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Dr. Thomas Czypionka, Gesundheitsökonom am Institut für höhere Studien (IHS) in Wien
 
Gesundheitspolitik 24. April 2009

Versorgungsqualität braucht Kooperation von intra- und extramuralem Bereich.

Es gibt in der internationalen Literatur ausreichend Studien, die deutlich zeigen, dass es einen Einfluss auf die Qualität hat, wie oft medizinische Leistungen erbracht werden – wobei dies immer im größeren Zusammenhang von Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität zu betrachten ist. Deutlich bleibt: Werden bestimmte Fallzahlen nicht erreicht, wirkt sich das negativ auf die Routine und damit die Qualität insgesamt aus.

Eine Grundsatzfrage, die gerne in der Diskussion ausgespart wird, ist, ob es überhaupt Sinn macht, Krankenhäuser in den Mittelpunkt der Versorgung zu stellen. Es gibt gute Evidenz, dass der Primärversorgungsbereich ein gutes Gesundheitswesen definiert, und nicht der Spitalsbereich. Eine Steuerung der Gesundheitsversorgung über die Krankenhäuser führt zwangsläufig dazu, dass Anreize bestehen, die Leistungen dort zu erbringen. Dort ist die Behandlung aber oft teurer und gleichzeitig risikoreicher als im adäquaten niedergelassenen Setting.

Eigentlich würde es darum gehen, den intra- und extramuralen Bereich besser aufeinander abzustimmen. Ein Hemmschuh bleibt das Finanzierungssystem und der Föderalismus. Denn dass es bestimmte Spitäler gibt, weil sich Regionalpolitiker dafür stark machen, hat sicher nicht immer mit der Qualität der Versorgung zu tun.

Die Wörter Ineffizienz und Effizienzmessung rufen bei vielen Unbehagen hervor. Wichtiges Ziel jedes Benchmarking-Prozesses – diese kommen in Österreich momentan viel zu wenig zum Einsatz – ist das Lernen von den Besten, um selbst besser oder sogar Bester zu werden. Da ist kein Platz für „Bestrafungen“. Gleiches gilt für den Bereich der Qualität, wo nicht „blame & shame“ im Vordergrund stehen sollte, sondern konstruktive Vergleiche mit dem Ziel der kontinuierlichen Verbesserung.

Die Frage der völligen öffentlichen Transparenz von Daten ist heikel und sollte zunächst in den Hintergrund treten, um das Wachsen einer Qualitätskultur in Österreich zu ermöglichen.

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Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 17/2009

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