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Gesundheitspolitik 12. März 2012

Ärztemangel trotz Medizinerschwemme?

Um 222 Prozent mehr Ärzte als 1970: In Österreich gibt es mehr Ärzte denn je, dennoch warnt die Ärztekammer immer wieder vor Nachwuchsmangel. Vor allem für Landpraxen fänden sich immer weniger Nachfolger. Beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger zeigt man für diese Klage wenig Verständnis.

Ein Blick auf die von der Kammer an die Statistik Austria gelieferten Daten weist für das Jahresende 2010 den Rekordstand von exakt 40.103 berufsberechtigten Ärztinnen und Ärzten in Österreich aus. Im Vergleich zu 1970, als nur 12.438 fertige Mediziner gezählt wurden, ist das ein Zuwachs von 222 Prozent. Die Einwohnerzahl Österreichs nahm in diesen 40 Jahren nur um zwölf Prozent zu.

Zwischen den Bundesländern gibt es deutliche Unterschiede. Bezogen auf die Jahre 2000 bis 2010 war der Anstieg in Niederösterreich mit 42,7 Prozent am höchsten. Jeweils rund 39 Prozent im Plus lagen Oberösterreich, Salzburg und Tirol. Den niedrigsten Zuwachs mit auch noch 21,4 Prozent verzeichnete Wien. Österreichweit nahm die Ärztezahl in diesen zehn Jahren um 31,1 Prozent zu.

Auch im internationalen Vergleich erreicht die Versorgungsdichte Österreichs Spitzenwerte. 3,9 Allgemeinmediziner und Fachärzte pro 1.000 Einwohner (Datenbasis: 2009) gibt es laut den vom Institut für Höhere Studien (IHS) ausgewerteten Daten sonst in keinem der 23 untersuchten europäischen Länder und auch nicht in den USA. Österreich liegt hier um ein Drittel über dem Durchschnitt der EU-15-Länder.

Für Ärztekammer-Präsident Walter Dorner ist all dies auf die Zeiten vor den 2005 geschaffenen Zugangsbeschränkungen zum Medizinstudium zurückzuführen. Er befürchtet einen Rückgang bei den Absolventenzahlen (den man an der Medizin-Uni in Wien bisher noch nicht registriert hat, Anm.), dann drohe ein Mangel an Jungärzten, sagte er auf APA-Anfrage. Derzeit wiederum würden wegen langer Turnus-Wartezeiten viele junge Ärzte ins Ausland abwandern und dort ihre Ausbildung vollenden.

Dorner beharrt auch darauf, dass es trotz steigender Ärztequote für viele Landarztpraxen keine Nachfolger gibt. Es existierten zu wenige Förderungen von Land und Bund für die Landärzte. Sie müssten oft die Lehrpraxis für die auszubildenden Jungärzte selbst finanzieren, begründete auch Martin Andreas, Wiener Ärztekammerreferent für arbeitslose Ärzte und Jungmediziner, den Mangel.

Hauptverbands-Chef Hans Jörg Schelling will all das nicht gelten lassen. Nachfolger-Probleme bei Landpraxen gebe es höchstens in Einzelfällen, generell sei das Interesse am Medizinstudium höher denn je, sagte er kürzlich am Rande einer Pressekonferenz.

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