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Gesundheitspolitik 10. März 2012

Große Pläne, wenig Geld

Bis 2025 soll Alzheimerdemenz heilbar sein, nimmt sich die US-Regierung vor.

Wege zu finden, einer Alzheimerdemenz nicht nur vorzubeugen, sondern bereits Erkrankte auch erfolgreich zu behandeln, ist das oberste Ziel eines Entwurfs, an dem die amerikanische Regierung derzeit mit Wissenschaftlern arbeitet. Grundlage dafür ist ein Gesetz, das der US-Kongress bereits Ende 2010 ohne Gegenstimmen verabschiedet hat: der National Alzheimer‘s Project Act (NAPA).

 

Das Gesetz übertrug der Regierung die Aufgabe, einen strategischen Plan für den Kampf gegen Alzheimer aufzustellen. Die Aufgabe erweist sich als schwierig. Alzheimerexperten sind sich zum Beispiel nicht einig über die Formulierung einer zeitlichen Vorgabe. Manche finden, dass 2025 nicht ehrgeizig genug sei. „Ich werde mich dringend dafür einsetzen, dass wir schneller Ergebnisse anstreben. Für mich ist 2020 das zeitliche Ziel“, sagte George Vrandenburg, ein Mitglied des NAPA-Beratungsausschusses, der Tageszeitung USA Today. Andere halten dagegen, dass selbst 2025 unrealistisch sei. Dr. Sam Gandy, Alzheimer-Forscher an der Mount Sinai School of Medicine, bezweifelt, dass eine Zeitvorgabe sinnvoll ist: „Meines Erachtens provozieren wir damit die Wahrnehmung, gescheitert zu sein, wenn wir bis 2025 keine Heilung vorweisen können“, warnte Gandy in der Zeitung Chicago Tribune.

Alle sind sich jedoch einig, dass Alzheimer mit strategischen Mitteln begegnet werden müsse. Es wird geschätzt, dass in den Vereinigten Staaten derzeit über fünf Millionen Menschen an einer Demenz erkrankt sind.

Nach Kalkulationen von Experten kostete die Behandlung und Pflege dieser Patienten in den USA im vergangenen Jahr rund 183 Milliarden Dollar (etwa 128 Milliarden Euro). Bis 2050, so wird geschätzt, werden 16 Millionen US-Amerikaner erkrankt sein. Wenn Alzheimer bis dahin weiterhin weder verhindert, verzögert, noch geheilt werden kann, wird die Krankheit die Gesellschaft im Jahr 2050 etwa 1,1 Billionen US-Dollar (770 Milliarden Euro) kosten.

Alzheimer hat allerdings nicht nur finanzielle Folgen. Schon heute ist die Bürde der Krankheit für Familienmitglieder, die die Pflege der Kranken übernehmen, groß: Fast 15 Millionen Menschen widmeten demenzkranken Angehörigen oder Freunden im Jahr 2010 17 Milliarden unbezahlte Pflegestunden. Mehr als 60 Prozent dieser Menschen bezeichneten den emotionalen Stress durch die Pflege als „hoch“ oder „sehr hoch“. Ein Drittel der Pflegenden litt unter Anzeichen von Depression.

Ziel des Regierungsentwurfs ist es daher auch, Familienmitglieder von Alzheimerkranken zu schulen und sowohl physisch als auch psychisch zu unterstützen. Im Bundesstaat New York hat ein einschlägiges Programm dazu geführt, dass Demenzkranke länger zu Hause leben können, wenn ihre Angehörigen geschult und unterstützt wurden. „Solche Programme sind unglaublich billig, wenn man bedenkt, wie viel Geld an Pflegeheimkosten gespart wird“, sagte ein Vertreter der Gesundheitsverwaltung von New York der Huffington Post.

Die Vorteile der Programme mögen unbestritten sein. Doch ist die Finanzierung der Alzheimerforschung und weiterer Programme zur Unterstützung von Kranken und Angehörigen im derzeitigen politischen Klima der USA mit einem großen Fragezeichen versehen. Verglichen mit anderen Volkskrankheiten, hat die Alzheimerforschung bisher relativ wenig staatliche Förderung erhalten: weniger als 500 Millionen Dollar im Jahr 2011 (rund 350 Millionen Euro). Zum Vergleich: Die Krebsforschung erhielt sechs Milliarden US-Dollar (rund 4,2 Milliarden Euro) plus zusätzliche Mittel für einzelne Krebsarten. Von USA Today nach der finanziellen Ausstattung des Regierungsplans für Alzheimer befragt, antwortete der Vorsitzende des NAPA-Beratungsausschusses, Ron Petersen, diplomatisch: „Der Plan wird sich den finanziellen Realitäten anpassen müssen, denen wir uns alle derzeit zu stellen haben.“

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