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Gesundheitspolitik 25. Jänner 2012

Radiologen: Wartezeiten schaden Volkswirtschaft

Der österreichischen Volkswirtschaft entsteht laut einer Berechnung der österreichischen Röntgenologen durch die derzeit geltende Deckelung der Honorarsumme für die Computertomografie- und Magnetresonanzuntersuchungen binnen vier Jahren ein Schaden von 1,7 Milliarden Euro wegen verlängerter Krankenstände.

Die Wartezeiten auf Untersuchungen für Patienten sind von ein bis zwei Wochen im Jahr 2009 auf mittlerweile bereits fünf bis sechs Wochen angestiegen, hieß es am Mittwoch bei einer Pressekonferenz der Gesellschaft in Wien. Durch bessere Untersuchungsmöglichkeiten und die zunehmende Ausweitung der Anwendungsgebiete der bildgebenden Diagnostik gibt es laut Franz Frühwald, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Radiologie der Österreichischen Ärztekammer, einen Anstieg des Bedarfs an Computertomografie-Untersuchungen (Schnittbildröntgen/CT) um zwei Prozent und von fünf Prozent bei den Magnetresonanzuntersuchungen (MR oder MRT) pro Jahr.

Doch eine seit rund zwei Jahren geltende "Deckelung" der Ausgaben der sozialen Krankenkassen für diese Untersuchungen lässt die Schere zwischen Bedarf und Kapazitäten laut dem Radiologen und Standesvertreter aufgehen: "Diese Deckelung bedeutet, dass die Honorarsummen auf dem Niveau von 2009 beschränkt sind, sodass alle Untersuchungen, welche die Frequenz des Jahres 2009 übersteigen, gratis durchzuführen sind." Eine Ausweitung der Kapazitäten sei daher nicht möglich.

Frühwald: "Die Folge ist - bedingt durch die Zuwachsraten - eine Ausweitung der Wartezeiten auf Untersuchungen. Die durchschnittliche Wartezeit auf eine CT- oder MRT-Untersuchung hat bis 2009 etwa eine bis zwei Wochen betragen. (...) Mittlerweile bestehen in Österreich durchschnittlich etwa fünf bis sechs Wochen Wartezeit auf einen CT- oder MRT-Termin. Viele Patienten befinden sich allerdings im Krankenstand, während sie auf einen Untersuchungstermin warten müssen."

Die Radiologen haben eine Abschätzung auf der Basis des "Fehlzeitenreports 2011" des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) durchgeführt. Demnach betragen die volks- und betriebswirtschaftlichen Kosten eines unselbstständig Beschäftigten pro Tag 201 Euro, was größtenteils die Arbeitgeber übernehmen müssen. Eine CT- oder MRT-Untersuchung kostet die Krankenkassen in einer Mischberechnung knapp 140 Euro.

Frühwald: "Der volkswirtschaftliche Effekt der Ausweitung der Wartezeiten auf einen CT- oder MRT-Termin, der die Behandlung verzögert und Krankenstände verlängert, beträgt unter der Annahme, dass nur fünf Prozent der wartenden Patienten im Krankenstand sind, pro Tag 8,3 Millionen Euro. (...) Insgesamt werden während der vierjährigen Laufzeit der Deckelverträge etwa 436 Millionen Euro pro Jahr durch die unnötigen zusätzlichen Wartezeiten im Bereich CT/MRT verursacht." Das wären dann rund 1,7 Milliarden Euro. Die Röntgenologen gehen davon aus, dass 2012 die durchschnittliche Wartezeit bereits auf neun Wochen ansteigen wird, im Jahr 2013 auf zwölf Wochen.

Dass die Radiologen "mit dem scharfen Blick" in Zukunft in der Medizin nur noch wichtiger werden dürften, ergibt sich vor allem aus der rasanten technischen Entwicklung. Immer mehr und immer genauere Untersuchungen werden möglich. So könnte es durchaus sein, dass man in wenigen Jahren bereits ein Lungenkarzinom-Früherkennungsprogramm für Menschen ab einer Raucherkarriere von 30 Jahren (eine Packung pro Tag) diskutieren dürfte. Eine riesige US-Studie mit 54.000 Probanden im Alter zwischen 55 und 74 Jahren ergab nämlich bei drei jährlichen Früherkennungsuntersuchungen (Low Dose-CT mit einer Vergleichsgruppe von herkömmlichem Röntgen) eine Reduktion der Lungenkarzinom-Sterblichkeit um 20 Prozent.

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