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Gesundheitspolitik 7. Februar 2012

Gemischte Reaktionen auf klinisch-praktisches Jahr

Die drei Medizin-Unis wollen das sechste Studienjahr in ein einheitliches klinisch-praktisches Jahr umwandeln und von derzeit 30 auf 40 bis 48 Wochen verlängern. Im Gegenzug fordern sie eine Reform von Turnus und Facharztausbildung. Von der Ärztekammer (ÖÄK) und der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) wird der Plan mit gemischten Gefühlen aufgenommen.

Turnus-Reform oder weniger Theorie

Während die Studenten hoffen, dass dadurch die Reform des ungeliebten Turnus beschleunigt wird, fürchten die Ärzte, dass die Theorie auf der Strecke bleiben könnte. Die Studentenvertreter der Medizin-Uni Wien befürworten ein klinisch-praktisches Jahr (KPJ) prinzipiell. Dort ist das sechste Studienjahr derzeit noch ein Mix aus Vorlesungen und Praktika, in Graz und Innsbruck verbringen die Studenten dieses schon jetzt fast ausschließlich am Krankenbett.

ÖH hofft auf Praxis 

Die ÖH der Medizin-Uni Wien hofft, dass die Studenten durch das KPJ mehr Zeit auf einer Station verbringen und folglich besser eingeschult und in die täglichen Abläufe eingebunden werden. Allerdings sei bisher etwa noch offen, wie ein KPJ sozialverträglich gestaltet werden kann oder wie die Platzvergabe erfolgt, wenn ein Student Kinder hat.

Facharztausbildung "Allgemeinmedizin"

"Wir stützen unsere Zustimmung zum klinisch-praktischen Jahr darauf, dass man hört, dass in drei bis vier Jahren eine Reform der postgraduellen Ausbildung angestrebt ist", sagt der ÖH-Vorsitzende der Medizin-Uni Wien, Christian Orasche. Das KPJ gelte als politische Voraussetzung dafür.

Im Idealfall könnten damit die ersten Studenten, die ein solches absolvieren, bereits anstelle eines Turnus eine neue "Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner" beginnen. Dabei würden sie wie ein Assistenzarzt behandelt und nicht wie derzeit die Turnusärzte für Hilfsdienste eingesetzt, hofft Orasche.

Wissensexplosion versus Studienzeitverkürzung

Für ÖÄK-Sprecher Martin Stickler stellt sich die Frage, ob bei einer de-facto-Verkürzung der theoretischen Ausbildung die Studenten noch den dynamischen Entwicklungen in der Medizin entsprechend ausgebildet werden können. "Je mehr man abzwackt, desto weniger von der Wissensexplosion kann man abdecken", warnt er. "Das kann nicht der Stein der Weisen sein."

Beschlossene Sache

Darin, dass die Allgemeinmediziner-Ausbildung reformiert werden muss, ist sich die ÖÄK aber mit den Medizin-Unis und der ÖH einig. Allgemeinmediziner müssten intensiver ausgebildet werden, die Dauer solle von drei auf fünf Jahre angehoben werden, eines davon verpflichtend in der Hausarzt-Ordination. "Der derzeitige Turnus wird den Anforderungen nicht gerecht." Die Einführung des KPJ, die "beschlossene Sache zu sein" scheine, ändere nichts an der Forderung nach einer Verlängerung.

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