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Foto: Buenos Dias/photos.com
Die Überprüfung des PSA-Wertes allein gibt keine ausreichende Antwort auf die Frage, ob sich eine Krebserkrankung der Prostata unbemerkt entwickelt. Jeder Mann muss sich über die möglichen Konsequenzen im Klaren sein und selbst entscheiden.
 
Gesundheitspolitik 29. April 2009

Schwierige Entscheidungen

Positionspapier der Europäischen urologischen Vereinigung zur Prostatakrebs-Reihenuntersuchung.

Die European Association of Urology (EAU) hat die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus randomisierten Screening-Studien zu Prostatakrebs geprüft (Schröder et al, NEJM 2009). Auf der Grundlage der Ergebnisse der European Randomised Study for Screening of Prostate Cancer (ERSPC) hat die EAU ein Positionspapier zum Thema Prostatakrebs-Screening in Europa und die durch die Ärzteschaft und Gesundheitsbehörden zu ergreifenden Maßnahmen verfasst. Die EAU erwartet weitere Daten für die Klärung der uneindeutigen Situation über die Sinnhaftigkeit des PSA-Screenings.

 

Die Autoren der ERSPC-Studie berichten über eine Reduzierung der relativen Prostatakrebs-Sterblichkeit um mindestens 20 Prozent durch einen jährlichen PSA-Test an 162.000 asymptomatischen Männern im Alter zwischen 55 und 69 Jahren. Für jeden von Prostatakrebs verursachten Todesfall, der so verhindert werden konnte, mussten 1.410 Männer einem Screening unterzogen werden, während zusätzlich zu den Personen in der Kontrollgruppe noch 48 Patienten behandelt werden mussten, um einen Prostatakarzinom-Todesfall zu verhindern. Die Ergebnisse der amerikanischen randomisierten PLCO-Screening-Studie (Prostata, Lunge, Dickdarm und Eierstöcke) wurden in derselben Ausgabe des New England Journal of Medicine (Andriole et al, NEJM 2009) veröffentlicht und zeigten keinen signifikanten Effekt der Screening-Maßnahmen auf die Prostatakarzinom-Sterblichkeit, jedoch eine erhebliche Verwässerung im Kontrollarm. Die Studie wird fortgeführt.

Die EAU schließt sich den Schlussfolgerungen der ERSPC-Studie an und erkennt den Nutzen von Screening-Maßnahmen im Hinblick auf die Senkung der prostatakarzinombedingten Todesrate an, sieht jedoch auch die unerwünschten Wirkungen in Form von Überdiagnose und Übertherapie von Prostatakarzinomen, die erstmals im Rahmen einer randomisierten Screening-Studie quantifiziert werden konnten.

Differenzierte Stellungnahme der EAU

Zur Fortführung der Diskussion wird die Veröffentlichung weiterer relevanter Daten durch die Forschergruppe der ERSPC-Studie erwartet.Im Interesse der Gesundheit von Männern in Europa und anderen Teilen der Erde stellt die europäische Urologen-Vereinigung EAU wie folgt fest:

Prostatakrebs ist ein schwerwiegendes Gesundheitsproblem und einer der Hauptursachen für krebsbedingte Todesfälle bei Männern. Dennoch reichen die bisher veröffentlichten Daten aufgrund des großen Überbehandlungseffekts nicht aus, um eine Empfehlung zugunsten der Einführung eines flächendeckenden Screenings auf Prostatakarzinom als Früherkennungs-Maßnahme im Rahmen der öffentlichen Gesundheit auszusprechen. Vor der Einführung eines PSA-Screenings durch nationale Gesundheitsbehörden sollten der Anteil der in Eigeninitiative durchgeführten Tests, erfolgte Überdiagnosen, erfolgte Überbehandlung, die Lebensqualität der Patienten, die Kosten und das Kosten-Nutzen-Verhältnis berücksichtigt werden.

Überdiagnosen des Prostatakarzinoms bergen das Risiko erheblicher Übertherapie. Ärzte und insbesondere Urologen sollten Übertherapie vermeiden, indem sie unter Vermeidung invasiver Therapien sichere Verfahren zur Krebsüberwachung entwickeln. Invasive Therapien sollten auf die Bedürfnisse des Patienten und die jeweilige Prognose für den diagnostizierten Tumor zugeschnitten sein.

Die derzeitig verwendeten Screening-Verfahren sind aufgrund der mangelnden Spezifität und Selektivität für aggressive, therapiebedürftige Tumoren unzureichend. Zur Verbesserung des prognostischen Werts von Früherkennungsuntersuchungen ist es dringend erforderlich, dass neue diagnostische und prognostische Marker und bildgebende Verfahren entwickelt werden.

Individuelles Risiko bewerten, informierte Entscheidung treffen

Sofern das öffentliche Gesundheitssystem im Rahmen der Früherkennung keine PSA-Tests vorsieht, empfiehlt die EAU Männern, die die Durchführung eines PSA-Tests und einer Prostatabiopsie in Erwägung ziehen, sich über die Risiken und den Nutzen dieser Maßnahmen zu informieren und eine individuelle Risikobewertung vorzunehmen.

Die EAU und die ERSPC-Studiengruppe repräsentieren wesentliche europäische Interessengruppen bei der Weiterentwicklung von Strategien hinsichtlich der Früherkennung von Prostatakrebs.

Die EAU setzt sich in Kooperation mit dem europäischen Prostatakrebs-Selbsthilfeverband (UOMO) für eine Verbesserung der Versorgung von Prostatakrebspatienten in Europa ein. Zu diesem Zweck stellt sie relevante Informationen zur Verfügung und entwickelt entsprechende Leitlinien. Die EAU hat sich zum Ziel gesetzt, notwendige Forschungsarbeiten zur Entwicklung zuverlässiger Überwachungsprotokolle für Niedrigrisiko-Prostatakarzinome, prognostischer Marker und zielgerichteter Therapien zu unterstützen und zu fördern, um eine optimale Patientenversorgung zu erreichen.

 

Quelle: ots/PRNewswire

 

http://www.europa-uomo.org

http://www.uroweb.org

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