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Gesundheitspolitik 8. Februar 2012

Standpunkte: Weniger Qualität im Studium?

Die EU-Kommission wünscht sich eine Verkürzung der Mindeststudiendauer für Mediziner auf fünf Jahre. Was sagen die Betroffenen?

Rund 5.500 Stunden an theoretischem und praktischem Unterricht sind im Medizinstudium mindestens vorgesehen, daran soll sich auch zukünftig nichts ändern. Geht es nach dem Willen der EU-Politiker, sollen diese Stunden in fünf Jahre gepresst werden anstatt wie bisher in sechs. Die Kommission begründet ihren Vorschlag mit einer dringend notwendigen Aktualisierung in der Harmonisierung der Berufsqualifikationen für Mediziner, um der Weiterentwicklung und der Ausbildung in diesen Bereichen Rechnung zu tragen. Und wenn auch bis zur Umsetzung des Vorschlags der EU-Kommission noch einige große Hürden zu nehmen sind – etwa Beschlüsse des EU-Rats und -Parlaments sowie eine Umwandlung der Richtlinie in österreichisches Recht –, läuten hierzulande die Alarmglocken.

Vor allem die praktische Ausbildung könnte bei Umsetzung der Pläne zu kurz kommen, kritisieren unisono die Rektoren der österreichischen MedUnis in Wien, Graz und Innsbruck. Denn gerade für das sechste Jahr sehen die neuen Curricula ein klinisch-praktisches Jahr vor, in dem die Studenten von der Theorie an den beruflichen Alltag herangeführt werden sollen. Würde dieses Jahr wegfallen, müsste die klinische Erfahrung in den postgradualen Bereich verlagert werden. Die Österreichische Hochschülerschaft befürchtet, dass eine Verkürzung des ohnehin zeitintensiven Medizinstudiums das Aus für Studenten mit Nebenjob bedeuten könnte.

Prof. Dr. Karin Gutiérrez-Lobos Vizerektorin für Lehre, Gender & Diversity der Medizinischen Universität Wien  Mag. Friedrich Faulhammer Generalsekretär im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung  Christian Alexander Orasche Leiter der Universitätsvertretung (ÖH) an der MedUni Wien, Mitglied des akademischen Senats

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
"Schon jetzt am Limit"
Gute Lehre lässt sich nicht verordnen, aber durch Anerkennung und Anreize fördern.
Prof. Dr. Karin Gutiérrez-Lobos, Vizerektorin für Lehre, Gender & Diversity der Medizinischen Universität Wien
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Standpunkt 2
"Kritik sehr ernst nehmen"
Mit einer Verkürzung der Studienzeit muss sich nicht die Qualität vermindern.
Mag. Friedrich Faulhammer Generalsekretär im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
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Standpunkt 3
"Überlastet schon im Studium"
Eine Reduktion wäre mit einer Verschlechterung der praktischen Ausbildung verbunden.
Christian Alexander Orasche Leiter der Universitätsvertretung (ÖH) an der MedUni Wien, Mitglied des akademischen Senats
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Von V. Weilguni, Ärzte Woche 6 /2012

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