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Gesundheitspolitik 8. März 2012

Unzufriedene Spitalsärzte

Vor allem Arbeitszeit und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten geben bei den Spitalsärzten Anlass zu Kritik, ergab eine im Jänner und Februar durchgeführte Umfrage des Instituts für Empirische Sozialforschung (IFES), die am Donnerstag ihm Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert wurde. Mit ihrer beruflichen Tätigkeit an sich sind die Spitalsärzte einverstanden.


Besonders unzufrieden


Lediglich 36 Prozent der Mediziner in den heimischen Krankenhäusern sind mit ihren Rahmenbedingungen wie Arbeitszeit, Infrastruktur und Organisation zufrieden. Explizit nicht zufrieden sind 31 Prozent, ein Drittel der Befragten gab teils/teils als Antwort. Vor allem unter den Fachärzten mit 28 Prozent und den in der allgemeinen Turnusausbildung befindlichen Jungmedizinern mit 29 Prozent ist ein besonders geringer Anteil mit den Arbeitsbedingungen zufrieden.


Arbeitsklima positiv


Noch weniger einverstanden sind die Spitalsärzte mit ihren Mitsprachemöglichkeiten - damit sind nur 26 Prozent zufrieden. Und auch ihre Bezahlung ist den Spitalsärzten häufig zu gering - damit zeigen sich 36 Prozent zufrieden. Mit den Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten in ihrem Krankenhaus können sich immerhin 46 Prozent anfreunden. Das Arbeitsklima beurteilen fast drei Viertel der Befragten (73 Prozent) als positiv.


Ebenfalls 73 Prozent der Spitalsärzte sind mit Art und Inhalt ihrer beruflichen Tätigkeit zufrieden, unter den Turnusärzten sind es allerdings nur 36 Prozent. Harald Mayer, Vizepräsident der Ärztekammer und Obmann der Angestellten Ärzte, führt dies darauf zurück, dass Turnusärzte oft das Gefühl haben, als Systemerhalter missbraucht zu werden.


Geringe Verbundenheit 


Noch höher als die allgemeine Zufriedenheit mit der Tätigkeit ist die Identifikation der Spitalsärzte mit ihrem Beruf. 94 Prozent geben an, sich mit ihrem Beruf verbunden zu fühlen. Mit ihrem Dienstgeber bzw. dem Krankenanstaltenverbund fühlen sich hingegen nur 29 Prozent verbunden. Für Mayer ist das Besorgnis erregend. Er verweist darauf, dass sich diese Unzufriedenheit quer durch alle Gruppen, von den Turnusärzten bis hin zu den Primarärzten zieht und "wenn sich nicht einmal ein Primar mit dem Dienstgeber identifizieren kann, für den er womöglich schon sein halbes Berufsleben lang tätig ist, dann liegt einiges im Argen."


Verbesserungen gefordert


Der Spitalsärzte-Chef verlangt, rasch die Konsequenzen zu ziehen, sonst würden Kündigungen und Abwanderungen junger Mediziner drohen, was wiederum eine qualitativ schlechtere Versorgung der Patienten zur Folge hätte. "Letzten Endes wirkt sich die Zufriedenheit eines Arztes immer auf den Patienten aus - ein guter, zufriedener Arzt kann sich mehr Zeit für seine Patienten nehmen und dafür sorgen, dass der Patient das Spital gesund und mit positiven Eindrücken verlässt." Mayer fordert, durchgehende Dienste auf 25 Stunden zu beschränken, administrative Aufgaben an Administrationsassistenten zu übertragen, das Mitspracherecht auf allen Ebenen zu fördern und den Beruf wieder attraktiver zu gestalten.

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