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Gesundheitspolitik 25. März 2012

Schlechte Arbeitsbedingungen im Wahl-Fokus

Neben den Themen ELGA, Ärztemangel und -ausbildung wird im Rahmen der Ärztekammerwahlen in den Bundesländern auch intensiv über die dramatisch sinkende Zufriedenheit unter Spitalsärzten diskutiert.

Während die ersten Landeskammerwahlen in Tirol und Niederösterreich geschlagen sind, bereiten sich andere Länder noch auf den großen Wahltag vor. Innerhalb von vier Tagen wählen Ende März das Burgenland, die Steiermark, Kärnten und Vorarlberg.

 

Im Burgenland wählen die knapp über 1.000 wahlberechtigten Ärzte am 28. März, erstmals sind dabei 31 – statt wie bisher 26 – Mandate zu vergeben. Die Aufstockung löste aufgrund der zusätzlichen Kosten im Vorfeld einige Diskussionen aus. Der amtierende Präsident der Ärztekammer für Burgenland, Dr. Michael Lang, sieht darin aber eine „sinnvolle Investition in eine bessere demokratische Vertretung“ und verweist in diesem Zusammenhang auf die geografische Ausdehnung des Landes, die weiten Entfernungen zwischen den Krankenhäusern und die Zunahme der Ärzteschaft insgesamt.

Lang tritt wieder als Spitzenkandidat der „Liste angestellter Ärzte und Spitalsärzte“ an und will die klare Mandatsmehrheit noch weiter ausbauen, weil „wir die einzige wahlwerbende Gruppe sind, die wirklich parteipolitisch unabhängig ist.“ Auch was seine persönliche Wiederwahl zum Präsidenten betrifft, zeigt sich Lang zuversichtlich. Er sieht sich als „Anwalt aller burgenländischen Ärzte“ und möchte auch weiterhin eine „aktive kommunikative Vertretung beider Kurien“ gegenüber Arbeitgebern und Kassen sicherstellen: „Wir haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass wir für beide Kurien gute Arbeit geleistet haben und dabei ein hohes Maß an Zusammenarbeit sowie ein solides Vertrauensverhältnis aufbauen konnten.“

Themen, die Lang abgesehen von seinem Kampf gegen ELGA – „kostet viel Geld, verschleudert wertvolle Ressourcen, bringt nichts!“ – besonders am Herzen liegen, sind unter anderem die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Möglichkeiten von Medizinerinnen in Krankenhäusern sowie ein Ausbau von Gruppenpraxen unter fairen Bedingungen im niedergelassenen Bereich. Konkret will sich Lang für bessere und flexiblere Angebote für Frauen einsetzen, speziell für Frauen, die nach der Karenz wieder in den Beruf zurück wollen. Hier gäbe es großen Handlungsbedarf etwa bei der Etablierung von Teilzeitlösungen oder der Einrichtung von Kinderbetreuungsplätzen. Den Ausbau von Gruppenpraxen befürwortet der Präsident zwar im Sinne einer verbesserten Patientenversorgung, fordert aber dafür auch entsprechende finanzielle Abgeltungen für die zu erbringenden Zusatzleistungen. Hier gäbe es bisher ein „großes Blockieren seitens der Gebietskrankenkasse.“

Steiermark

Am 29. März wählen 5.629 steirische Ärzte 41 Mandate. Fünf Listen stehen zur Wahl, die allesamt schon jetzt in der Vollversammlung vertreten sind: Neben den beiden bisher mandatsstärksten Gruppen „Die Vereinigung steirischer Ärzte“ – der amtierende Präsident Dr. Wolfgang Routil tritt als Spitzenkandidat an – und der „Interessensgemeinschaft Angestellter Ärzte/Niedergelassene Ärzte“ bewerben sich die „Aktion Freier Arzt – Liste Meister/Stryeck“, der „Verein für Wahlärzte und Spitalsärzte – Liste Millauer/Wehrschütz“ und die „Liste angestellte Ärzte in der Sozialversicherung“.

Vorrangige gesundheitspolitische Themen in der Steiermark sind vor allem der Disput mit der KAGes rund um den Regionalen Strukturplan Gesundheit und die damit verbundenen Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern und Unikliniken, die Rolle der Krankenkassen im Gesundheitssystem, die Entwicklung der Kassenverträge sowie die universitäre und postpromotionelle Ausbildung der Mediziner.

Kärnten

In Kärnten sind am 30. März 40 Mandate (25 + 15) zu vergeben, 2.400 Ärzte sind zur Wahl aufgerufen. Im Vergleich zu den Wahlen 2007 haben sich die wahlwerbenden Gruppen aufgrund von neu entstandenen Koalitionen oder Neugründungen stark verändert, sodass der Ausgang offen ist. Auch der amtierende Präsident Dr. Othmar Haas tritt an der Spitze einer neu formierten Gruppierung an.

Zentrales Thema in Kärnten sind seit geraumer Zeit die schwierigen Arbeitsbedingungen der Spitalsärzte und die damit verbundenen Auseinandersetzungen zwischen Ärztekammer und Spitalserhalter Kabeg. Die restriktive Personalpolitik der Kabeg habe dazu geführt, sagt Kammeramtsdirektor Dr. Bernd Adlassnig, dass Kärnten heute österreichweit die „geringste Dichte an Spitalsärzten pro Spitalsbett aufweist“. Zusätzlich würden kontinuierlich Turnusstellen eingespart, was schon bald zu einem Ärztemangel bei Allgemeinärzten führen könnte und zudem die Arbeitsbedingungen in den Spitälern weiter verschärfen würde. Adlassnig verweist in diesem Zusammenhang auf eine Umfrage zur Arbeitszufriedenheit unter Kärntner Spitalsärzten. Darin geben fast 50 Prozent der Befragten an, Oberarzt-, Assistenz- und Turnusarztstellen würden nur auf massiven Druck oder gar nicht nachbesetzt. Alarmierend ist auch, wie belastend die Ärzte ihre Arbeit empfinden. 16 Prozent bewerten die Wahrscheinlichkeit, dass sie bei Beibehaltung der Dienstpläne ein Burnout bekommen, mit 81 Prozent oder höher. Bei sechs Prozent der Befragten ist von einem bereits eingetretenen oder unmittelbar bevorstehenden Überlastungssyndrom zu sprechen. 44 Prozent erwarten, dass es innerhalb der nächsten fünf Jahre eintritt.

Als akute Gegenmaßnahme hat die Ärztekammer ein „Sechs-Punkte-Forderungsprogramm gegen den Ärzte-Frust“ formuliert:

  1. Angemessenes Gehalt auch ohne übermäßige zeitliche Belastung
  2. Altersangepasste Arbeitszeitregelungen, Arbeitszeitmodelle für Ärzte ab 50
  3. Verbesserung der Turnusausbildung
  4. Personalpläne, die ein gesetzeskonformes Arbeiten ermöglichen
  5. Einführung medizinischer Dokumentare zur Entlastung der Ärzte
  6. Beteiligung an gesundheitspolitischen und betrieblichen Entscheidungen

Vorarlberg

Am letzten Märztag wählt Vorarlberg. 28 Mandate (16 + 12) stehen zur Wahl. Die Besonderheit im Ländle: den 1.336 Wählern fehlt diesmal jede Alternative, da sich nur eine einzige Gruppe der Wahl stellt, die „Gemeinschaftsliste Initiative für Ärztinnen und Ärzte in Vorarlberg“ mit dem amtierenden Präsidenten Dr. Michael Jonas als Spitzenkandidat.

Mit der Einigung auf eine Gemeinschaftsliste will die Ärztekammer für Vorarlberg „Geschlossenheit in turbulenten Zeiten“ demonstrieren, sagt Jonas: „Eine Gemeinschaftsliste dient zwar nie dazu, eine möglichst hohe Wahlbeteiligung zu erzielen, aber gerade in Zeiten wie diesen ist sie ein deutliches Signal der Geschlossenheit innerhalb unseres Berufsstandes. Nichtsdestotrotz hoffen wir auf eine möglichst breite Legitimation durch eine ansehnliche Wahlbeteiligung.“

Von V. Weilguni , Ärzte Woche 12 /2012

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