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Gesundheitspolitik 6. März 2012

Ärztekammer: E-Medikation - Umfrage ist "Wunschvorstellung"

"Als realitätsfremde Wunschvorstellung" bezeichnet der Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart, die Ergebnisse der gestern, von GfK und Vertretern des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger präsentierten Umfrage, die der Ärzteschaft eine positive Haltung in Sachen E-Medikation attestiert.

Gegenargument Pilotphase

Die Ergebnisse einer Befragung von 200 Ärztinnen und Ärzten würden keinerlei Parallelen zur Praxis aufweisen: "Die uns vorliegenden Zahlen aus der Pilotphase der E-Medikation sprechen eine andere - und deutliche - Sprache", so Steinhart. Von geplanten 250 Medizinern hätten bekanntlich nur etwas mehr als 80 beim Pilotprojekt E-Medikation mitgemacht. "Von einer positiven Einstellung der Ärzteschaft kann hier wohl kaum die Rede sein", betont der Kurienobmann.

Geringes Patienteninteresse

Auch das bescheidene Interesse der Patienten am Pilotprojekt zeigt Steinhart zufolge deutlich, dass der Hauptverband mit seiner Einschätzung, wonach die Patienten eine hohe Erwartung an die Medikamentenerfassung hätten, weit daneben liege.

"Ich darf die Herrschaften vom Hauptverband daran erinnern, dass sie in den E-Medikations-Pilotregionen 50.000 mitwirkende Patienten angestrebt haben. Bei 8000 unterzeichneten Einverständniserklärungen dürften die Erwartungen der Patienten wohl kaum so hoch gewesen sein, wie behauptet."

Ärztekammer blockt nicht

Amüsiert zeigt sich der Vizepräsident auch darüber, dass der Hauptverband die Ärztekammer in Sachen E-Medikation gerne als "Verhinderin" anprangert: "Die Ärztekammer war nicht diejenige, die aufgrund von fehlenden Ausschreibungen zweimal zu hohen Geldstrafen verurteilt wurde und somit das ganze Pilotprojekt massiv gefährdet hat - das geht auf die Kappe des Hauptverbands."

Nun mit Studien an die Öffentlichkeit zu gehen, die der E-Medikation ein gutes Zeugnis ausstellten, sei für Steinhart ein "reines Ablenkungsmanöver vom Misserfolg und schlechten Projektmanagement des Pilotprojekts."

Kein Wahlkampfthema

Auch die Behauptung des Hauptverbands-Vorsitzenden Hans Jörg Schelling, wonach die Ablehnung der E-Medikation und des geplanten ELGA-Gesetzes wahlkampfbedingt sei, weist Steinhart scharf zurück. Der Vizepräsident erinnert in diesem Zusammenhang an die Befragung der Wiener Ärztekammer, bei der sich von mehr als 3300 Ärztinnen und Ärzten 95 Prozent gegen das ELGA-Gesetz in der vorgelegten Form ausgesprochen haben.

Steinhart: "Wir haben unsere Standpunkte klargemacht - die Ärztekammerwahlen werden an unseren Forderungen nichts ändern. Solange ELGA und die E-Medikation nicht verfassungskonform aufgesetzt sind, wird die Ärzteschaft geschlossen ihre Zustimmung nicht geben."

>> siehe: E-Medikation: Ärzte laut Umfrage gespalten

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