut zeigte sich der Ärztechef darüber, dass mittlerweile eine breite öffentliche Diskussion zu dem Thema stattfinde - "nur leider etwas zu spät", so Dorner abschließend.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben