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Gesundheitspolitik 16. Februar 2012

ELGA: Kosten höher als Einsparungen

Ein "verheerendes Zeugnis" für die ELGA Kosten-Nutzen-Analyse des Gesundheitsministeriums.

Zahlen aus Deutschland

Ausgangsbasis für ein Gutachten des Steuerberaters Klaus Hübner war die im Jahr 2008 von der deutschen Beratungsgesellschaft Debold & Lux erstellte Studie zu ELGA, die von der ELGA GmbH mit etwa drei Prozent Kostendämpfungspotenzial per anno valorisiert und unhinterfragt übernommen worden war.

Die Studie - das Unternehmen selbst wurde mittlerweile liquidiert - bildete gleichzeitig die Basis für die Berechnungen des Gesundheitsministeriums und geht von einer Brutto-Kostendämpfung von rund 129 Millionen Euro aus, bei einem unterstellten Wirkungsgrad von 30 Prozent. Just jene 129 Millionen Euro präsentierte der Gesundheitsminister Ende 2011 als jährlichen, durch ELGA zu erzielenden Einsparungseffekt.

Fehler gefunden

Die Berechnungen wurden von Hübner & Hübner nunmehr auf Plausibilität, Kontinuität, Transparenz und Korrektheit überprüft. Fazit: "In sämtlichen Bereichen, mit Ausnahme der `Reduktion an Medikamentenkosten wegen vermiedener Doppelmedikation', wurden Fehler gefunden und korrigiert", erklärte Klaus Hübner. Die Berechnung des Brutto-Kostendämpfungspotenzials sei somit "keinesfalls stimmig".

Beispiel: Erwerbstätige an Spitalsfällen

Fehler gebe es beispielsweise im Bereich "vermeidbare Arbeitsausfälle". Hübner: "Die Referenzzahl ´Anteil der Erwerbstätigen an den Spitalsfällen' wurde in Höhe von 50 Prozent angenommen. Allerdings fällt der Anteil der Erwerbstätigen an den Spitalsfällen laut dem Statistischen Handbuch der Österreichischen Sozialversicherung mit 30 Prozent deutlich geringer aus."

Beispiel: Referenzzahlen e-Medikation

Kritisch zu hinterfragen ist auch ein wesentliches Referenzprojekt des Rechenmodells, das Pilotprojekt "Arzneimittel-Sicherheitsgurt mit e-Card", das im Jahr 2007 in 71 Salzburger Apotheken gestartet war und mehr Sicherheit bei der Einnahme von Medikamenten mit sich bringen sollte. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse aus diesem Pilotprojekt auf ganz Österreich sei sehr problematisch, so der Experte, denn: "63 Prozent der Teilnehmer am Projekt sind über 50 Jahre, während der Anteil der über 50-Jährigen an der Gesamtbevölkerung lediglich 35 Prozent ausmacht", führte Hübner aus.

Dazu komme, dass 45 Prozent der im Pilotprojekt erfassten Medikationen auf Dauertherapien zurückzuführen seien. Die Folge: Es könnten lediglich Einmaleffekte bei Einsparungen erwartet werden. "Nicht berücksichtigt wurde außerdem der Umstand, dass Ärztinnen und Ärzte oftmals Interaktionen bei der Behandlung in Kauf nehmen", sagte Hübner. Unter Berücksichtigung aller relevanten Faktoren würde sich der Nutzen deutlich verringern, so der Experte.

Beispiel: Vermeidbare stationäre Fälle

Ähnlich sehe es bei den vermeidbaren stationären Fällen aus. Um das Einsparungspotenzial zu berechnen, habe man in der Kosten-Nutzen-Analyse des Ministeriums kurzerhand sowohl die fixen als auch die variablen Kosten eines Belegstags als einsparbar dargestellt.

"Variable Kosten sind z.B. medizinisches Material, fixe Kosten sind Mitarbeiter oder Raumkosten. Letztere kann man nur dann einsparen, wenn man Einrichtungen schließt oder verkauft bzw. Mitarbeiter entlässt. Das ist jedoch aufgrund der demografischen Entwicklung und die Zunahme von Zivilisationskrankheiten nicht möglich. Tatsächlich können nur die variablen Kosten eingespart werden", so Hübner Allein dieser Fehler führe zu einem geringeren Brutto-Kostendämpfungspotenzial als vom Ministerium kolportiert.

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