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Gesundheitspolitik 24. Jänner 2012

Hausarzt: Arzt der Zukunft - Zukunft des Arztes?

Mit dem drohenden Ärztemangel und seinen Folgen beschäftigt sich ein am Dienstag präsentiertes Buch mit dem Titel "Arzt der Zukunft - Zukunft des Arztes. Niedergelassene Medizin in Österreich." Experten aus dem In- und Ausland plädieren in dem Sammelband für eine Stärkung der niedergelassenen Ärzte.

Dramatisches Bild

Das von den drei Ärztekammer-Funktionären Günther Wawrowsky, Gert Wiegele und Jörg Pruckner herausgegebene Werk zeichnet im Beitrag der Ärzte ein dramatisches Bild des drohenden Ärztemangels: In den nächsten zehn Jahren werden demnach mehr als 2.400 oder fast 40 Prozent der niedergelassene Allgemeinmediziner in Pension gehen. Ähnlich ist die Situation bei den Fachärzten.

Viele Kassenstellen können nur schwer oder gar nicht nachbesetzt werden. Die Folgen beschreiben Wawrowsky, Wiegele und Pruckner als "katastrophal": In ländlichen Räumen sind Patienten unterversorgt und in urbanen Räumen weichen Patienten in teure und überqualifizierte Ambulanzen bzw. zu Fachärzten aus, denen dann Kapazitäten für ihre eigentlichen Aufgaben fehlen.

Hausarztmodell der Kammer

Als Ausweg propagieren sie das Hausarztmodell der Ärztekammer: Damit soll der Vertrauensarzt, der entweder ein Allgemein- oder ein Facharzt sein kann, zur ersten und zentralen Anlaufstelle bzw. zur medizinischen Informationsdrehscheibe für die Patienten werden. Er soll die Patienten im Bedarfsfall an Fachärzte oder Ambulanzen überweisen, bei ihm sollen alle Informationen und Befunde zusammenlaufen und er soll auch auf der E-Card des Patienten registriert sein.

Dass ein solches System nicht nur den allgemeinen Gesundheitszustand und die Patientenzufriedenheit erhöht, sondern auch die Kosten des Gesundheitswesens senkt, erläutert die Wirtschaftsexpertin und Politikberaterin Agnes Streissler.

Hundert Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag mehr würden ihren Angaben zufolge 25.000 Spitalsaufenthalte vermeiden helfen und 80 Millionen Euro ersparen. Zusätzlich sieht sie ein Einsparungspotenzial von 335 Mio. Euro pro Jahr durch die Vermeidung von unnötigen Ambulanzbesuchen.

Ländlicher Raum

Vor einem "drohenden Kollaps der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum" warnt auch Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer. Davon hänge "nicht mehr und nicht weniger als das Schicksal unserer ländlichen Räume" ab. Die Bevölkerung habe viele infrastrukturelle Einschnitte hingenommen, bei der Gefährdung der ortsnahen ärztlichen Versorgung "ist die Schmerzgrenze allerdings erreicht" - auch für die Bürgermeister. Hauptziel müsse sein, die praktischen Ärzte nicht nur in den Gemeinden zu halten, sondern die niedergelassenen Strukturen vor Ort auszubauen. "Wir brauchen mehr niedergelassene Ärzte in unseren Gemeinden, nicht weniger."

Positives Resumee aus Deutschland

Ein positives Resümee zieht der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, über ein Baden-Württemberg bereits eingeführtes Hausarztmodell mit der AOK-Versicherung, an dem sich rund 1,3 Millionen Versicherte und etwa 4.000 Hausärzte beteiligen. Dabei schreiben sich die Versicherten auf freiwilliger Basis bei einem ebenfalls freiwillig teilnehmenden Hausarzt ihrer Wahl ein und binden sich an diesen für ein Jahr.

Mit Ausnahme von Kinderärzten und Gynäkologen können sie andere Gebietsärzte nur mit hausärztlicher Überweisung aufsuchen. Weigeldt berichtet, dass die Patienten dies nicht als Einschränkung ihrer freien Arztwahl sehen, sondern mit der strukturierten Versorgung un der Begleitung durch den Hausarzt bei Medikation und weiterführenden Untersuchungen sehr zufrieden sind.

"Arzt der Zukunft - Zukunft des Arztes. Niedergelassene Medizin in Österreich"

von Günther Wawrowsky, Gert Wiegele, Jörg Pruckner (Hg.); 111 Seiten; ISBN 978-3-99052021-5; 19,90 Euro.

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