zur Navigation zum Inhalt
57 Prozent der Jungärzte sind mit den Arbeitszeiten unzufrieden.
 
Gesundheitspolitik 13. März 2012

Jungärzte-Studie: Fast ein Drittel würde anderen Beruf wählen

Nur 10 Prozent der Arbeitszeit von Jungärzten entfällt auf die effektive ärztliche Ausbildung. Das Ergab eine aktuelle Studie der Österreichischen Gesellschaft für Marketing (OGM). Die befragten Mediziner gaben außerdem an 37 Prozent ihrer Zeit  mit der Betreuung und Behandlung von Patienten zu verbringen und 42 Prozent gingen für Patientendokumentation, Administration und bürokratische Tätigkeiten auf.

Mit Arbeitszeiten unzufrieden

57 Prozent der Jungärzte sind mit den Arbeitszeiten unzufrieden. Das betrifft vor allem die Anzahl der Arbeitsstunden (60 Prozent gaben an, im wöchentlichen Durchschnitt mehr als 60 Stunden zu arbeiten), aber auch die Struktur und die Verteilung der Arbeitszeiten (mehr als die Hälfte hat zwei Nachtdienste pro Woche, und dazu noch zwei Wochenenddienste pro Monat).

"Für viele Kolleginnen und Kollegen in Ausbildung machen diese Überstunden, Nacht- und Wochenenddienste einen notwendigen Teil ihres Gehalts aus, doch damit gehen auch gesundheitliche Risiken einher, und das bereits in jungen Jahren", gibt Ärztekammerpräsident Walter Dorner zu bedenken.

Fast ein Drittel würde anderen Beruf wählen

Immerhin: 60 Prozent der Jungärzte sind trotz aller angesprochenen Mängel mehr oder weniger zuversichtlich, ihr angestrebtes ärztliches Karriereziel zu erreichen. Alarmierend ist aber der Befund bei jenen, die an eine erfolgreiche ärztliche Karriere nicht so recht glauben:

Sie gaben in der Befragung an, dass sie aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen nicht wieder den medizinischen Ausbildungsweg eingeschlagen hätten, sondern heute eine andere Ausbildung und einen anderen Berufsweg einschlagen würden. Das sind immerhin 30 Prozent aller befragten Wiener Jungärzte.

Hierarchische Strukturen

Stephanie Plefka, eine betroffene Turnusärztin, sieht einen möglichen Grund dafür in den hierarchischen Organisationsstrukturen, welche in den meisten Krankenhäusern noch immer vorherrschten. "Es werden einem als junge Ärztin oft Steine in den Weg gelegt, die es neben den langen Arbeitszeiten und der massiven Administration nicht unbedingt leicht machen, mit der gewünschten medizinische Karriere Erfolg zu haben", führt Plefka aus.

Nichtsdestotrotz würde sie jederzeit wieder den Beruf der Ärztin ergreifen. "Ich sehe die Arbeit mehr als Berufung, denn als Beruf. Und mir macht das Arbeiten mit Menschen, trotz der vielleicht oft schwierigen Umstände, Spaß."

Gender und Gleichbehandlung

Überwiegend zufrieden sind die Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung mit dem Arbeitsklima und der Kollegialität an ihrer Abteilung, weniger jedoch mit Führung, Aufgaben/Arbeitszielen sowie Leistungsbeurteilung und Feedback. Das liegt vor allem daran, dass zwei von drei Jungärzten angeben, überwiegend mit Aufgaben betraut zu werden, die ihren ärztlichen Ausbildungszielen nur wenig entsprechen.

Am positivsten von allen abgefragten Bereichen der Arbeitszufriedenheit wird noch das Thema Gender und Gleichbehandlung gesehen. Weibliche Ärzte werden gleich wie ihre männlichen Kollegen behandelt und ausgebildet, so die mehrheitliche Meinung auch bei den weiblichen Jungärzten.

Plefka: "Ob Ärztin oder Arzt - wir müssen als Turnusärzte alle gleich viel arbeiten und leisten und haben damit auch die gleichen Qualifikationen." Doch mit Ende der Ausbildung ändere sich diese Gleichstellung schlagartig. "Im ärztlichen Beruf herrschen leider immer noch ungleiche Karrierechancen für Frauen und Männer vor", weiß Plefka aus ihrer hochschulpolitischen Tätigkeit als ehemalige Gleichbehandlungsreferentin der ÖH Medizin Wien zu berichten.

 Die OGM Jungärzte-Befragung

 Beauftragt wurde die Studie zur Arbeitszufriedenheit der Wiener Ärzteschaft von der Ärztekammer.

Dazu wurde im Februar 2012 ein Fragebogen an alle Wiener Ärztinnen und Ärzte versendet (insgesamt in etwa 12.000 Ärztinnen und Ärzte).

Der Rücklauf war mit 1813 ausgefüllten Fragebögen beachtlich. Die Basis für die wichtigsten Ergebnisse für die Jungärzte in Ausbildung bildeten 374 Interviews.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben