zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 22. Februar 2012

Wiener AKH: Ärzte gegen Rufbereitschaft in der Nacht

"Es hat sich gar nichts geändert, die Situation ist mit der im Herbst ident", warnte Thomas Szekeres, Vorsitzender des Betriebsrats des ärztlichen AKH-Personals gestern in einer Pressekonferenz. Ende des vergangenen Jahres waren die Ärzte am AKH auf die Barrikaden gestiegen, nachdem unter anderem die Reduktion von Diensträdern angekündigt worden war. Letztendlich sicherte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle zu, eine finanzielle Überbrückungshilfe zu gewähren, um die umstrittenen Maßnahmen abzuwenden.


Dass jetzt wieder Einsparungen geplant seien, ergebe sich laut des Betriebsrats aus dem Budget der Medizinischen Universität. Dieses sehe für das Jahr 2012 einen Fehlbetrag von 12 Millionen Euro vor. Auch für die weiteren Jahre bestünde eine Unterdeckung.


Ärzte lehnen Rufbereitschaft ab


Laut Szekeres soll nun wieder bei den Nachtdiensten gespart werden, jedoch auf andere Art und Weise. So sei etwa die Einführung einer Rufbereitschaft geplant. Die wird von den Ärzten jedoch abgelehnt, wie gestern betont wurde. "Dieses Modell ist ein sehr riskantes", betonte Ingwald Strasser, der stellvertretende Vorsitzende des Ärzte-Betriebsrats. Die Ärzte würden während ihres Journaldienstes nicht im Krankenhaus sein, sondern zu Hause. Werden sie benötigt, müssten sie erst von dort anreisen.


Arbeitsbelastung steigt weiter


Nach Auskunft der AKH-Ärzte wurden bereits bisher rund 100 Posten eingespart. Rund 80 weitere sollen nicht nachbesetzt werden. Das bedeute, dass es zwar 180 Stellen weniger gebe, eine Leistungsreduktion aber nicht vorgesehen sei, wurde kritisiert. Dies würde die Arbeitsbelastung und damit die Burn-Out-Gefahr weiter erhöhen. Die Mediziner wünschen sich nun unter anderem, dass das Pflegepersonal mehr Hilfsleistungen - wie etwa Blutdruckmessen oder Blutabnehmen - übernimmt.


Rektor versucht zu beruhigen


Der angesprochene Rektor erinnerte in einer Reaktion am Dienstagnachmittag auf die jüngst erzielte Einigung mit dem Minister: "Wir haben Ende des Vorjahres mit dem Wissenschaftsministerium eine Überbrückungslösung bis Sommer 2013 erreicht. Dadurch konnte die Reduktion von Journaldiensten ab 1. Februar 2012 abgewendet und eine grundsätzliche Reform der ärztlichen Nacht- und Wochenenddienste in Angriff genommen werden."


Struktur wird überdacht


Schütz zeigte sich zuversichtlich, dass die aktuellen Gespräche über eine gemeinsame Betriebsführung mit der Stadt Wien, dem AKH und dem Wissenschaftsministerium rasch zu "klaren Leistungsdefinitionen führen". Im Dezember war nämlich auch vereinbart worden, die Struktur des AKH zu überdenken. Derzeit ist die Stadt Spitalsträger, die Ärzte werden von der Med-Uni - also vom Bund - bezahlt.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben