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Gesundheitspolitik 9. Februar 2012

Dorner-Nachfolge: Ein Hardliner ist "vielleicht nicht schlecht"

Gelassen nimmt der scheidende Ärztekammer-Präsident Walter Dorner Vorwürfe, mit dem von ihm für die Wiener Kammer vorgeschlagenen Nachfolger Johannes Steinhart einen "Hardliner" an die Spitze zu bringen. "Das ist vielleicht nicht schlecht", sagte Dorner, "in gewissen Bereichen war er nicht kompromissbereit, um die Forderungen der Wiener Ärzte durchzusetzen."

Nachfolger aus der Praxis

Dorner wünscht sich jedenfalls als Wiener Präsident einen Nachfolger, der "im täglichen Leben steht", der "weiß, was im Spital los ist, der eine Ordination führt und der auch weiß, wie man mit den sozialen Krankenversicherung Verhandlungen führt". Diese Voraussetzungen bringe Steinhart am besten mit, er habe "die nötige Qualität und das nötige Wissen", ist der scheidende Präsident voll des Lobes für seinen von ihm gewünschten Nachfolger. "Er weiß, wie man für die Kollegen arbeitet."


Verantwortung an Jüngere übergeben


Als Hauptgrund für seinen Rückzug führte Dorner an, dass er nicht nur seit fünf Jahren Präsident der Bundeskammer ist, sondern schon seit 13 Jahren die Wiener Kammer führt. "Einen Etikettenschwindel" hätte er nicht gewollt, indem er sich jetzt noch einmal zum Präsidenten wählen lässt und dann mitten während der Amtsperiode das Amt zur Verfügung stellt.

"Keine Rolle" hätten die Auseinandersetzungen innerhalb der Ärztekammer gespielt, die ihm im Vorjahr Rücktrittsaufforderungen der Niederösterreichischen Kammer und des Hausärzteverbandes wegen seiner grundsätzlichen Zustimmung zu ELGA in der Bundesgesundheitskommission eingetragen haben, versicherte Dorner. Für ihn sei es jedenfalls an der Zeit, die Verantwortung an eine "jüngere Generation" zu übergeben, meinte der 69-Jährige. Er habe sich den Schritt "lange überlegt" und auch mit der Familie besprochen.


Zukunft Bildungspolitik


Wehmut empfindet Dorner angesichts seines Rückzuges von der Spitze nicht, zumal er künftig Ideen umsetzen möchte, für die er als Präsident keine Zeit hätte. So will er sich verstärkt dem Thema Ethik und der "Humanisierung der Medizin" widmen, damit der Mensch wieder vermehrt in den Mittelpunkt gestellt wird. Es geht ihm vor allem um "mehr Bildungspolitik im Gesundheitswesen" und um grundsätzliche Konzepte für die Ausbildung junger, angehender Mediziner.

So will er etwa die Aufnahmetests für Medizinstudenten dahingehend ändern, dass mehr Wert auf soziale Kompetenzen gelegt wird. Das medizinische Wissen allein wird seiner Auffassung nach für Ärzte künftig nicht mehr ausreichen, nötig seien auch juristische und wirtschaftliche Grundkenntnisse.


Ehrlichkeit an erster Stelle


Tipps will Dorner seinem Nachfolger nicht mit auf den Weg geben, weil jeder seine eigenen Vorstellungen habe. Eines war ihm selbst aber immer wichtig: "Ich habe selbst immer getrachtet mit allen ehrlich umzugehen."

Seinem Nachfolger hinterlasse er jedenfalls "ein geordnetes Haus". Es handle sich um einen "modernen Betrieb", in dem die nötigen Reformen, die im Zuge des Sparpakets nun auch für andere Kammern diskutiert werden, schon durchgeführt worden seien. Der Mitarbeiterstand sei von rund 80 auf knapp 50 reduziert worden, und die Rationalisierungen seien von den Mitarbeitern voll mitgetragen worden.


Für die künftige Gesundheitspolitik wünscht sich der scheidende Präsident vor allem "Ehrlichkeit". Man solle keine Spielchen machen und nicht "mit Laub Gruben zudecken". Das Wichtigste sei ihm die Zuwendung zu den Menschen und die Eindämmung der Bürokratie.


Wahlen mit vielen Listen


Bei den Ärztekammer-Wahlen, die im Laufe des März in den neun Landeskammern abgehalten werden, treten zahlreiche verschiedene Listen an. Allein in Wien werden mehr als ein Dutzend verschiedene Gruppierungen kandidieren. Entsprechend schwierig könnte es dann werden, Mehrheiten zu finden - auch für die Wahl des Präsidenten. Aus der Wiener Wahl vor fünf Jahren war die ÖVP-nahe "Vereinigung Österreichischer Ärzte", für die damals Dorner und heuer Steinhart als Spitzenkandidat ins Rennen geht, als stärkste Gruppierung hervorgegangen.

In der Vollversammlung der Bundes-Ärztekammer wird dann am 22. Juni aus dem Kreis der neun Landespräsidenten der Präsident der Österreichischen Ärztekammer gewählt. Wahlberechtigt sind dabei dann die Präsidenten und Kurienobleute der Länder sowie die Bundeskurienobleute und ihre Stellvertreter.

Ärztekammer/AN, springermedizin.at

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