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Foto: photos.com / Ärzte-Woche-Montage
 
Gesundheitspolitik 5. Februar 2012

Schluss mit 08/15-Diagnosen

Präoperative Befunde haben ihren Sinn verloren, wenn sie doppelt erhoben werden und nur unnötige Kosten produzieren.

Rund 800.000-mal pro Jahr soll es vorkommen, dass vor Operationen typische Routineuntersuchungen wie Blutlabor, Lungenröntgen oder EKG mehr als einmal durchgeführt werden und von einer Gesundheitseinrichtung zur anderen wandern. Der Nutzen ist fraglich, die Verärgerung der Patienten verständlich und die Kostenspardiskussion im Gesundheitssystem erhält neuen Zündstoff. Der eigentliche Sinn der präoperativen Befundung geht so verloren. Ziel soll es sein, patientenspezifische Risiken zu erkennen und Folgerisiken im Zusammenhang mit Operationen zu vermeiden. Dass dafür „08/15“-Untersuchungen nicht immer geeignet sind und diese Gewohnheit der präoperativen Routinen falsche Sicherheiten vorspiegeln können, liegt auf der Hand. Einen neuen Pfad in der präoperativen Diagnostik weist die Bundesqualitätsleitlinie.

Dieser medizinische Diagnostikpfad wurde von verschiedenen Fachgesellschaften unter der Moderation der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) entwickelt. Im Unterschied zur herkömmlichen Diagnostik werden maßgeschneidert anhand der Begleiterkrankungen und Symptome der Patienten nicht nur statische Momentaufnahmen zur Risikobeurteilung verwendet, sondern die Beurteilung der funktionellen Leistungsfähigkeit herangezogen. Das bringt mehr Sicherheit sowohl für die Behandler als auch die Patienten und spart letztendlich auch Kosten.

OA Dr. Gerhard Fritsch Universitätsklinik für Anästhesie, SALK, Leiter der ÖGARI Arbeitsgruppe „präoperatives Patientenmanagement“  Prof. Dr. Andreas Sönnichsen Vorstand des Instituts für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin, PMU Salzburg  Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte Österreich

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
"Risikoprofile unterschiedlich"
Es liegt im Interesse der Patienten und der Behandler, die Leitlinie wann immer möglich einzusetzen.
OA Dr. Gerhard Fritsch, Universitätsklinik für Anästhesie, SALK, Leiter der ÖGARI Arbeitsgruppe "präoperatives Patientenmanagement
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Standpunkt 2
"Patienten nicht verunsichern"
Diese Methodik wird international von der Fachwelt als höchstes Qualitätskriterium anerkannt.
Prof. Dr. Andreas Sönnichsen, Vorstand des Instituts für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin, PMU Salzburg
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Standpunkt 3
"Höhere Patientenzufriedenheit"
Die BQLL ist ein deutlicher Schritt weg von der eminenzbasierten und hin zur evidenzbasierten Medizin.
Dr. Gerhard Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte Österreich
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Von R. Haiden, Ärzte Woche 5 /2012

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